Positiv: Es gilt kein Denkmalschutz

FH-Studenten mit Entwicklungskonzept zum Ortsteil Breitefeld

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Gut gefülltes Haus zur Gemeindevertretersitzung in der Kulturhalle: Mit moderner Technik präsentierten die FH-Studenten unter Prof. Birte Frommer (rechts) ihr Entwicklungskonzept zum Ortsteil Breitefeld. Das negative Image einmal weg zu bekommen, bedarf es vieler Maßnahmen.

Münster - Ein Entwicklungskonzept zum Ortsteil Breitefeld präsentierten am Montagabend in der Kulturhalle angehende Umweltingenieure und Master in Verkehrswesen der Hochschule Darmstadt den Gemeindevertretern und rund 30 Besuchern. Von Thomas Meier

Dabei wurden zahlreiche negative Merkmale aufgezeigt, die es zu beseitigen gilt. Das gesamte vierte Semester der Umweltingenieure unter Betreuung von Prof. Birte Frommer war zur Vorführung in die Kulturhalle gekommen, die vorsorglich als außergewöhnlicher Tagungsort der Gemeindevertretung auserkoren worden war. Zahlreiche Bedienstete der Verwaltung verfolgten ebenso die Ausführungen per Power-Point-Präsentation wie etliche interessierte Bürger. Und die Studenten hatten einiges aufzufahren.

Das Breitefeld als Ortsteil, der sich in den vergangenen 20 Jahren auf einer ehemaligen militärischen Nutzfläche entwickelte, wurde genau unter die studentische Lupe genommen: „Aktuell stellt sich Breitefeld als städtebaulich ungeordnet mit Leerständen, untergenutzten Grundstücken und mit Frei- und Verkehrsflächen in einem schlechten Zustand dar.“ So lautet das erste Fazit der jungen Analysten, die Bürgerbefragungen vor Supermärkten und Workshops mit Experten und Interessierten organisiert hatten (wir berichteten).

Die Studierenden der Hochschule erstellten mit der Gemeinde das Konzept, um Breitefeld langfristig zu einem „Gewerbegebiet mit Qualität“ zu entwickeln. Schon beim Workshop im Juni wurden Zwischenergebnisse aus der Bestandsaufnahme, Erkenntnisse aus verschiedenen Befragungen und mögliche Entwicklungsziele für das Gewerbegebiet auf dem ehemaligen „Muna“-Gelände vorgestellt. Nun bekamen es die Politiker der Gemeinde nochmals geballt aufgetischt.

Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren zu ermitteln war Sinn und Zweck der „SWOT-Analyse“, einem Instrument der strategischen Planung; sie dient der Positionsbestimmung und der Strategieentwicklung zum Breitefeld. Psychologisch geschickt begannen die Ermittler mit den Stärken: Das Breitefeld liegt günstig, hat wider Erwarten günstige Bodenrichtwerte, wobei das Erdreich auf dem Ex-Kasernengelände bereits geprüft ist, Kleingewerbe hat sich bereits angesiedelt. Und: „Es gibt dort keinen Denkmalschutz“.

Das war’s auch schon mit dem Positiven. „Schlechter Ruf, daher weniger repräsentativ“, beginnt umgehend der Einstieg in die vielen Schwächen. Zu kleine Grundstücke für Großgewerbe, eine zu schmale Brücke zur Anbindung bei Dauerverkehr über die Munastraße und im Ortsteil zu kleine Stichstraßen ohne Wendemöglichkeiten waren weitere Negativpunkte. Nach so viel Bitterem wieder etwas Zucker: Das Breitefeld hat Chancen. Wenn die vorhandene Infrastruktur verbessert, Breitbandkabel verlegt und der öffentliche Nahverkehr ausgebaut (oder überhaupt erst einmal errichtet) wird. Dann könnte man neue Einnahmen durch Gewerbesteuer generieren. Risiken dabei: Weil rundherum Naturschutzgebiete sind, ein hoher Grundwasserspiegel vorliegt und die Erweiterungsfläche durch den umliegenden Wald begrenzt ist, ist kaum Wachstum möglich.

Eine kunterbunte „Konfliktkarte“ verdeutlichte die Aneinanderreihung der Dilemmas. Bauschuttablagerungen, wilde Mülldeponien, schadstoffbelastete Ecken, stark baufällige Gebäude, Altlasten und mehr sind hier auf auf engstem Raum aneinandergereiht eingezeichnet. Die jungen Forscher unterbreiteten angesichts so vieler Hoffnung nehmender Tatsachen auch Maßnahmenvorschläge. Als da so grundlegende Dinge wären wie: Straßenbeleuchtung einrichten, Parkplätze kennzeichnen, Altlasten und wilde Deponien beseitigen, ungenutzte Fahrzeuge entfernen, Mülleimer aufstellen. Die Auflistung wirkte schon befremdlich. Und die Studenten setzten nach: Polizei und Ordnungsamt sollten präsenter sein und die Sicherheitsdienste der Diskothek Anweisungen bekommen. Die Politiker merkten: Da haben sich Außenstehende tief in die Materie eingearbeitet. Weitere Vorschläge betrafen die Verbesserung der Infrastruktur, empfohlen wurden Abrissmaßnahmen und mehr.

Und eindringlich mahnten die jungen Experten in Sachen Ortsentwicklung die Politiker, ein vernünftiges Bauplanungsrecht durch den Erlass von Satzungen zu schaffen. Instandsetzungs-, Rückbau- und Entsiegelungsgebote seien notwendige Kontrollinstrumente. Bis hin zur Enteignung reichte der empfohlene Maßnahmenkatalog. Das Bauordnungsrecht sei via Anordnungen über die Bauaufsichtsbehörde, also dem übergeordneten Kreis, zu schaffen. Den Politikern an die Hand gab Prof. Fromme noch ein ausführliches Manuskript nebst Protokoll vom Workshop. Und die bedankten sich nach rund einstündiger Konzeptvorstellung überschwänglich. Den Reigen startete Rainer Bulang von der SPD, der allerdings bei allen empfohlenen Maßnahmen eines vermisste: Die Information, woher die Gemeinde das Geld nehmen solle, all die Empfehlungen auch zu realisieren.

Quelle: op-online.de

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