Gemeinde reagiert auf Nachfrage

„Haus der Kinder“ stockt Plätze für Ganztagsbetreuung auf

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Im „Haus der Kinder“ soll es ab kommendem Jahr zehn Ganztagsplätze mehr geben.

Münster - Weil immer mehr Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen möchten, steigt die Nachfrage nach einer Ganztagsbetreuung für die Kinder. Die Gemeinde hat nun darauf reagiert. Von Corinna Hiss 

Manche möchten bereits nach nur einem Jahr Mutterschutz wieder ihren Job antreten, andere sind darauf angewiesen, als Alleinerziehende so schnell es geht nach der Geburt die Brötchen zu verdienen. „Es ist notwendig, auf den Wandel in der Gesellschaft einzugehen“, sagt Nicole Helfmann, in der Gemeindeverwaltung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das hat Münster nun getan: Ab 1. Januar 2016 wird die Ganztagsbetreuung in der gemeindlichen Kita „Haus der Kinder“ von 40 auf 50 Plätze aufgestockt.

Wie nötig diese Maßnahme ist, verrät auch ein Blick auf die Warteliste für das Betreuungsangebot. „Da stehen bestimmt 20 bis 30 Personen, das heißt, es kann immer noch nicht jeder berücksichtigt werden“, sagt Helfmann. Doch mit den zehn weiteren Plätzen ist zumindest denen geholfen, die es dringend nötig haben. Dabei gilt: Alleinerziehende gehen vor. Aber auch Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, werden in die Entscheidung mit einbezogen. Selbiges gilt für diejenigen, denen aus Integrationsgründen geraten wird, ihren Sprössling ganztägig von qualifiziertem Personal betreuen zu lassen. Das ist der Fall, wenn in einer Familie mit Migrationshintergrund zu Hause kaum deutsch geredet wird oder wenn es daheim an Büchern, Spielsachen und Co. mangelt.

Die Maßnahmen im „Haus der Kinder“ sind aber nicht nur Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel, sondern gehen einher mit einer Reihe grundlegender Veränderungen, die es diesbezüglich in Münster geben soll. „Die Gemeinde will ein ganzheitliches System rund um die Kindertagesstätten installieren“, so Helfmann. Aus diesem Grund ist die Aufstockung von zehn Plätzen bislang auf ein Kindergartenjahr, also bis August 2016, begrenzt. In dieser Zeit soll ganz genau berechnet werden, wie hoch der Bedarf tatsächlich ist. Außerdem ist geplant, dass gemeindliche Träger mit kirchlichen Einrichtungen und der ASB-Kita enger zusammenwachsen. „Bis jetzt entschied jede Kita eigenständig über die Vergabe der Plätze“, berichtet Helfmann. Auch das soll sich ändern, damit ein genaueres Bild innerhalb der Gemeinde entsteht, wo Betreuungsplätze fehlen und wie viel in Zukunft benötigt wird.

Gerade auch durch den steigenden Bedarf im U 3-Bereich ist es immer schwieriger geworden, den Überblick zu behalten. „Es langt nicht mehr, die Geburtslisten durchzusehen und zu schauen, wer drei Jahre alt wird“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Heutzutage müsse fast schon nach der Geburt abgeklärt werden, wer sein Kind wann in die Kita geben möchte, um langfristig planen zu können.

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Dass das Ganztagsangebot vorerst nur im „Haus der Kinder“ aufgestockt wird und nicht in der Kita „Im Rüssel“ hat nur einen logistischen Grund. Die rund 90 Kinder sind seit August im Jugendzentrum untergebracht, nachdem im Gebäude Schimmel entdeckt wurde (wir berichteten). Grundsätzlich befürworte auch Kita-Leiter Peter Harenberg die Erweiterung des Ganztagsangebots. „Doch dafür ist momentan einfach kein Platz“, so Helfmann. Generell stehe die Zukunft des Gebäudes Im Rüssel in den Sternen.

Damit keine Mutter ihren Beruf aufgeben muss, ist die Gemeinde Münster bereit, in die Zukunft zu investieren. Konkret heißt das, dass ab Januar mindestens eine Erzieherin mehr als Halbtagskraft eingestellt werden muss. Auch eine Küchenhilfe ist nötig, denn momentan bereitet eine Angestellte jeden Tag 80 Mahlzeiten vor – für das „Haus der Kinder“ und die Kita „Im Rüssel“. Kommen zehn weitere hungrige Mäuler dazu, ist die Arbeit so nicht mehr zu stemmen.

Helfmann weiß auch, dass es immer schwieriger wird für die Köche. „Der eine isst kein Schweinefleisch wegen seiner Religion, der andere reagiert allergisch auf Nüsse, wieder ein anderer verträgt keine Laktose“, sagt sie. Und das heißt dann nichts anderes als: Sonderwünsche beachten.

Quelle: op-online.de

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