Feuerwehr probt den Ernstfall im Haus Gersprenz

Alarm im Altenheim

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Pflegekräfte begleiteten die Senioren beim simulierten Ernstfall aus dem Seniorenheim ins Freie.

Münster - Bislang hatte die Feuerwehr Münster noch nicht geprobt, ein Seniorenheim zu evakuieren. Das wurde nun nachgeholt. Alles sollte so realistisch wie möglich sein – inklusive der besonderen Ansprache an die älteren Menschen. Von Michael Just

Es ist kurz vor 14 Uhr am Samstagnachmittag: Im Seniorenwohnheim Haus Gersprenz sitzt Willi Treusch in seinem Zimmer mit Kopfhörern vorm TV und schaut ein Unterhaltungsprogramm im Hessen-Fernsehen. Er weiß, dass in wenigen Minuten die Feuerwehr anrücken wird, um ihn mit anderen Bewohnern bei einer Großübung zu evakuieren.

Eigentlich wollte die Feuerwehr den geistig fitten Senior noch ein mehr in die Übung einbeziehen und ihn mit einer Drehleiter aufnehmen, wie es auch im Ernstfall hätte passieren können. Das traute sich der 83-Jährige dann aber doch nicht zu und entschied, lieber das Haus auf seinen Beinen zu verlassen. Für ihn kletterte Gersprenz-Mitarbeiterin Maria Rau in den Korb. „In unserem Haus ist das die erste Übung dieser Art. Bislang wurde es von der Feuerwehr Münster noch nicht geprobt, ein Altenheim zu evakuieren“, weiß Michaela Hauf von der Gersprenz-Einrichtungsleitung, was Gemeindebrandinspektor Florian Kisling bestätigt.

Rund 60 Bewohner fasst das Haus, wenn es komplett belegt ist. Am Samstag sah das Szenario vor, nur die erste Etage mit rund 20 Personen, bestehend aus Bewohnern und Personal, zu evakuieren. „Alles andere würde dann doch den Rahmen sprengen“, erklärte Kisling. Als Grund verwies er unter anderem auf die derzeit begrenzte Unterstützung des DRK. Viele von dessen Helfern und Mitarbeitern seien in den Flüchtlingseinrichtungen der Umgebung tätig. Über die Übung informierte die Hausleitung zuvor nur die Angehörigen der Bewohner. Ebenfalls ausgeklammert wurden die Pflegekräfte. Alles sollte so realistisch wie möglich sein, da dies im Ernstfall Leben retten kann.

Kurz nach dem Alarm fuhren am Samstag über 60 Einsatzkräfte mit Blaulicht und Horn in die Wilhem-Lehr-Straße. An der Übung waren auch Wehrmitglieder aus Altheim, Dieburg und Eppertshausen beteiligt, um das vermeintliche Feuer, das eine Rauchmaschine anzeigte, zu löschen und die Bewohner der ersten Etage in Sicherheit zu bringen. Als die Feuerwehr vorrückte, traf sie vor allem auf Pflegekräfte, die den Alarm erstmal als Fehlalarm einstuften. „Sehen Sie nicht den Rauch? Auf Ihrem mobilen Haus-Telefon wird ebenfalls der Feuer-Alarm angezeigt!“, rief Michaela Hauf ihren Kollegen zu und versuchte eine Notfall-Situation in deren Köpfe zu kriegen. Die ersten Feuerwehrleute im Gebäude erkundigten sich nach der Gesamtzahl der Bewohner, dann fingen sie sofort an, die Senioren zu beruhigen und abzuklären, wer laufen kann. Das Beruhigen zeigte sich als wichtig: Einige Senioren offenbarten Stresssymptome, andere waren die Ruhe selbst, während sie hinausbegleitet wurden. Für Personen, die nicht imstande sind zu laufen, hielten vier zuvor versteckte Dummys her.

Großübung der Feuerwehr auf Fiege-Gelände

Laut Florian Kisling stellt die Koordination der Retter bei einem solchen Einsatz mit die größte Herausforderung dar. Wie er sagt, wird das Gebäude in einem solchen Fall in Abschnitte unterteilt. Hilfreich ist, dass der Feuerwehr von den großen Bauten in Münster – seien es Wohnhäuser oder Firmen – bereits Pläne über die existierenden Räumlichkeiten vorliegen. Die Einsatzleitung hat dennoch unzählige Fragen zu klären, die von der Sammelstelle für Verletzte bis zur Einbindung der Feuerwehren aus den Nachbarorten reichen. Bei Seniorenwohnheimen kommt noch hinzu, dass für demente Personen eine entsprechende Betreuung und Übergabe nach der Rettung erfolgen soll.

Insgesamt waren die Rettungskräfte über eine Stunde am Werk. Dem realen Notfallplan entsprechend, wurden die Senioren in die nahe evangelische Kirche gebracht. Dort warteten gleich Kaffee und Kuchen, um eine mögliche Aufregung schnellstmöglichst runterzufahren und die entsprechenden Personen auf andere Gedanken zu bringen. Eine Bewohnerin, Regina Galinsky (89), erlebte die Übung nicht mit: Sie war zuvor von ihrer Tochter abgeholt worden, um einen Familiennachmittag mit dem Enkel zu genießen. Bei der Abfahrt bedauerte es die Seniorin ein wenig, die Übung nicht miterleben zu können: „Ich hätte mich auch gerne mal von einem netten Feuerwehrmann herausführen lassen“, sagte sie schmunzelnd.

Quelle: op-online.de

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