Sue Ferrers und Freunde konzertieren im vollbesetzten Museum

Nyckelharpas lassen Stühle wackeln

+
Rolf Bussalb, Jule Bauer und Sue Ferrers füllten das Museum an der Gersprenz mit klassischen Klängen.

Münster - Bestens besucht war das Konzert mit Sue Ferrers und Freunden. Die Nyckelharpa klang mit Gitarrenbegleitung, es gab Mittelalterliches, Klassisches und Neuzeitliches zu hören. Von Peter Panknin 

Neugierde auf ein recht unbekanntes Instrument und freudige Erwartung auf abwechslungsreiche musikalische Darbietungen brachten viele Interessierte dazu, ins Museum an der Gersprenz zu gehen. Der Heimat- und Geschichtsverein Münster hatte mal nicht zu einer Ausstellung, sondern zu einem Konzertabend mit Sue Ferrers und Partnern eingeladen. Inge Eckmann vom Vorstand des Vereins begrüßte die Gäste im ausverkauften Haus und räumte die kleine improvisierte Bühne schnell für die Musiker. Die ließen nicht auf sich warten. Sue Ferrers und ihr Mann Steffen Huther betraten die Bühne, deren Hintergrund von blauem Licht erleuchtet wurde. Viele Kerzen hinter den Künstlern sorgten für wärmenden Ausgleich in der Beleuchtung.

Richtig warm wurde dem Publikum beim Klang der Nyckelharpa, einem traditionsreichen, mittelalterlichen Instrument, das bis heute in Schweden hergestellt wird. Auf Sue Ferrers Frage an das Publikum, wer denn dieses Instrument kennen würde, meldeten sich nur ganz wenige. „Nyckel ist schwedisch und bedeutet Schlüssel, Harpa eben Harfe. In der deutschen Sprache wird Nyckelharpa auch als Schlüsselfidel bezeichnet“, waren neben einer technischen Beschreibung des Instruments ihre Erläuterungen an die Zuhörer. Zu so einem traditionellen musikalischen Medium gehört auch ein traditionelles Lied, nicht ganz zufällig auch aus Schweden: „Drodda Polska“, von den beiden Künstlern für Nyckelharpa und Gitarre arrangiert, brachte die Konzertbesucher in Schwung. Mit Rolf Bussalb gesellte sich ein Gitarrist aus Altheim zu den beiden Münsterern auf die Bühne, um mit ihnen gemeinsam das „Air“ aus der 3. Orchestersuite von J. S. Bach durch den Raum schweben zu lassen. Klassische Musik ist Bussalb keineswegs fremd, tourt er doch sonst mit dem britischen Violinisten Nigel Kennedy über die Bühnen Europas.

Damit nicht genug der Klassik und der darbietenden Musiker. Jule Bauer, aus der bayerischen Nachbarschaft nach Münster gekommen, erweiterte das Bühnenensemble um eine weitere Nyckelharpa. Das war die Premiere für Münster schlechthin, gleich zwei dieser selten gespielten Instrumente zu Gehör zu bekommen. Eindrucksvoll vermittelten Jule Bauer, Sue Ferrers und Rolf Bussalb den wohltönenden Klang mittelalterlicher Musik, indem sie den „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ ertönen ließen. Großer Beifall belohnte die Künstler, der sich nach einem musikalischen Richtungswechsel und gesanglichen Beiträgen von Jule Bauer zu einem ersten Begeisterungssturm steigern sollte. Neben ihrer Virtuosität auf der Nyckelharpa (sie ist Dozentin für dieses Instrument an der Akademie Burg Fürsteneck und der Scuola di Musica Popolare di Forlimpopoli in Italien) wusste Jule Bauer auch durch ihre Stimme zu überzeugen. Sie ist ausgebildete Sängerin mit Schwerpunkt „alte Musik“ und zog mit ihren vorgetragenen Liedern das Publikum in ihren Bann.

Bereits vor der Pause verlangte die Zuhörerschaft nach Zugaben, wurde aber auf den zweiten Teil des Konzertes verwiesen. Die nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Münster, sondern auch aus Hanau und Offenbach angereisten Konzertbesucher genossen Getränke und Knabbereien, die von Helfern des Heimat- und Geschichtsvereins angeboten wurden.

Die zehn beliebtesten Museen in Deutschland

Noch temperamentvoller ging es weiter. Künstler und Instrumente blieben, die Art der Musik wurde gewechselt. Sue Ferrers kündigte einen Sänger und Bassisten an, mit dem sie bereits vor einigen Jahren ihre Tournee durch Deutschland startete. Ian Kimber, Lead-Sänger und Bassist der Gruppe Popproperly, Australier und extra für diesen Abend aus Großbritannien angereist, gab sein Können zum Besten. Seine Stimme bezeichnete Ferrers als „einen karamellartigen Bass“, mit seinem Lied vom Traum in der Wüste (My Island Home) und der Sehnsucht nach Wasser riss er das Publikum mit. Platz war keiner im Museum, daher „tanzten“ einige Besucher im Sitzen auf ihren Stühlen.

Nach der Ankündigung, das Durchschnittsalter des Bühnenensembles „dramatisch“ zu senken, betrat Teenager Klara Bussalb die Bühne. Gemeinsam mit Sue Ferrers und den anderen Musikern trug sie irische und schottische Traditionals vor. Die Akteure auf der doch sehr kleinen und zwischenzeitlich von Kerzenständern befreiten Bühne starteten einen musikalischen Dialog, indem sie sich durch Blicke und Gesten gegenseitig mit ihren Instrumenten ansprachen und zu Spitzenleistungen anfeuerten. Sie gaben alles. Die Spielfreude übertrug sich aufs Publikum und endete in donnerndem Applaus. Jetzt war die Zugabe unvermeidbar, und auch diese wurde voller Spielfreude dargeboten und mit reichlichem Beifall belohnt. Das glanzvolle Konzert ging nach fast drei Stunden Dauer zu Ende, aber alle hoffen auf eine Neuauflage.

Quelle: op-online.de

Kommentare