Nach Absage des Dieburger Umzugs gilt es für die aktiven Gruppen, umzuplanen

Frust sitzt auch bei Doaschde tief

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Zu spontanen Tanzeinlagen versammelten sich gestern Mittag viele Narren auf dem Dieburger Marktplatz und strotzten mit guter Laune und teils mit durchsichtigen Regencapes dem Wetter.

Münster/Dieburg - Gestern morgen war es traurige Gewissheit: Der traditionelle Umzug in Dieburg sollte wegen des angekündigten Sturms nicht stattfinden. Für alle enttäuschten Narren gibt es aber eine gute Nachricht: Ein Nachholtermin ist bereits beschlossen. Von Corinna Hiss 

Äla in Moll war gestern auch bei vielen Münsterern angesagt, als bekannt wurde, dass der Dieburger Fastnachtsumzug abgesagt wird. Denn die Narren strömen sonst nicht nur in Scharen in die Nachbarkommune, um Konfetti, Kamelle und Kostüme zu bewundern, sondern sind zum Teil auch selbst aktiv. Zum 55. Mal wäre gestern der Musikverein Münster unter der Zugnummer 54 mitgelaufen. Weniger lang, dafür aber mit genauso viel Elan, treibt es die Doaschdeschwenker seit 2012 durch die Dieburger Gassen – sie hätten gestern unter der Zugnummer 69 fünftes Jubiläum gefeiert.

„Der Frust sitzt schon sehr tief bei uns“, sagte Thorsten Bonifer gestern auf Anfrage. Er ist Teil der 32 Mitglieder großen Truppe, die Narren unter anderem aus SV Münster oder der freiwilligen Feuerwehr vereint. Während die Doaschdeschwenker beim Kinderumzug als Indianer aufwarteten, wollten sie gestern als Vampire und Vampirjäger unterwegs sein. „Wir haben ständig die Wetterseiten im Internet gecheckt, da hat uns schon Böses geschwant“, erzählte Bonifer. Als klar war, dass der krönende Abschluss der Fastnacht buchstäblich ins Wasser fällt, musste ein Plan B her: „Wir haben uns erst mal auf ein, zwei Frust-Biere getroffen“, berichtete er. Die für den Umzug vorgesehene Fleischwurst mit Brötchen wurde dabei auch verzehrt. „So wird wenigstens nichts weggeschmissen“, sagte er.

Bis gestern hatten sich der Karnevalverein Dieburg (KVD) mit ihrer schwerwiegenden Entscheidung noch Zeit gelassen – die Narren schwankten indes zwischen Bangen und Hoffen. Dann kam morgens die Erklärung: „Die Entscheidung ist den Verantwortlichen nicht leicht gefallen und beruht auf den detaillierten Vorhersagen mehrerer Wetterprognose-Diensten. Versicherungstechnisch wäre eine Durchführung laut aktueller Wetterprognosen grob fahrlässig“, lautete es offiziell von Seiten des KVD und war auch auf der Homepage der Prinzengarde zu lesen. Konkret bedeutete das: Prognostizierte Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten bis 63 km/h und Dauerregen von fast acht Litern Niederschlag pro Quadratmeter ließen keinen Zweifel mehr daran, was zu tun sei.

Bilder: Kinderumzug in Dieburg

Da es in Dieburg aber kein Jahr ohne Fastnacht geben kann, war ebenso schnell klar, dass es einen Nachholtermin geben muss – schon allein, damit die Arbeit der aktiven Gruppen in die Kostüme nicht umsonst ist. Vorgesehen ist nun das erste Juni-Wochenende (3. bis 5. Juni), wenn die Dieburger Prinzengarde 66. Jubiläum feiert. Am Nachholtermin im Frühsommer werden dann auch die Doaschdeschwenker dabei sein, allerdings ist das Unterfangen für die Münsterer nicht ohne Stress verbunden: Die langen Mäntel der Vampirkostüme eigenen sich kaum für Sommertage und die Planung für die nächste Kampagne steht bereits in wenigen Wochen wieder an.

Doch gestern wurde daran erst einmal nicht mehr gedacht: In Dieburgs Kneipen und bei spontaner Feierei auf dem Markplatz erlebten die „Doaschde“ wie viele weitere bunt verkleidete Narren wenigstens ein bisschen von dem, was ihr Herz höher schlagen lässt.

Quelle: op-online.de

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