Noch kein Durchbruch in Verhandlungen

Frankenbach-Areal: Zähes Ringen um Sozialzentrum

+
Michaela Hauf, Einrichtungsleiterin der Gersprenz gGmbH in Münster, beschrieb ausführlich den Grundgedanken bedarfsgerechter Pflege und die Faktoren für eine bestmögliche Lebensqualität im Alter. Sitzend: Rolf Theissen.

Münster - Beim Frankenbach-Gelände zeichnet sich ein zähes Ringen um ein Sozialzentrum ab. In einer Informationsveranstaltung wurde erläutert, dass es noch keinen Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Gemeinde, Gersprenz gGmbH und Investor gibt. Dennoch zeigt sich Bürgermeister Gerald Frank optimistisch. Von Jens Dörr 

Neben dem Gewerbe-, Misch und Wohngebiet „Im Seerich“ (nahe der Altheimer Straße), für das vor einigen Tagen die Erschließung begonnen hat, ist die Entwicklung des Frankenbach-Geländes das nächste „große Ding“ für Münster. Es gilt als Chance, die Gemeinde mit Wohnimmobilien, Gewerbeflächen und öffentlichen Einrichtungen in größerem Stil zu entwickeln. Für das Areal zwischen der ehemaligen Firma „Elima“ und der Bahnlinie hat der private Eigentümer einen Investor ins Boot geholt. Bei den Verhandlungen über die künftige Gestaltung sitzen aber auch die Gemeinde und die Seniorendienstleistungs gGmbH Gersprenz mit am Tisch. Über den Stand berichtete Bürgermeister Gerald Frank bei einer Informationsveranstaltung von Gersprenz gGmbH und Seniorenbeirat.

Frank machte vor gerade einmal 15 Besuchern deutlich, dass der Gemeinde das neu zu entwickelnde Gelände, das derzeit ein riesiger Autohof ist, zwar nicht gehöre. „Das Machtvolle, was wir haben, ist aber das Planungsrecht“, verdeutlichte er, dass an eine schnelle Umsetzung der Investorenpläne ohne den Willen von Verwaltung und Gemeindevertretung nicht zu denken sei.

Frank skizzierte noch einmal die auch schon in den politischen Gremien Münsters besprochenen (Optimal-)Vorstellungen für das Gelände: Wünschenswert sei einerseits eine Wohnbebauung, die teils auch mehrgeschossig sein solle. Dergestalt wolle man der erwarteten höheren Nachfrage nach kleineren Wohnungen gerecht werden, zumal in Münster Ein-, Zwei- und Dreifamilienhäuser dominierten. Diese sind gerade für alleinstehende ältere Personen oft nur noch schwer zu bewirtschaften – und für andere generell kaum zu bezahlen. Andererseits sollen ein bis zwei Handwerkerhöfe, in denen sich pro Hof bis zu zehn Betriebe ansiedeln könnten, auf dem Frankenbach-Gelände errichtet werden. Im Hinterkopf hat nicht nur Rathauschef Frank die für eine 14 000-Einwohner-Gemeinde ziemlich kleine Gewerbesteuer-Einnahme von derzeit zwei Millionen Euro pro Jahr.

Als dritten wichtigen Teil favorisiert nicht nur der Bürgermeister eine Art „Sozialzentrum“ auf dem Gelände. Hier schwebt manchem Lokalpolitiker ein Dreiklang aus betreutem Wohnen, Tagespflege-Plätzen und einer zusätzlichen Kindertagesstätte vor. Hier kommt auch die Gersprenz gGmbH ins Spiel, die in Münster mit einer stationären, 60 Pflegeplätzen starken Einrichtung bereits vertreten ist. Sie könnte der Betreiber für das betreute Wohnen und die Tagespflege werden. Für die Kita kämen laut Frank vor allem ASB, AWO, die Kirchen und die Gemeinde selbst als Träger in Frage.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Wer der Investor ist, der am Verhandlungstisch sitzt, wollten weder Frank noch Rolf Theissen (für die Gersprenz gGmbH Einrichtungsleiter in Reinheim sowie für die „Stabsstelle Grundsatzfragen“ verantwortlich) verraten. Schließlich könne es hier sogar noch zu einem Scheitern der Verhandlungen und zu einem ganz anderen Investor kommen. Trotz einiger gestalterischer Differenzen (der Investor wollte zu Beginn fast nur Wohnbebauung realisieren) sowie finanzieller Meinungsverschiedenheiten (der Investor plante mit acht Euro pro Quadratmeter Gewerbefläche einen ziemlich hohen Preis, der in Franks Augen kaum zu einer Anmietung durch Handwerker führen würde) scheint sich aber eine Einigung anzubahnen. Frank zeigte sich bei der Infoveranstaltung verhalten optimistisch, hoffte „aus der hohlen Hand“ gar auf eine Realisierung des Großprojekts in den kommenden drei Jahren.

Für die Gersprenz gGmbH hatten zuvor Theissen und vor allem Michaela Hauf, Einrichtungsleiterin im Haus Gersprenz, den Grundgedanken bedarfsgerechter Pflege – ob in der Tagespflege, der ambulanten Pflege oder in Wohngruppen – vor Ort geschildert: „Ziel ist es, so lange wie möglich zuhause zu bleiben, dabei selbstständig und selbstbestimmt zu leben.“ Entsprechende Wohnmöglichkeiten und Pflegeangebote, die richtige Beratung und das Eingebundensein in lokale (soziale und kulturelle) Netzwerke seien die entscheidende Faktoren für die bestmögliche Lebensqualität im Alter.

Quelle: op-online.de

Kommentare