Nach Schimmel-Fund in der Kita im Rüssel

Neue Heimat im Jugendzentrum

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Still stehen die Schaukeln zurzeit in der Kita Im Rüssel.

Münster - Seit einer Woche ist aus der Kita Im Rüssel kein Kinderlachen mehr zu hören. In den Räumen haben Experten Schimmel festgestellt. Wie lange die Kita nun geschlossen bleibt, steht nicht fest. Von Corinna Hiss 

Es liegt nicht an den Ferien und auch nicht am nächsten Streik der Erzieher. Dass die Kita Im Rüssel der Gemeinde Münster seit vergangenem Donnerstag verwaist ist, hat einen anderen – schlimmeren – Grund: Ein Schimmel der Gattung „Stachybotrys chatarum“ hat sich in den Räumlichkeiten ausgebreitet.

Wann die dunklen Flecken zum ersten Mal entdeckt wurden, kann die Gemeindeverwaltung nicht mehr genau sagen. Es sei aber umgehend das baubiologische Fachlabor zur Rate gezogen worden, der die verdächtigen Stellen untersucht hat. „Wir waren völlig überrascht“, erzählt Kita-Leiter Peter Harenberg. Auf den ersten Blick sei nichts sichtbar gewesen, erst bei kleineren Renovierungsmaßnahmen kam das Ausmaß unter der Tapete zum Vorschein.

Nachdem es zuerst Entwarnung gegeben hatte, kam dann doch die Gewissheit, dass es sich um einen gesundheitsschädlichen Erreger handelt. Kinder und Erzieher wurden umgehend evakuiert und provisorisch im Gersprenzstadion untergebracht. Diese Notlösung hat sich als keine schlechte herausgestellt. „Das Stadion bietet eine riesige Spielfläche, auf denen sich die Kinder austoben können“, heißt es aus dem Rathaus auf Anfrage. Passend zu den momentanen Außentemperaturen sind genügend Schattenplätze vorhanden. Auch für eventuellen Regen gibt es einen Wetterschutz. „Als es am Dienstag gewittert hat, waren wir auf einem Ausflug und haben es gar nicht gebraucht“, berichtet Harenberg.

Auch wenn Sommerferien sind, ist die Gruppe alles andere als klein: Von den 87 Kindern, die normalerweise in der Kita betreut werden, sind momentan 80 Jungs und Mädchen da. „Der Betrieb geht so normal wie möglich weiter. Auch das Mittagessen können wir bieten“, ist die gute Nachricht.

Am Mittwoch wurde dann das Provisorium im Gersprenzstadion für eine dauerhaftere Bleibe eingetauscht. Im Jugendzentrum in der Bahnhofstraße hat die Kita vorerst ein neues Zuhause gefunden. „Schließlich kann sich das mit der Schimmeluntersuchung hinziehen“, rechnet der Kita-Leiter nicht mit einer schnellen Rückkehr in die heimischen Räume. Aus gesundheitlichen Gründen konnten keine Gegenstände mitgenommen werden. Die kleinen Tische und Stühle sowie Bastelutensilien, Spielsachen und Teppiche haben die anderen Kindergärten großzügig zur Verfügung gestellt. „Es herrscht eine große Solidarität untereinander“, ist Harenberg dankbar. Anders als im Gersprenzstadion, das zwar Umkleidekabinen und Überdachungen bietet, aber langfristig nicht genügend Innenräume, können sich die Kinder im Jugendzentrum auf zwei Etagen entfalten. Die Wiese drum herum wurde großflächig eingezäunt, damit keines der Kleinen der Gersprenz oder der Straße zu nahe kommt.

Währenddessen laufen die Arbeiten in der Kita Im Rüssel auf Hochtouren. Die dunklen Schimmelflecken haben sich besonders in Bodennähe ausgebreitet – genau dort, wo Feuchtigkeit von unten durchdringen kann. Eine vom Rathaus beauftragte Firma hat die gefährdeten Bereiche abgedichtet und ist nun dabei, mit der „Fogging“-Maßnahme die Innenräume zu desinfizieren. Dabei wird heißer Nebel hineingepumpt, um vorhandene Feuchtigkeit zu reduzieren.

Wie lange es noch dauert, bis die Kita wieder bezugsfähig ist, kann nicht gesagt werden. Im Jugendzentrum haben sich die Kinder aber bereits gut eingelebt, entspannten gestern im Schatten der Bäume oder ließen sich im ersten Obergeschoss Spaghetti mit Tomatensoße schmecken. Den Untersuchungen in der Kita Im Rüssel wird die Zeit gegeben, die es benötigt, um jegliche gesundheitliche Gefährdung auszuschließen, heißt es aus dem Rathaus. Denn das hat schließlich oberste Priorität: Dass die Kinder in ihrer Kita wieder unbeschwert spielen, basteln und toben können.

Quelle: op-online.de

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