Änderungen der Satzung

Für den Friedhof ändert sich einiges

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Kommt zum Kreuz auf den Friedhöfen der Gemeinde Münster vielleicht auch bald der Halbmond? Die Verankerung sargloser Beisetzungen in der aktuellen Friedhofssatzung macht Bestattungen nach muslimischem Ritus möglich. Die Neufassung ist auch ein Reflex auf einen tiefgreifenden Wandel der Bestattungskultur – weg vom Wahlgrab, hin zu Urnenwänden, beispielsweise.

Münster - Vor dem Beschluss über den Haushalt 2015 haben die Gemeindevertreter in Münster einstimmig Satzung und Gebührensatzung für die beiden kommunalen Friedhöfe geändert. Manches wird billiger, vieles teurer. Von Klaus Holdefehr 

Und nach einem durch Hülya Lehr angestoßenen Diskussionsprozess sind vor allem im Hinblick auf die Muslime in der Gemeinde künftig auch sarglose Beisetzungen möglich. Kürzlich gab es einen Ortstermin auf dem Friedhof in Altheim. Zwar ging es da vor allem um die Sanierungsbedürftigkeit von Mauern, Wegen und anderen Einrichtungen, deutlich wurde aber auch, dass sich die Bestattungskultur tiefgreifend wandelt. Sichtbar ist das an den zahlreichen Wiesenstücken zwischen den Ruhestätten in der Wahlgrab-Abteilung und den frisch ergänzten Stellplätzen für Urnen.

Anders gesagt: Das Wahlgrab für Erdbestattungen, oft als Ruhestätte für ganze Familien und lange verfügbares Gedenkgärtchen für die Hinterbliebenen gedacht, ist ziemlich „out“. „In“ sind nicht nur die Urnen, sondern auch Wald- und Wiesengräber, mit und ohne Gedenktafeln. Ganz so weit ist Münster noch nicht, aber mit einem eilends noch eingefügten Passus zur Ermöglichung sargloser Beisetzungen hat die Gemeinde in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle eingenommen. Friedhöfe werden kommunalrechtlich als „kostenrechnende“ Einrichtungen eingestuft, nach dem Kommunalabgabengesetz sollen die Gebühren also annähernd kostendeckend sein, wobei für die Vorhaltung einer innerörtlichen Grünfläche als Ort der Entspannung und des Verweilens ein „kommunaler Parkanteil“ von bis zu 20 Prozent der Gesamtkosten in Abzug gebracht werden kann.

Durchweg Kostensteigerungen sind beim Erwerb der Nutzungsrechte für alle Formen von Grabstätte zu verzeichnen, wobei die Preise für eine Ruhezeit von 20 Jahren gelten. Für ein kleines Wahlgrab werden künftig 800 (bisher 600) Euro fällig, für ein Familiengrab 1 000 (800) Euro. Die Nutzung einer kleinen Urnengrabstelle kostet künftig 700 (500) Euro, für eine Familienurnengrabstelle werden 800 (600) Euro fällig. Die Reihengrabstätte für einen Erwachsenen wird mit 800 (600) Euro berechnet, eine Urnenreihengrabstätte kostet 700 (500) Euro. Richtig teuer ist im Vergleich ein Wiesengrab mit 1 640 (1 620) Euro, auch wenn hier die Kostensteigerung vergleichsweise gering ausfällt. Neu im Angebot ist die Urnenfeldgrabstätte für 645 Euro.

Bestattung auf Britisch

Bestattung auf Britisch

Günstiger werden hingegen die Kosten für die Beisetzungen. Für die klassische Erdbestattung eines Erwachsenen werden 1 377 (1 617) Euro berechnet, Urnenbestattungen kosten – gleich, ob die letzte Ruhestätte ein Loch in der Erde oder eine Nische in der Urnenwand ist – künftig einheitlich 784 Euro. Bisher waren es hierfür 956 und 945 Euro. Wie die genaue Umsetzung des Angebotes für sarglose Bestattungen aussehen wird, wie insbesondere es um die damit grundsätzlich eröffnete Möglichkeit zu Beisetzungen nach muslimischem Ritus bestellt ist, muss die Praxis erweisen – ganz so, wie von Referent Erdogan Karakaya unlängst empfohlen: Anbieten und schauen, welche Probleme in der Praxis auftauchen.

Quelle: op-online.de

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