Gregorianika begeistert in Altheim

Meditative und mystische Klänge

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Gregorianika brillierte mit Mönchsgesängen in Altheim. - Foto: P. Panknin Gregorianika brillierte mit Mönchsgesängen in Altheim.

Altheim - Nach 2012 und 2014 zog das Septett mit vier Tenören, zwei Baritonen und einem Bass, bekannt als Gregorianika, nun bereits zum dritten Male in die Altheimer Kirche ein. In schlichte Mönchskleidung gehüllt, trugen die Akteure leuchtende Kerzen in den Altarraum, begleitet von einem dezent gesungenem „Kyrie Eleison“. Von Peter Panknin

Der Altarraum, anders als sonst in wechselnden Farben ausgeleuchtet, nahm die Sänger auf. Die auf dem Boden abgestellten Kerzen bildeten für das in kräftigen Farben leuchtende elektrische Licht eine Barriere zum übrigen Kirchraum. Einer kurzen Begrüßung der erwartungsvollen Zuhörer durch die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Christa Panknin, folgte eine Einführung in das Programm durch den Bass und Dirigenten Oleksiy Semenchuk.

Die absolute Stille im Publikum ließ die erklingenden gregorianischen Lieder „Pater Noster“ und „Mönchsgebet“ in ihrer Schlichtheit voll zur Geltung kommen. Scheinbar ohne Anstrengung wechseln sich Crescendo und Decrescendo ab und auch im letzten verklingenden Piano-Ton kamen die Stimmen absolut sauber. Musik und die umgebende mittelalterliche Bausubstanz bewirkten eine fast meditative Stimmung. Wesentlich dazu beigetragen haben saubere, helle Tenorstimmen, die scheinbar mühelos Sopranhöhen erreichen konnten, ein tiefer, Behaglichkeit weckender Bass und Baritone, die im harmonischen Zusammenklang die tieferen Töne zur Geltung brachten. Dass Oleksiy Semenchuk dirigiert, ist für Außenstehende nur erkennbar, wenn er seine Stimmgabel anschlägt.

Lieder aus anderen Zeiten

Kirchenlieder aus anderen Zeiten, auch Eigenkompositionen, wurden vorgetragen. Zu den Eigenkompositionen gehörten „Knight in shining armour“ und der wohl bekannteste Titel von Gregorianika, „Ameno“. Wenn inzwischen auch aus den Hitparaden fast verschwunden, der eigenständige Charme des Liedes bleibt.

Nach einer kurzen Pause, die das Publikum eifrig zum Erwerb von Tonträgern nutzte, folgte eine Mischung aus kirchlichen und weltlichen Liedern. Der weltliche Teil beinhaltete das berühmte „Yesterday“ von den Beatles sowie Volkslieder aus der Ukraine. Auch wenn „Yesterday“ als Zugeständnis an die Neuzeit betrachtet werden kann, wirklich notwendig sind neuzeitliche Lieder in einem Programm mit gregorianischem Chorgesang nicht. Sie entfalten längst nicht die Faszination und Mystik, die zu Meditation führen kann.

Angeregt durch den lang anhaltenden Beifall bedankten sich die Sänger am Ende des 90minütigen Konzertes mit einem gesungenen Gedicht aus der deutschsprachigen Poesie, in der Vertonung von Johannes Brahms als „Guten Abend, gute Nacht“ bekannt.

Alle Sänger des ukrainischen Ensembles haben sich während ihrer Gesangsausbildung am Konservatorium in Lwiw (auch als Lemberg bekannt), in der Ukraine kennengelernt und dort ihre gemeinsame Leidenschaft für gregorianischem Chorgesang entdeckt. Sie sind nach wie vor in der Ukraine zu Hause, sagte Dirigent und Leiter der Gesangsgruppe, Oleksiy Semenchuk. Sie leben zwar alle im westlichen Teil der Ukraine und sind nicht unmittelbar von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Ostteil ihres Heimatlandes betroffen, aber eine innere Belastung für jeden Betroffenen sei nicht zu leugnen. Umso bemerkenswerter, dass diese Belastung dem gesanglichen Vortrag des Ensembles nicht anzumerken ist.

Quelle: op-online.de

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