Heinz-Erhardt-Abend lässt Unterhaltungskünstler aufleben

Hans-Joachim Heist: Alltagstipps vom Meister

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Wer ist jetzt wer? Hans-Joachim Heist mimte den Komiker Heinz Erhardt täuschend echt. Foto: Panknin

Münster - Auch ganz ohne die versprochene Flasche Korn kann Hans-Joachim Heist als Komiker Heinz Erhardt das Publikum in der Kulturhalle in seinen Bann ziehen. Von Peter Panknin

Weit vor der Zeit versammelten sich erste Besucher am Freitagabend vor der Münsterer Kulturhalle, um die „Auferstehung“ des beliebten Conférenciers und Komikers Heinz Erhardt zu erleben. Mehr als dreihundert waren es schließlich, die Hans-Joachim Heist begrüßen konnte. Vorzustellen brauchte ihn niemand, denn Heist ist bekannt aus verschiedenen Rollen in Fernsehserien, wie zum Beispiel „Diese Drombuschs“ oder „Ein Fall für zwei“, um nur wenige seiner mehr als 70 Fernsehrollen zu nennen. Sein derzeit bekanntester Auftritt ist der des Cholerikers Gernot Hassknecht (ein Schelm, wer Arges bei dem Namen denkt) in der Heute-Show des ZDF.

Es war also nicht verwunderlich, dass er bereits beim Betreten der Bühne in der Münsterer Kulturhalle mit Applaus bedacht wurde. Heist bekundete seinem Publikum, dass ihm Münster bekannt sei, schließlich sei er schon ein paar Mal durchgefahren. Auf seine Frage, ob denn jemand Eschollbrücken kennen würde, der Ort, in dem er heute zu Hause ist, bekam er erwartungsgemäß keine zufriedenstellende Antwort. Dem Motto „Großer Heinz Erhardt Abend“ gerecht werdend, schilderte Heist den Lebenslauf des 1909 in Riga geborenen und 1979 in Hamburg verstorbenen Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Schauspieler und Dichter. Dann wandte er sich vom Publikum ab, um sich in den Reimer und Wortverdreher Heinz Erhardt zu verwandeln.

Alberner Ortsname gesucht

Mit der Drehung zum Publikum hin stand plötzlich jener Mann mit dem berühmten verschmitzten Lächeln, dem leicht vorgebeugten Oberkörper und seinen schlenkernden Armen auf der Bühne. Die typische schwarze Brille vervollständigte das Bild des beliebten Komikers der 60er und 70er Jahre. Erhardt alias Heist bezog das Publikum in sein Spiel mit ein. Auf eine umgefallene Flasche im Zuschauerraum reagierte er promt: „Was war das?“, fragte er und ging hinab zum vermeintlichen Ort des Geschehens, um nach dem Rechten zu sehen. Als einige jüngere Herren den Raum verließen, spielte er den Ratlosen. „Warum gehen die jetzt, was war falsch?“, jammerte er, um sich in gespielte Panik zu steigern, als auch noch eine junge Frau ging (alle Personen waren etwas später wieder anwesend).

Zur Vorbereitung eines Gedichtvortrages wurde von Heist/Erhardt ein besonders alberner Ortsname gesucht und die Zuschauer befragt, wo sie denn herkämen. Offenbach („Wie seit ihr denn hier reingekommen“) und Pfungstadt („Ist nicht albern, nee, da wohn´ ich“) wurden abgelehnt, schließlich fand sich zur Gaudi des Publikums Eppertshausen. Mit der Bemerkung „Da Ihr anscheinend nichts mehr zum Umschmeißen habt, machen wir jetzt eine Pause, damit Nachschub geholt werden kann“ entließ er das Publikum vorübergehend nach draußen.

Nach der Pause begrüßte wieder Hans-Joachim Heist das Publikum, um sich dann nach einem Abwenden von den Zuschauern sorgfältig verwandelt erneut als Heinz Erhardt zu präsentieren. Bekannte und sehr beliebte Gedichte über den „Ritter Fips“ oder die traurige Ballade von der Made, hinter des Baumes Rinde mit ihrem Kinde, fehlten nicht im Programm. Tipps zum Alltag aus dem eigenen Erfahrungsschatz wurden ebenfalls erteilt, zum Beispiel „Wenn ich einmal traurig bin – ja, was dann? Dann trinke ich ´n Korn“. Wie sehr das helfen kann, wurde wieder am Publikum demonstriert. Heist verließ die Bühne mit einem Glas und einer Flasche. Wieder zurück freute er sich darüber, den Mittrinker angeschmiert zu haben. „Das war Wasser“ erklärte er. „Die Gemeinde Münster ist so knapp bei Kasse, glaubt ihr denn, die hätten mir eine ganze Flasche Korn auf die Bühne gestellt?“

Lang anhaltender Beifall am Schluss und die Rufe nach „Zugabe“ brachten tatsächlich „noch´n Gedicht“ hervor (sogar mehrere), gefolgt von Hinweisen auf Quellen über das Leben und Wirken von Heinz Erhardt. Hans-Joachim Heist ist als Heinz Erhardt in Worten und in Erscheinung derzeit nur vom Original zu schlagen. Dass er dabei ein eigenständiger Künstler und Darsteller geblieben ist, zeigen seine Bühnenauftritte auch in anderen Rollen, die hoffentlich auch einmal in Münsters Kulturhalle erlebbar werden.

Quelle: op-online.de

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