Emotionaler Infoabend vor 150 Bürgern

Thema Flüchtlinge: Altheimer tragen viele Bedenken vor

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Das Podium bildeten (v. l.) Jan Stemme, Volker Gilbert, Gerald Frank, Rosemarie Lück, Tania Appel und Moderator Detlef Pröve.

Altheim - Das Thema Flüchtlinge hat seit der vergangenen Woche direkt Münster und besonders Altheim erreicht: Die Gemeinde bekam vom Landkreis auf einen Schlag 50 weitere Asyl suchende Menschen zugewiesen, die auf die Schnelle untergebracht wurden. Von Jens Dörr 

Jetzt informierte die Verwaltung die Bürger in Schoelzke-Haus. 39 Flüchtlinge bezogen bislang das auserwählte Übergangsquartier, die Altheimer Sport- und Kulturhalle. Unter ihnen sind Syrer, Iraker, Afghanen und Algerier, auch ein halbes Dutzend auf sich gestellte Minderjährige sowie Familien mit schwangeren Frauen. Um das Zusammen- oder zumindest Nebeneinanderleben in den kommenden Wochen und die Herausforderung mit der großen Zahl an Neuankömmlingen ging es am Dienstagabend bei einem Informationsabend der Gemeinde, dem jungen Verein „Asyl“ und dem Landkreis im voll besetzten Gustav-Schoelzke-Haus in Altheims Ortsmitte.

Vor 150 Bürgern standen in einer stellenweise emotionalen Veranstaltung insbesondere Bürgermeister Gerald Frank, Jan Stemme als stellvertretender Arbeitskreis-Vorsitzender sowie die Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück Rede und Antwort. Tania Appel und Volker Gilbert sowie Moderator Detlef Pröve vervollständigten das sechsköpfige Podium. Eingangs referierte Lück zum Umgang des Kreises mit den Asylsuchenden. Sie skizzierte die starke bundesweite Steigerung bei neu in Deutschland ankommenden Menschen. Die Dimension brach sie auch auf den Kreis herunter, in dem bis Ende November 2 879 Flüchtlinge auf die 23 Kommunen verteilt worden seien. Münster seien aktuell insgesamt 129 Menschen zugewiesen, 20 mehr als im deutlich kleineren Nachbarort Eppertshausen (109) und fünf mehr als beim etwa gleich großen Nachbarn Dieburg (124).

Kreisweit befänden sich aktuell 371 Menschen in Notunterkünften, darunter jetzt auch die 39 Personen in der Altheimer Sport- und Kulturhalle. Eine derartige Lösung musste die Gemeinde treffen, weil ihr momentan nicht genügend dezentrale Unterkünfte zur Anmietung zur Verfügung stehen und der geplante Massivbau für 120 Personen in der Goebelstraße erst im Frühjahr fertig wird. „In Münster gehören viele Hallen dem Kreis oder den Vereinen selbst“, beantwortete Appel die Frage, weshalb die Gemeinde ausgerechnet die Altheimer Halle als Notquartier ausgewählt habe. Sie ist im Gemeindebesitz. Leidtragende sind zum Beispiel der TSV Altheim, der Angebote wie Junioren-Fußball und Badminton dort aktuell nicht durchführen kann, und die ebenfalls direkt neben der Halle beheimatete Regenbogenschule. Sie kann seit einigen Tagen keinen Sportunterricht mehr halten. Leiterin Helga Blitz teilte am Abend indes unter Applaus mit, man sei auf der Suche nach einem Ausweichstandort fündig geworden. In Kürze werde die Grundschule wieder Sportunterricht haben.

Flüchtlingsunterkunft in Sport- und Kulturhalle Altheim: Bilder

Weitere Wortmeldungen brachten Sorgen zum Vorschein, die Flüchtlinge in der Halle könnten die Grundschüler und auch Krippenkinder mit Krankheiten anstecken. Lück beruhigte, vorab seien Gesundheitschecks durchgeführt worden. Eine Mutter sorgte sich um ihre „süße, kleine, blonde Tochter“, befürchtete eine zunehmende Missbrauchsgefahr durch die Flüchtlinge. Dazu gesellten sich in Wortmeldungen Äußerungen zu gescheiterter Integration von Ausländern in der Bundesrepublik („In Deutschland wird geschächtet, wird beschnitten, wird zwangsverheiratet, die Polizei traut sich in manche Gebiete nur noch in Mannschaftsstärke“), was im Raum teils Nicken und teils Kopfschütteln hervorrief.

Schwierig war es in dieser ganzen Gemengelage insbesondere für Arbeitskreis-Helfer Stemme, der bis zu zwölf Stunden am Tag für die Flüchtlinge in Altheim im Einsatz ist, mit seinem Appell („Lassen Sie uns ein völlig gelöstes Verhältnis der Bürger zu den Flüchtlingen aufbauen“) durchzudringen. Obwohl er derzeit näher an den Menschen in der Sport- und Kulturhalle dran sein dürfte als jeder andere Altheimer, wähnte ihn einer mit seinem den Flüchtlingen zugeneigten Ansatz im „Phantasia-Land“. Genau ohne jene „Phantasten“ wird es Münster aber kaum schaffen, die Herausforderung bis zum Bezug des Gebäudes in der Goebelstraße zu bewältigen. Zumal noch bis zu elf weitere Menschen in der Altheimer Sport- und Kulturhalle untergebracht werden dürfen, wie Appel vorausblickte.

Quelle: op-online.de

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