Frisch sanierte Gersprenzhalle

Wegen Schallschutz vor Schließung

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Die für 5,2 Millionen Euro frisch sanierte Gersprenzhalle kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt muss in der Sporthalle die komplette Schallschutzanlage demontiert und nachgebessert werden.

Münster - Knapp vier Jahre währte die Sanierung der Gersprenzhalle in Münster, bis im August 2013 endlich mit der Einweihung ein Schlussstrich unters sehr teure Langzeit-Debakel gezogen werden sollte. Von Thomas Meier

 Aue-Schule und Vereine, die Hauptnutzer des Gebäudes von Kreis und Kommune sind, atmeten auf, hatten sie doch eine lange Leidensstrecke hinter sich gebracht. Zu früh? Eine Nach-Sanierung steht an und der Termin für die nächste Hallenschließung fest: Mindestens vier Wochen wird die Sporthalle dicht gemacht werden müssen. Zwei Wochen vor den Osterferien beginnt die laut Kreisbehörde rund 47 000 Euro teure Maßnahme, die „voraussichtlich nach den Osterferien“ abgeschlossen sein soll. Sämtliche Prallwände in der großen, dreiteiligen Sporthalle müssen abgenommen und ihre Aufhängung aufwändig nachgebessert werden. Die nicht enden wollende Geschichte begann vor mehr als sechs Jahren harmlos. Konjunkturprogramme von Bund und Land drängten sich förmlich für eine Verjüngung der damals rund 30 Jahre alten Halle auf. Für die energetische Sanierung des Gebäudes und Erneuerungen im Foyer wurden rund eineinhalb Jahre veranschlagt. Mit dem Versprechen, Wärmedämmung zahle sich aus, ging es ans Werk.

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Die erste Kostenschätzung lag bei 1,4 Millionen Euro, am Ende waren es rund 5,2 Millionen, die für die Sanierung der Gersprenzhalle ausgegeben wurden. Für die Gemeinde Münster, die ein Drittel der Kosten zu tragen hat, wurden aus zunächst angenommenen 500.000 letzten Endes fast 1,3 Millionen Euro, die sie an den Landkreis zahlen musste. Die Sanierung zog sich über fast vier Jahre hin, was gerade die Münsterer Vereine in ihrer Arbeit arg einschränkte. „Einfluss auf die dort ausgeführten Maßnahmen hatten die Münsterer Kommunalpolitiker nicht“, beklagte nicht nur die damals in Münster am Ruder befindliche CDU.

Immer wieder entdeckten die Bauarbeiter oder Prüfer weitere Mängel, die versteckt im Baukörper lauerten. Der mangelhafte Brandschutz war nicht zuletzt auch entstanden durch immer strengere EU-Richtlinien. Als endlich im August 2013 die Halle wieder freigegeben werden konnte, hofften wohl alle Beteiligten – an vorderster Front dabei der Landrat – dass das Kapitel auf lange Zeit abgeschlossen sei. Nun wird es mit einem lauten Knall wieder geöffnet. Der Schallschutz in der modern scheinenden Halle funktioniert noch überhaupt nicht. Die rundherum in der Dreifelderhalle angebrachten Schallschutzplatten sind gar eher kontraproduktiv, sie verstärken und verzerren den beim Sport entstehenden Krach. Musikaufführungen, wie sie vor der Sanierung usus waren in der Gersprenzhalle, geraten gar zu phonetischen Abenteuern, denn die Schallwellen, einmal auf die falsch installierten Platten getroffen, überlagern sich.

Die braunen Schallschutzplatten an der Wand müssen abgehängt werden, damit die Aufhängung darunter gelöchert werden kann.

Und der völlig misslungenen Akustik ist nun zu verdanken, dass die vielen hundert Platten sämtlich von ihren Aufhängungen herunter genommen werden müssen. Dem stellvertretenden Leiter der Aue-Schule, Matthias Beyer, auch zuständig für den Sportunterricht, erklärten die Schallschutz-Experten, man müsse sämtliche Holzleisten, auf denen die Platten hängen, mit kleinen, drei Millimeter großen Bohrungen, die im Abstand von acht Millimetern gesetzt würden, löchern. Das verbessere die Akustik. Zu diesem Zwecke werde zwei Wochen vor den Osterferien ein Drittel der Sporthalle schon mal für den Unterricht gesperrt und mit dem Lochen begonnen. Den Rest erledige man in den Ferien. Die Vereine werden für vier Wochen außen vor bleiben müssen. Doch weder in der Schule noch in den Vereinen schenkt man den Zeitplanungen des Kreises, der verantwortlich zeichnet für die Nachbesserung, großen Glauben. „Wir haben da so unsere Erfahrungen“, erklären Vertreter von Radsport, DJK und Schulleitung unisono.

Bürgermeister Gerald Frank ist überrascht. Erst vor zwei Wochen war er bei einer Ortsbesichtigung in der Gersprenzhalle dabei. Da habe man auf „kleinere Mängel“ hingewiesen wie beispielsweise auf eine Dusche in der Lehrerumkleide, die noch immer kein Wasser spucke. Auch, dass Nachbesserungen am Schallschutz nötig wären, sei erwähnt worden. „Dabei wurde versichert, die Löcher würden so gebohrt, das keine Verletzungsgefahr entstünde.“ Die Frage, ob für diese Nachbesserungen auch die Kommune wieder anteilig zu Kasse gebeten werde, konnte er nicht beantworten. Dafür aber der Kreis: „Gemäß der abgeschlossenen Verwaltungsvereinbarung trägt zwei Drittel der Kosten der Landkreis, ein Drittel wird von der Gemeinde Münster getragen.“

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Quelle: op-online.de

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