Asylsuchende jetzt im Jugendzentrum

Flüchtlingsleben unter Diskokugel

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Asylsuchende kommen nach Kurzaufenthalt im Hotel im Münsterer Jugendzentrum unter: ohne Dusche, Heizung oder Waschmaschine. Flüchtlingstristess zwischen orangener Bettwäsche im zur Notunterkunft umfunktionierten Jugendzentrum Münster.

Münster - Asylsuchende kommen nach Kurzaufenthalt im Hotel im Münsterer Jugendzentrum unter: ohne Dusche, Heizung oder Waschmaschine. Von Thomas Meier 

Ihr Aufenthalt im Hotel am Rathaus war nur von sehr kurzer Dauer. Die sechs am Freitag von Gießen via Darmstadt und Groß-Umstadt nach Münster verbrachten Flüchtlinge fristen ihr Dasein seit Anfang der Woche im zum Notquartier notdürftigst umfunktionierten Jugendzentrum an der Gersprenz. Und sie sind absolut nicht glücklich über ihre derzeitige Unterkunft, die beiden Eriträer, die zwei Afghanen und die Albaner.

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Keine Dusche, keine Heizung, keine Waschmaschine – sie suchen auf Englisch nach den richtigen Wörtern, die frisch im Land angekommenen nach Asyl Suchenden. Deutsch spricht keiner von den Männern unterschiedlichen Alters, die beiden Albaner können zwar leidlich Italienisch, aber außer ihnen selbst sind ihre direkten Ansprechpartner in Münster dieser Sprache eher weniger mächtig. Vielleicht wäre das halbe Dutzend vor Krieg, Terror und Armut geflohene Häuflein da doch besser im zunächst ins Auge gefassten Raum in der Gersprenzhalle untergebracht worden. Dort sollte es nach Auskunft der Ersten Kreisbeigeordneten Rosemarie Lück ja wenigstens vernünftige Sanitäranlagen geben. Im Hotel konnten sie sich noch waschen. Doch gestern habe man ihnen angeboten, zu einer Duschgelegenheit zu laufen. „Twenty minutes way to cleen“, habe man zu ihnen gesagt, erklärte radebrechend einer der Männer.

Die sechs leben unter der Diskokugel im leer geräumten Jugendzentrum in einem Raum. Die einfachen Stahlgestellbetten sind nebeneinander platziert, darauf orangefarbene, rote oder weiße Bettwäsche. Einen Raum für sich hat niemand, kein Sichtschutz gewährt auch nur die geringste Intimität. In Plastik- und Mülltüten steckt ihre wenige Habe, ein Afghane nennt gar einen Leinenseesack vom Militär sein Eigen.

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Zwei etwa Din-A3 große Kinderbilder lehnen über einem Kopfende einer Bettstatt an der Wand. Beide zeigen große Gesichter mit noch größeren Augen darauf. Ebenso ungläubig schaut der Flüchtling ins Rund, dessen Nachwuchs wohl die Bilder malte.

Einer der Afghanen erklärt, er sei bereits einmal in einem US-Lager in seiner Heimat untergebracht gewesen. „Better. Much better. With Shower“, sagt er, sich demonstrativ unter den Achseln beschnuppernd. Er hält Abstand zu Besuchern, weiß um seinen Geruch, lüftet immer wieder nahe der geöffneten Tür sein stark angegrautes Sweatshirt.

Ein Mann und zwei Frauen kümmerten sich um ihre Belange, sagen Münsters neuen Gäste. Für „Food“ würde gesorgt, auch Getränke habe man gebracht bekommen. Und auf einer kleinen Kochplatte am eigentlichen Platz des Juz-Discjockeys schmurgelte gestern Mittag auch schon ein Süppchen mit Hühnerklein, das sich ein Albaner zubereitete. Doch keiner von ihnen will glauben, was sie auf Nachfragen von ihren Betreuern als Antwort bekamen: Auf ein, eher zwei Monate Unterkunft im Juz sollten sie sich schon einstellen. Angesichts dieser Gastfreundschaft versteht man Bürgermeister Gerald Franks Aufruf und Bitte: Hoffentlich meldet sich bald eine gnädige Münsterer Seele, die eine menschenwürdige Unterkunft für Flüchtlinge an die Gemeinde vermietet.

Quelle: op-online.de

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