Gersprenz im Tiefstand

Fische dürsten nach Sauerstoff

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Kritischer Tiefstand: Gerade zwischen Werlacher Weg und Frankfurter Straße ist die Gersprenz besonders flach.

Münster - Drei Gewässer gibt es in Münster, in denen der Angelsportverein (ASV) zu Hause ist. Während im Bitzensee oder am Freizeitzentrum keine Gefahr droht, bereitet die Gersprenz Sorgen. Von Corinna Hiss 

Schreckensszenarien, wie sie vorgestern aus dem benachbarten Dieburg kamen, kann Klaus Däschler, Vorsitzender des ASV und Präsident des Verbandes Hessischer Fischer, für Münster momentan noch nicht berichten. Dort hatten Anwohner im Schlossgarten tote Fische entdeckt – ein Resultat der andauernden Hitze- und Trockenperiode, die das Wasser der Gersprenz schwinden und gefährliche, sauerstoffraubende Algen sprießen ließ. In Münster gibt es aber, im Gegensatz zu Dieburg oder Babenhausen, keine Fischtreppe, und die sind vom Austrocknen besonders betroffen. „Wir haben noch Glück, bis jetzt fließt die Gersprenz“, berichtet Däschler. Wie lange das aber noch der Fall ist, darüber vermag der Angler nicht zu spekulieren.

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Zwischen 40 und 60 Zentimeter ist das Flüsschen, das sich vom Odenwald aus 62 Kilometer bis nach Stockstadt schlängelt, bei normalem Wasserstand tief. An manchen Stellen in Münster kann es sogar bis zu einen Meter erreichen. Wie flach die Gersprenz momentan ist, wird besonders zwischen Werlacher Weg und Frankfurter Straße deutlich: Unweit von der Tankstelle sind Schrägen eingebaut worden, an denen sich jetzt Enten tummeln, von Fischen aber keine Spur zu sehen ist. „Dort ist es denen viel zu seicht“, sagt Däschler. Verbunden mit dem Tiefstand, der bis auf 15 Zentimeter herunter geht, ist auch das Problem mit dem Sauerstoff. Denn Däschler erklärt: „Ist das Wasser zu flach, dringen die Sonnenstrahlen bis auf den Grund. Sie heizen die Gersprenz auf und begünstigen den Pflanzenwuchs. Dadurch bekommen die Fische keine Luft mehr.“

Dabei müsste der Zustand des Gewässers überhaupt nicht so kritisch sein. Früher war die Gersprenz an weiten Teilen bis zu drei Meter tief – gab es dann einen heißen Sommer, waren immer noch 50 Zentimeter im Flussbett.

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Von der Trockenheit nicht direkt betroffen sind der Bitzensee und der See am Freizeitzentrum, in denen die Angler nach dem Rechten sehen. Zwar haben beide an Wasseroberfläche verloren, für die Fische hat das aber laut ASV-Vorsitzenden keine Auswirkungen. Der rund 10.000 Quadratmeter große See am Freizeitzentrum ist zwar Eigentum der Gemeinde, wird aber vom ASV gepachtet. Dank einer vor Jahren eingebauten Belüftung kann der Sauerstoff dort gut zirkulieren. Im Bitzensee gibt es solch eine Anlage nicht. „Das ist aber auch nicht notwendig“, erklärt Däschler. Durch seine 32.000 Quadratmeter große Grundfläche befindet sich auch nach anhaltender Hitze genug Wasser im See. Außerdem gibt es dort keinen Pflanzenbewuchs, der die Sauerstoffzufuhr verhindern könnte.

Die Probleme in der Gersprenz habe sich der Mensch aber selbst gemacht. Nach seiner Renaturierung vor einigen Jahren sei der Grund dann flacher geworden und schlecht gewartete Schleusen täten ihr übriges, um die Situation zu verschlimmern. „Seit Jahren schon wurde versäumt, die Wassertiefe auszubaggern“, kritisiert Däschler, „aber dafür fehlt immer das Geld.“

Quelle: op-online.de

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