Schlafvortrag von Andreas Kraus einer der Höhepunkte

Vom langen Kampf mit der Bettdecke

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Die FSV-Kids wirbelten im Showtanz „Zauberer“ über die Bühne und zeigten dabei sogar eine Hebefigur.

Münster - Der frühe Zeitpunkt der Fastnacht hat zumindest der Narretei der Freien Sportvereinigung (FSV) Münster keinen Abbruch getan: Volles Haus der Narretei. Von Jens Dörr 

Vor der ausverkauften Sitzung am Freitagabend mit mehr als 400 Gästen in der Kulturhalle vermochte das sechsköpfige Fastnachtsausschuss um Sitzungspräsident Kersten Grimm, Diana Schwarzer, Melanie Ellermann, Dunja Müller-Suderleit, Yvonne Wudonig und Jörg Anders selbst und über die Vorverkaufsstellen diesmal nicht alle Kartenwünsche zu erfüllen. Was Ausdruck dessen ist, dass sich das Publikum in den vergangenen Jahren offenbar gut amüsiert hatte. Und es auch am Freitag tun sollte. Dabei zeigte die FSV auf, dass ihre Narretei in der Gemeinde eine Perspektive hat: Um den jecken Nachwuchs im Verein ist es gut bestellt. Davon zeugten insbesondere die Tanzformationen: Die Jüngsten, die FSV-Kids unter der Leitung von Christiane Grimm und Melanie Ellermann, wirbelten im Showtanz „Zauberer“ früh und damit kindgerecht in der ersten Hälfte über die Bühne. Was nicht ihr einziger Auftritt in diesem Jahr ist, mischen sie doch auch bei der Seniorensitzung und bei der „FKK-Fastnacht“ mit.

Der Nachwuchs im Teenager-Alter ist bei der FSV in den „Dancing Divas“ (Leitung: Lena Schwarzer und Yvonne Wudonig) beisammen, die den Showtanz „Kosaken“ zelebrierten. Nicht der einzige Besuch aus dem Osten, von wo der musikalische Export „Schwarzmeer Don Kosaken Chor“ schon mehrfach in der Kulturhalle Station gemacht hatte: Jörg Anders platzte zwischen zwei Nummern als „vergessener Kosake“ auf die Bühne und animierte die Zuschauer zur Teilnahme im Chor. Großartig instruieren musste Grimm die vielfältig kostümierte Schar, die die Kellner teils mit „freundlich“-bestimmten „Dorscht“-Schildern zur Getränkebestellung herbeilockte, indes nicht. Ähnlich den Sitzungen der DJK Blau-Weiß Münster spürt man bei der FSV die grundlegende Sympathie für die Mitwirkenden auf der Bühne, denen es keiner krumm nimmt, wenn mal ein Tanzschritt, ein Ton oder eine Pointe nicht ganz sitzt. Viele der Fans hatten auch ihre persönlichen Lieblinge unter den 130 Aktiven, was situatives Gejohle verdeutlichte.

Auch die „Fireballs“ der FSV haben ihre spezielle Anhängerschaft. Sie sind weiblich und meist um die 20, haben sich dem Garde- und dem Showtanz verschrieben. Nun waren sie mit ihrem zehnten Gardetanz dabei, in Hälfte zwei leiteten sie das große Finale mit dem Showtanz „Gatsby“ ein. Für die Guggemusik „Hochstädter Lärmbelustigung“ war damit der Weg bereitet. Die Zwei-Mann-Kapelle „Sunshine Music“, die immer wieder Schunkelrunden einstreute, durfte sich zu diesem Zeitpunkt weitgehend zurücklehnen. Das galt auch während des Einmarschs mit dem Musikverein, dem Elferrat und den Fireballs sowie kurz vor der Pause, als die Hinnergassebuwe stimmungsvoll in die Pause verabschiedeten. Womit aber die Reihe der Tanzgruppen noch nicht abgeschlossen wäre: Das Damen- und das Männerballett dürfen keinesfalls vergessen werden. Die Männer traten als Piraten auf. Wie bei den anderen Formationen hatte es auch bei ihnen seinen Charme, dass sie nach der Frage Grimms („Wolle mer se roilosse?“) nicht plötzlich auf der Bühne standen, sondern vom Foyer aus zunächst durchs Publikum liefen und schon vor dem Beginn der Choreografie das Bad in der Menge genießen durften. Das Damenballett – wie das der Männer unter der Leitung von Viola Schickedanz – hatte den Showtanz „Vogelscheuche“ einstudiert.

Galerie zur Fastnachtsitzung der FSV Münster

Wortvorträge hatte die FSV fünf eingestreut: Der erst 13-jährige und zum zweiten Mal mitwirkende Bastian Müller, der über komisch werdende Erwachsene in der Pubertät und seinen Schlag bei den Mädels berichtete, zeigte, dass auch in diesem närrischen Bereich etwas heranwächst. Melanie Ellermann und Dunja Müller-Suderleit hielten einen Dialog als „Feen“, in Jochen Ries und Reiner Sperl ergänzten sich in Hälfte zwei ein Münsterer und ein Eppertshäuser – ja, das gibt’s! – kongenial als „Zwei Väter“. Lutz Murmann, bekanntlich stark in der Narretei des geliebten Nachbarn Eppertshausen involviert, sprach als „Eppertshaiser Settchen“. Er mischte aber auch in Münster nun schon zum 27. Mal mit.

Geschliffen trug sein Werk „Schlafen“ der Offenbacher Andreas Kraus vor, der zum neunten Mal Spaß auf der FSV-Bühne bereitete. Kraus schaffte es etwa, einen fünf Minuten lang währenden Kampf mit der Bettdecke derart unterhaltsam und präzise zu schildern, dass das zu keinem Moment fade wurde. Seine Conclusio zu Nächten mit schnarchender Frau, nerviger Fliege und hartnäckiger Katze: „Es ist schon schlimm, was so eine Nacht aus so manchem Menschen macht!“ Wie sich die Nacht für die Besucher der FSV-Sitzung gestaltete, hatten diese letztlich selbst in der Hand: durch einen Bier- und Spirituosengenuss mit Augenmaß bei der anschließenden Party mit DJ Ö in der Bar im Kulturhallen-Foyer.

Quelle: op-online.de

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