Sogar Gold im Odenwald gefunden

Gerhard Kenke sammelt Mineralien

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Den größten Fund, einen Sandcalcit, hat Gerhard Kenke in Groß-Zimmern ausgegraben. Zu seiner Sammlung gehört auch der gelbe Quarzkristall (Bild links) und der Baryt (Bild unten).

Münster - Gerhard Kenke liebt Herausforderungen. Nicht nur als Chef des VfL Münster zeigt er sportlichen Ehrgeiz, auch als Sammler von Mineralien ist Aufgeben für ihn ein Fremdwort. Von Corinna Hiss

„Die Chancen stehen 1:10“, sagt Gerhard Kenke nüchtern und meint damit: Zehn Mal sucht er im Steinbruch nach Mineralien, nur ein Mal ist er erfolgreich. Doch für den Hobbysammler ist das kein Grund, zu resignieren. „Das macht es spannend. Und wenn ich dann etwas Seltenes entdecke, ist die Freude umso größer“, gerät Kenke ins Schwärmen, wenn er über seine Leidenschaft spricht.

Vor 40 Jahren hat der pensionierte Chemie- und Sportlehrer über seinen jetzigen Schwager das Interesse an Mineralien entdeckt. „Als er mir erzählte, dass der Odenwald eine gute Gegend zum Sammeln ist, hab ich Feuer gefangen“, sagt Kenke. Was er damals noch nicht wusste: Auf relativ kleinem Raum – einer Fläche von zirka 30 auf 50 Kilometern – befinden sich im Odenwald Gesteinsschichten aus den vergangenen 300 Millionen Jahren. Deshalb wird diese geologische Region auch als Schaufenster der Erdgeschichte bezeichnet. Weltweit sind den Experten über 4 500 Mineralien bekannt, im Odenwald sind davon rund 400 Stück nachgewiesen worden. Beachtlich dabei: Kenke hat bereits etwa 300 von ihnen entdeckt und gesammelt.

Bedingt durch sein Wissen als Chemie-Lehrer, aber auch durch kontinuierliches Wälzen von Fachliteratur erlangte der 65-Jährige seine umfassenden Kenntnisse in der Welt der Kristalle und Mineralien. Und mit dem Fachwissen kam auch die Erfahrung beim Sammeln dazu. Mittlerweile weiß Kenke, wo er mit Hacke, Schaufel, und Fäustel hingehen muss, um fündig zu werden.

Bedingungen zum Sammeln haben sich verschlechtert

Wer sich fürs Sammeln von Mineralien interessiert, kann unverbindlich bei der Sammlergruppe reinschnuppern: info@vfmg-reinheim-odenwald.de

Doch die Bedingungen haben sich in den vergangenen Jahren zusehends verschlechtert. „Früher war es relativ leicht, die Genehmigung für einen Steinbruch zu bekommen“, erzählt Kenke. „Heute sind die Firmen vorsichtiger und haben Angst, in Regress genommen zu werden, wenn was passiert.“ Der Münsterer, der als Vorsitzender des VfL ein sportliches Hobby pflegt, weiß, welche Gefahren ein Steinbruch birgt und dass man sich dort vorsichtig bewegen muss. Doch er weiß auch, dass sie nun einmal die beste Stelle sind, um Mineralien zwischen den Gesteinsschichten zu finden. „Wenn es dort Unfälle gibt, dann meist wegen jugendlichen Übermuts“, bedauert er. Diesbezüglich werde aber oft pauschalisiert.

Mittlerweile hat Kenke etwa 4 000 Mineralienstufen gesammelt und beschränkt sich hauptsächlich darauf, sie zu dokumentieren und als Makroaufnahmen mit der Kamera festzuhalten. Dabei sind seine Bilder fern jeglicher Laienfotographie: Spezielle Gerätschaften helfen ihm, die zum Teil nur wenige Millimeter großen Mineralien gekonnt in Szene zu setzen. Auf seinen Fotos erscheinen sie überdimensional groß, sodass der Blick aufs Original bisweilen Verwunderung nach sich zieht.

Wie klein oder groß der Fund ist, sagt jedoch nichts über seinen Wert aus. Im Gegenteil: Kenke hat bereits winzige Goldstücke im Odenwald gefunden oder kleine Offretit-Kügelchen, die vor ihm noch niemand in der Region entdeckt hat. Häufiger kommen indes Pyrit, das bekannte Katzengold, oder kleine Granatkristalle vor, jedoch nicht in schleifbarer Qualität.

Sein größtes Exemplar ist hingegen völlig wertlos, dafür aber am Fundort eine Seltenheit. Nahe der Alten Ziegelei in Groß-Zimmern beförderte Kenke einen fast 40 Zentimeter großen Sandcalcit zu Tage, der jetzt seine Vitrine im Obergeschoss des Hauses ziert. Dass sein Hobby für junge Menschen weniger interessant erscheint, bedauert der Rentner. „Sie sind ungeduldig. Wenn sie sich zwei Mal zum Sammeln aufmachen und mit leeren Taschen zurück kommen, verlieren sie die Lust“, sagt Kenke.

Doch er weiß genau: Der Moment, wenn man nach langer Suche endlich ein seltenes Mineral vor sich sieht, ist unbeschreiblich. Und wenn es sich dabei dann sogar um Gold handelt, wird auch ein Hobbysammler zum Geheimniskrämer. Denn so einen Fundort möchte Kenke nicht preisgeben.

Quelle: op-online.de

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