Gewerbliche Hundetrainer

Feinschliff für den Chef

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Gabriele Holz von Wolf-Inside legt bei ihrem Training viel Wert auf gelungene Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Bearded Collie Mabel und Dogge Jaspar haben auch bei Schneewetter sichtlich Spaß.

Altheim - Beweis statt Berufung: Seit dem 1. August müssen gewerbliche Hundetrainer ihre Kompetenzen beim Veterinäramt vorlegen. Erst dann dürfen sie mit offizieller Genehmigung Vierbeiner erziehen. Ein wichtiges Signal für den Tierschutz, findet Gabriele Holz von Wolf-Inside aus Münster. Von Eva-Maria Lill

Respekteinflößend ist es schon, wenn Dogge Jaspar über die gefrorene Wiese jagt. Gabriele Holz lacht, ruft – und sofort steht das hüfthohe Tier stramm bei Fuß. Ehrensache, dass der Vierbeiner gut erzogen ist. Schließlich führt Frauchen seit 2011 die Hundeschule Wolf-Inside in der Nähe des Altheimer Bahnhofs. Ein Gewerbe, das spätestens seit dem Erfolg von Fell-Flüsterer Martin Rütter Konjunktur hat.

Bisher war dieser Berufswunsch nicht mit bürokratischem Aufwand verbunden. Jeder Tierfreund konnte ohne Auflagen Training anbieten, der Gang zum Gewerbeamt genügte. Das Problem für Tierschutzjünger: Berufung ist nicht gleich Qualifikation. Vielen „Trainern“ mangelte es an Fachverstand und Feingefühl.

Damit ist seit dem 1. August 2014 Schluss: Gewerbliche Hundeschulen brauchen ab diesem Datum eine Genehmigung. Das Gesetz gilt zwar schon seit dem 4. Juli 2013, bisher griff aber eine Kulanzregelung. Auch das Darmstädter Veterinäramt begrüßt die Änderung: „Die Erlaubnispflicht ist ein weiterer Schritt für mehr Tierschutz“, bestätigt die Pressesprecherin Christine Griga. Tierpensionen und -heime benötigen übrigens bereits seit 1987 eine entsprechende Zulassung.

Voraussetzungen für die Trainerlizenz sind ein sogenannter Sachkundenachweis, geeignete Räumlichkeiten sowie ein einwandfreies Führungszeugnis. Pro Jahr muss der Hundepädagoge außerdem einen Fortbildungskurs belegen. Die Mehrkosten trägt der Antragsteller.

Vom Gesetzgeber festgelegt

Grundsätzlich gilt: Wer keine von der Behörde anerkannte Ausbildung genossen hat – etwa von den Tierärztekammern oder der IHK – wird zum Fachgespräch geladen. Dort prüft das Veterinäramt Wissen über Biologie, Verhalten, Tierschutz und Methoden. Auch ein schriftlicher Test belegt die Eignung. Weshalb die gesetzliche Bestimmung bisher nur für gewerbliche Hundeschulen gilt, kann Griga nicht verraten. „Das ist vom Gesetzgeber eben so festgelegt“, antwortet die Pressesprecherin.

Eine Einschränkung, die Trainerin Gabriele Holz nicht versteht. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass gerade Vereine ab und an zu fragwürdigen Erziehungsmethoden greifen. Per Gesetz verboten sind beispielsweise Stromstöße oder Halsbänder ohne Zugstopp („Endloswürger“). „Wo das Wissen aufhört, fängt die Gewalt an. Manche Schulen arbeiten noch in alter Tradition. Das ist wie früher in der Kindererziehung mit dem Rohrstock“, moniert die 50-Jährige. Besser sei es, mit positiver Verstärkung zu arbeiten, den Hund zu loben und das in den Vordergrund zu stellen „was Tier und Halter Spaß macht und dem Mensch automatisch eine Führungsrolle zuschreibt. Gewaltfrei heißt nicht antiautoritär“.

Ihre Ausbildung absolvierte die Wahl-Eppertshäuserin 2009 in Viernheim, seit 2013 ist sie von der IHK Böblingen anerkannt. Die offizielle Zulassung flatterte im vergangenen Oktober in den Briefkasten. Trotz allem kann Holz nachvollziehen, wenn die Hundeerziehung mal nicht auf Anhieb klappt. „Bei meiner ersten eigenen Hündin habe ich selbst einige Fehler gemacht. Aber ich habe daraus gelernt, mich fortgebildet und anschließend Wolf-Inside eröffnet.“

Dass der Wolf immer noch im Hund wohnt, ist Holz sehr wichtig. Fehlendes Verständnis für die Instinkte des Haushündchens führt sie gar als Grund für aggressives Verhalten an: „Das Tier soll eine Rolle in der Familie einnehmen, für die es nicht geboren ist. Nur in der Ecke liegen, zweimal am Tag um den Block hetzen – das ist eigentlich gar nicht seine Welt.“

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Gelungene Hundeerziehung fasst Holz als „Seminar für Führungskräfte“ zusammen. „Oftmals liegt der Fehler nicht beim Hund, sondern beim Halter. Ich frage dann immer: Welchen Chef hätten Sie denn gern?“

Für die nähere Zukunft plant die Trainerin ein besonderes Erziehungsprojekt. In Kooperation mit einem Stuttgarter Kollegen und der Darmstädter Klinik möchte sie Krebssuchhunde ausbilden: Vierbeiner, deren Nase bei der Früherkennung von bösartigen Tumoren hilft. Holz weiß: „Ihr tierischer Schnüffelsinn ist dabei oft genauer als jede Maschine.“

Quelle: op-online.de

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