Großer Andrang beim Volksradfahren

Feuerwehr strampelt am meisten

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Teilnehmer aller Altersgruppen beteiligten sich am Volksradfahren des Radsportvereins Münster, das an der Vereinshalle am Bahnhof startete.

Münster - Ohne Doping, ohne Wettbewerbsdruck und dafür mit viel Spaß schwang sich Münster fürs Volksradfahren in den Sattel. Dass Schlaf keine Voraussetzung für den Sieg sein muss, bewiesen die Floriansjünger. Von Jens Dörr

Ob man das Wettbewerbsverzerrung nennen kann? In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden auch die Bereitschaft haltenden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Münster aus dem Schlaf geholt, sofern sie gegen Mitternacht schon in den Federn lagen. Die Kollegen aus Dieburg schienen Unterstützung bei einem Waldbrand zwischen Dieburger Freizeitzentrum und Mainzer Berg („Moret“) zu benötigen (wir berichteten). Zum Glück stellte sich die Sache als halb so wild heraus, durften Münsters Wehrleute alsbald wieder ins Bett – und ließen sich trotz der nächtlichen Störung offenbar nicht davon abhalten, sich am nächsten Morgen auf den Drahtesel zu schwingen und beim Volksradfahren des Vereins Radsport Münster eine Wachablösung zu erstrampeln.

Beim Münsterer Volksradfahren geht es darum, dass ein teilnehmender Verein möglichst viele Frauen, Männer und Kinder in den Sattel bringt. An zwei Tagen, Samstag und Sonntag, standen dafür auch diesmal verschiedene Strecken parat. An beiden Tagen konnten die Routen über zehn oder 20 Kilometer südlich und westlich der Gemeinde in Angriff genommen werden. Sie führten bis zu einem Kontrollpunkt im Wald. Zudem wartete am Sonntag eine Strecke über 50 Kilometer auf besser trainierte Fahrer. Sie führte über Schaafheim bis ins bayrische Mömlingen, wo der veranstaltende Verein Radsport an der Kontrollstation auch Getränke reichte.

Um Tempo ging es dabei nicht, sondern um die Zahl der Teilnehmer pro Team und um ihre heile Rückkehr. Am Ziel am Münsterer Freizeitzentrum lockte der Radsportverein mit seinem Waldfest, das er mit dem vor 43 Jahren ins Leben gerufenen Volksradfahren verbindet. 578 Teilnehmer und damit einige mehr als im Vorjahr (527) stellten sich diesmal auch den sommerlichen Temperaturen. Der Rekord liegt derweil bei mehr als 700 Radlern.

Bis auf kleinere Blessuren sei erfreulicherweise niemand zu Schaden gekommen, sagte Anton Frank, Pressewart des Vereins, am frühen Sonntagnachmittag erleichtert. Zu dieser Zeit war gerade die Siegerehrung im Gange – und Bürgermeister Gerald Frank als Schirmherr und Vereinsvorsitzender Willi Braun hatten buchstäblich alle Hände voll zu tun, um den zwei Dutzend mitradelnden Teams zu ihren Platzierungen zu gratulieren und die Pokale zu überreichen. Als beide den fünften Platz aufriefen, gab es in einer Ecke der zu dieser Zeit voll besetzten Waldfest-Bänke bereits den ersten größeren Jubel. Die „Los Pedalos“ aus Dieburg verpassten es zwar, ihren einstigen Vizetitel mit den zweitmeisten Teilnehmern zu wiederholen. Als Fünfte mit 30 Fahrten wurden sie jedoch das beste Team, das nicht aus Münster kam. Einer der Teilnehmer zeigte auf die Rückseite seines T-Shirts, das ihn als „ungedopt“ auswies, dann näherte sich die Siegerehrung dem Höhepunkt. Schließlich war bei der in umgekehrter Reihenfolge – vom Letzten bis zum Ersten – vorgenommenen Prozedur der Sieger bis zum Schluss unklar. Favorit war ob der Vorjahrestriumphe die DJK Blau-Weiß Münster.

„So eng wie diesmal war es noch nie“, sagte Radsport-Chef Braun und wies zunächst einmal die Wandergesellschaft „Frisch-Auf“ Münster als Dritte aus. Sie brachte es auf 69 Fahrten, wobei es möglich war, das ein und derselbe Teilnehmer eine Route sowohl am Samstag als auch am Sonntag in Angriff nahm. Irrelevant war zudem die Länge der Strecke. Auf den Königsweg nach Mömlingen und zurück machten sich diesmal 59 Teilnehmer. Als die DJK dann etwas unerwartet auf dem zweiten Platz verkündet wurde, brandete nicht unter den Blau-Weißen Jubel aus, sondern in der Ecke der Feuerwehr. Ihr war in diesem Moment klar, den Sieg erzielt zu haben. Ein einziger Teilnehmer hatte entschieden – der mit zwei Pokalen, darunter ein Wanderpokal, belohnte Spitzenkampf endete trotz nächtlicher Arbeit für die Allgemeinheit mit 74:73 für die Wehrleute. Gesondert geehrt wurde zudem der älteste Teilnehmer: Diesmal war in dieser Hinsicht der 91-jährige Heinrich Fleck das Maß der Dinge.

Quelle: op-online.de

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