Von Nierentisch bis Petticoat

Geschichtsverein sucht für Ausstellung noch 50er Jahre-Fotos

+
OP-Volontärin Katrin Muhl (links) hört von Margarete Elster, Helma und Heinz Müller wie das Leben im Münster der fünfziger Jahre war. Die Arbeitsgruppe des Heimat- und Geschichtsvereins plant gerade eine Ausstellung mit dem Titel „Nierentisch und Petticoat“.

Münster - Jedes Jahr gibt es im Museum in der Bahnhofstraße eine Wechselausstellung. Für die Schau in 2017 laufen beim Heimat- und Geschichtsverein schon jetzt die Vorbereitungen. Es geht um die Fünfzigerjahre, in denen Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, Elvis Presley Musikfans begeisterte und in Münster ein Kanal gebaut wurde. Von Katrin Muhl

Überall Trümmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Deutschland am Boden, aber es blühte alles wieder auf. In der Ausstellung „Nierentisch und Petticoat“ will der Heimat- und Geschichtsverein schon bald abbilden, wie Münster die Zeit des Aufschwungs erlebte. Eröffnung ist am ersten Sonntag im Februar 2017. Bis dahin sammeln und sortieren die Mitglieder eifrig Relikte aus den fünfziger Jahren. Beim Termin mit unserer Zeitung schwelgt die Arbeitsgruppe in Erinnerungen. „Die Fünfziger waren für Münster prägend“, sagt Margarete Elster (69), die in dieser Zeit ein Kind war. „Ich erinnere mich noch genau an den Kanalbau von 1954. Da hatten wir den ganzen Sommer lang eine Baustelle“, berichtet sie. Neue Häuser entstanden in Sandstraße, Steinstraße sowie in der heutigen Goethestraße, die damals noch Ringstraße hieß und erst in den siebziger Jahren beim Zusammenschluss von Münster und Altheim, wo es auch eine Ringstraße gibt, nach dem Dichterfürsten benannt wurde.

Helma und Heinz Müller (beide 81) haben 1958 geheiratet. „Ich habe mich über jedes Schüsselchen gefreut, das uns geschenkt wurde“, sagt die Ehefrau, „es war ja nichts da, man fing bei Null an und war glücklich über jeden neuen Gegenstand im Haushalt.“ Zur Verlobung gab’s ein Mokka-Service. Die waren damals in Mode – auch wenn daraus nur dünner „Blümchenkaffee“ getrunken wurde. Elster: „Kaffee war teuer. In meiner Familie haben wir ihn nur sonntags zum Kuchen getrunken.“

Selten benutzt, aber gerne gekauft wurden Sammeltassen. „Noch heute habe ich zwölf Exemplare im Schrank“, verrät Helma Müller, die ein Faible für alte Gegenstände hat. Aus den fünfziger Jahren besitzt sie „zwei Petticoats, einen weißen und einen gelben, und Schuhe mit Pfennigabsätzen“, zählt sie auf. Dinge, die bald in der Ausstellung zu sehen sein werden. Genauso wie ein großes Radio, vor dem Margarete Elster und die Müllers in jungen Jahren gerne saßen, um Hörspielen und den neuesten Schlagern zu lauschen. „Sonntags gab es ein Märchen für Kinder. Das war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Elster.

„Elvis Presley In Concert“ begeistert in der Festhalle

Münsters Bürger ruft die Gruppe zur Leihgabe von Exponaten auf: „Vielleicht hat der ein oder andere noch Schätze auf dem Dachboden? Jetzt ist die Gelegenheit, sie zu präsentieren.“ Gesucht werden Geschirr und Möbel, zum Beispiel ein Nierentisch, in erster Linie aber Fotoaufnahmen, die den Kanalbau und die Arbeiten im Neubaugebiet zeigen, aber auch das Alltagsleben und die Tätigkeiten in den Handwerksbetrieben abbilden.

Ansprechpartnerin ist Margarete Elster unter 06071 34411, E-Mail: aumelster@t-online.de. Informationen auch unter www.hgv-muenster.de. Der Verein teilt mit, dass Fotos nur kurz ausgeliehen werden. In der Ausstellung sind dann die Reproduktionen der historischen Aufnahmen zu sehen.

Quelle: op-online.de

Kommentare