Rapper D-Kil:

„Ich verarbeite meine schwierige Zeit“

Münster - „Vergesse nie all die Abende auf Alk - und das Gefühl, fast zu erfrier’n - sind die Tage wieder kalt.“ Das ist eine Passage aus dem Song „Vergesse nie“, dargeboten im Sprechgesang, im Rap. Von Jens Dörr

Die nachdenkliche Stimme erhebt Felix, zugleich Verfasser der Texte all seiner Lieder. Der Münsterer „ist kein 20-Jähriger, der Mist labert“, wie es ein Kumpel ausdrückt. Eher das: „Er ist der Beste.“ Gemeint ist einerseits der Mensch Felix, andererseits der Künstler D-KiL, wie er sich in der Szene nennt. Herkunft und Bedeutung des Namens verschweigt er, die Trennung zwischen Privatmensch und Rapper verschwimmt derweil jedoch: Bei Felix/D-KiL geht beides ineinander über. In seinen Songs verarbeitet er Autobiografisches aus nun beinahe 21 Lebensjahren.

Vor allem aus der jüngeren Vergangenheit: „Ich hatte eine eher krasse Jugend mit schwierigen Familienverhältnissen“, sagt er. In der Pubertät rebellierte er, kam daheim nicht klar, rutschte draußen in die falschen Kreise ab. Auch der Alkohol floss früh und nicht immer in Maßen. Floss. Denn längst hat Felix sein Leben im Griff, sich aus falschen Kreisen verabschiedet und zieht konsequent eine Ausbildung durch. „In meiner Musik verarbeite ich die schwierige Zeit.“

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Aus anfänglichen Versuchen im Alter von 14, 15 und zunächst „primitivem Rap“ sind längst hörenswerte, erstaunlich reife Stücke geworden. „Der Reifeprozess ist niemals abgeschlossen. Doch seit etwa zwei Jahren mache ich wirklich die Musik, hinter der ich auch stehen kann.“ Die „Selbstfindung“ sei damit gelungen, auch wenn sie noch fortschreite. Felix jedenfalls fühlt sich mit seinem nachdenklichen, teils poetischem und doch klarem Sprechgesang wohl. Das kann man etwa auf Youtube in einem eigenen Kanal nachvollziehen - am einfachsten nach Eingabe des Suchbegriffs „D-KiL“.

Abgrenzung vom Standardrap

Mit seinen ehrlichen Texten grenze er sich vom Standardrap dieser Tage ab. Die unterlegten Beats kreiert Felix teils selbst, bekommt aber auch Stücke angeboten. „Da fühlt man sich geschmeichelt“, erzählt er und freut sich. Gleichwohl lege er großen Wert auf die Qualität der Musik und lehne entsprechend vieles ab.

Zwei kostenlose Mix-Tapes wurden bereits veröffentlicht, sind im Youtube-Kanal abrufbar. Die Videos bleiben keine Sache eines kleinen Kreises mehr. Das D-KiL-Stück „Vergesse nie“ etwa strebt den 8000 Aufrufen entgegen. Obwohl in Sachen Gigs und Marketing noch viel Luft nach oben besteht. Noch müssen sich Auftritte, wie der im Frankfurter „Nachtleben“ oder in der „Batschkapp“, für Felix verstetigen. Etwas gelernt hat er bei jedem Gang auf die Bühne. Auch bei einem „Reinfall“ in Eppertshausen, wo er vor die „total falsche Zielgruppe“ gestellt worden sei. „Danach kann einen nichts mehr schocken“, sieht er’s aber positiv.

Felix, der sich als „sehr selbstkritisch“ bezeichnet und an einem Text oft mehrere Tage lang schreibt und beim Deutsch-Rap bleiben will, macht sich nichts vor: Den Lebensunterhalt mit dem Rappen zu bestreiten, ist bei allem Können eher unrealistisch. Zumal an der Spitze ehrliche Worte in den Texten seltener zu finden seien als im Untergrund. Was für Felix einen ziemlich breiten Spagat bedeuten würde. Denn verbiegen lassen will er sich nicht.

Quelle: op-online.de

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