Flüchtlinge in Münster

Endet Flucht in Gersprenzhalle?

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Münster - Asylsuchenden eine Zuflucht zu bieten ist die größte humanitäre Herausforderung, die Kommunen derzeit bewältigen müssen. In Münster, wo heute zehn Flüchtlinge erwartet werden, sei die Lage prekär, so Bürgermeister Gerald Frank. Von Ursula Friedrich

Denn der Kauf einer Immobilie in der Darmstädter Straße ist kurzfristig geplatzt. Während die Pläne, das Objekt durch einen versierten Investor für Flüchtlinge umbauen zu lassen, bereits Gestalt annahmen, verkaufte der Eigentümer vor wenigen Tagen anderweitig – jemand hatte eine höhere Summe geboten. Beim Treffen des Arbeitskreises Flüchtlinge im Sitzungssaal des Rathauses informierte der Verwaltungs-chef über die schwierige Situation, Wohnraum zu finden. Das Angebot an Gemeindewohnungen ist erschöpft, die Suche auf dem privaten Wohnungsmarkt schwierig, nicht nur wegen des jüngsten Rückschlags. Gerald Frank rechnet mit weiteren 38 Asylsuchenden in diesem Jahr.

Um die zehn Neuankömmlinge unterzubringen, sollen die Menschen in einer Flüchtlingswohnung der Gemeinde zusammenrücken, vier weitere Plätze müssen hier geschaffen werden. Sechs der Flüchtlinge würden vermutlich in der Gersprenzhalle einquartiert, wo im ersten Stock ein großer Raum sowie Sanitäranlagen zur Verfügung stünden. Die Bereitschaft in Teilen der Bevölkerung, sich der Folter, Mord und Krieg entronnenen, häufig stark traumatisierten Asylsuchenden anzunehmen, ist hingegen ungebrochen. Am Dienstag Abend mündete diese Hilfe in die Gründung eines achtköpfigen „harten Kerns“, der von weiteren Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Flüchtlinge unterstützt wird.

Der Altheimer Peter Pank-nin wird, unterstützt von Tanja Grießmann, in leitender Funktion die Organisation und Koordination der Flüchtlingshilfe stemmen. Sechs weitere Bürger und Mitglieder der evangelischen, katholischen sowie der Ahmadiyya-Gemeinde helfen in der Initiative mit. „Wir wollen die Verantwortung nicht abgeben“, sagte Bürgermeister Gerald Frank, doch wolle die Gemeinde nun bei der Koordination und Organisation von Hilfsangeboten in die zweite Reihe zurücktreten. Was ist zu tun? Asylsuchende in der neuen Umgebung durch den Alltag zu begleiten, Kinder bei der Integration in die Schule zu helfen, bei Arztbesuchen und Behördengängen mitzugehen, Geld- und Sachspenden zu initiieren und koordinieren sind Themen dieses großen Aufgabenfeldes. „Wir suchen Leitz-Ordner, Schuluntensilien, Hängeschränke, vor allem Fahrräder...“, spulte eine Anwesende die Liste benötigter Güter ab.

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Zwischen aller Not gibt es Erfolgsmeldungen, wie das Offene Café. „Das haben die Damen der evangelischen Martinsgemeinde zu ihrem Baby gemacht“, so Frank. Händeringend grast die Gemeinde den privaten Wohnungsmarkt ab. Während Wohnraum zum Teil einfach leer steht, versuchten andere, mit ihrer herunter gekommenen Immobilie aus der Not anderer Kapital zu schlagen, weiß Olaf Burmeister-Salg, Abteilungsleiter Soziales, Kinder- und Jugendförderung, aus Erfahrung. Bislang hat Münster 31 Menschen aufgenommen. Ist bis Sommer kein weiterer Wohnraum in Sicht, sei auch die Anmietung eines Wohncontainers kein Tabu. Nach einem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Jens Zimmermann, der Syrien bereiste, ist sich Münsters Bürgermeister sicher, dass die Flüchtlingsströme aus den vom Krieg zerrütteten Ländern wie Syrien und Irak nicht abreißen werden, „mit oder ohne IS-Terrormiliz“. Er appelliert an Münsters Bevölkerung, verfügbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

In Punkto Hilfsorganisation ist ein wichtiger Schritt getan. Die Aktiven des Arbeitskreises stecken voller Elan. „Ich will einfach mithelfen“, sprach Rafiq Ahmed Butt, Leiter der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde, vielen der 30 Anwesenden aus dem Herzen. „Ich kann nicht gut organisieren“, erklärte Ludmilla Vasata, „aber ich bin ein engagierter Mensch. Ich will persönliche Nöte herausfiltern und helfen, viele der Menschen sind seelisch am Ende.“ Tanja Grießmann will trotz Job, zwei Kindern und weiterer Tätigkeit als Mediatorin Zeit für die neue Herausforderung finden. Peter Panknin ergänzte: „Es wäre doch schlimm, wenn die Leute, die zu uns kommen, enttäuscht weiter ziehen.“

Quelle: op-online.de

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