In der Fatih Camii Moschee

Fastenbrechen im Mondschein

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Hülya Lehr (Mitte) hält zum nächtlichen Iftar-Essen den Sohn einer somalischen Asylbewerberin auf dem Arm.

Münster/Dieburg - Bis zum Donnerstag währt die Zeit des Ramadan. In der Fatih Camii Moschee in Dieburg treffen sich Moslems aus vielen Ländern zum nächtlichen Iftar-Essen. Von Mayely Müller

21.41 Uhr an einem Sommer mitten in der Woche. Die Sonne verschwindet und ein frischer Wind weht durch das Dieburger Industriegebiet. Es ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Bis zum 16. Juli währt der neunte Monat des islamischen Kalenders noch und bis zu diesem Datum werden in der DitiB Fatih Camii Moschee, die dem Türkisch-Islamischen Kulturverein angehört, jeden Abend rund 400 Menschen das allabendliche Fastenbrechen (arabisch: Iftar) gemeinsam begehen. Zum Ende des Ramadan gibt es ein großes Fest. Nach Sonnenuntergang sammeln sich die Männer im Erdgeschoss, die Frauen gehen in einen Gemeinschaftsraum im ersten Stock. An den Essen nehmen Asylbewerber und deutsche Staatsbürger, Berufstätige und Arbeitslose teil. Viele kommen aus Balkanländern wie dem Kosovo, andere aus weit entfernten Krisengebieten wie Somalia und Afghanistan, wieder andere sind aus der Konfliktregion Kaschmir an der pakistanisch-indischen Grenze. Bei genauerer Betrachtung erkennt man den hohen Anteil an jungen Menschen.

Eine Gruppe Freiwilliger beginnt das Essen auszuteilen, das von einem türkischen Koch zubereitet wurde, welcher für den Ramadan extra aus der Türkei eingeflogen wurde. In einer einfachen Plastikschale werden Linsensuppe, Reis, Fleischterrine und Melone serviert, dazu wird Fladenbrot und Salat gereicht. Als wichtigste Speise kommt die Dattel hinzu, eine im Islam bedeutsame Frucht, da sie als heilbringend und segensreich gilt. Für die Finanzierung des Iftar-Essens hängt Monate vorher in der Moschee eine Liste aus, in der man sich für die Ausrichtung eines Abends eintragen kann. Diese Aufstellung ist sehr begehrt, sodass meist drei oder vier Personen sich für ein Iftar-Essen eintragen.

Nach dem Fastenbrechen gehen alle in die zum Gemeinschaftsraum angrenzende Moschee zum Abendgebet. In Richtung Mekka betend wird nun für die Speisen und das Wasser gedankt. Von diesem Dankgebet geht es zumeist über zum gemütlichen Schwarzteetrinken. Anschließend erwartet die Gläubigen das Nachtgebet. Der Vorbeter, Imam Ahmet Sal, leitet diese Gebete für alle im Erdgeschoss im Gebetsraum der Männer an. Mit Hilfe von Burhan Celik als Übersetzer, erzählt Imam Sal von seinem letzten Freitagsgebet: „Es ging um gegenseitige Hilfe in meiner Predigt. Muslime sollten Nächstenliebe zeigen und hilfsbereit sein. Einen Teil des eigen verdienten Geldes sollten Gläubige immer an Arme geben oder es spenden. Um solche Themen geht es oft in den Predigten.“

Hülya Lehr, parteilose Gemeindevertreterin und Münsters Ausländerbeirätin, erklärt die Bedeutung und die Eigenschaften des Ramadan: „Im Ramadan geht es darum in sich zu gehen, Ruhe zu finden und seine eigene Spiritualität zu entdecken. Man verzichtet beim Fasten nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch auf alle anderen Genüsse, wie zum Beispiel Geschlechtsverkehr oder Zigaretten. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen, wenn die Sonne wieder aufgeht, beginnt es wieder. Frauen, die ihre Periode haben, Schwangere, Kinder, Reisende und Kranke sind vom Fasten ausgeschlossen.“

Nicht jeder, der an diesem Abend in der Moschee ist, fastet auch. Manche kommen einfach nur, um gemeinsam mit den Fastenden zu speisen. „Der Kern des Zusammenkommens ist der, dass Gemeinschaft gelebt wird und Völkerverständigung stattfindet. Hier geht es um Toleranz, Akzeptanz und ums Teilen. Egal ob Schiit oder Sunnit, hier kommen Menschen aus verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen zusammen und die Teilnehmer erleben ein friedliches Miteinander“, schildert Lehr. Auffallend ist vor allem die Herzlichkeit und das Lächeln der Moscheebesucher. Hier spürt man, dass verschiedene Glaubensrichtungen miteinander harmonieren können. Durch diese Gemeinschaft wird Asylbewerbern, die zumeist durch Freunde oder Bekannte auf die Moschee aufmerksam werden, die Möglichkeit gegeben, sich zu integrieren und ein neues Zuhause zu finden.

Quelle: op-online.de

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