JUZ in Münster

Neue Ausrichtung der Jugendarbeit

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Detlef Pröve und Stephanie Groh stehen hinter ihrer Jugendarbeit und sehen sich vor großen Aufgaben.

Münster - Das Jugendzentrum an der Bahnhofstraße ist seit bald einem Jahr in seiner Funktion zweckentfremdet. Von Thomas Meier

Erst diente es Asylanten als Heimstatt, nun ist der komplette Kindergarten Im Rüssel dort untergebracht, weil dessen eigentliche Räumlichkeiten vom Schimmelpilz befallen sind. Was läuft noch an gemeindlicher Jugendarbeit im Ort, der sich den Jugendpfleger mit Eppertshausen teilt?

Münsters Jugendarbeit bedarf einer kompletten Neuaufstellung. Und die bekommt der Ort auch; auf fundierte Füße gestellt. Davon ist Detlef Pröve, seit eineinhalb Jahren Jugendpfleger zweier Orte, überzeugt. Denn an einer Sozialraumanalyse etwa, die vom diplomierten Sozialarbeiter bereits bei seiner Einstellung gewünscht wurde, wird derzeit intensiv gearbeitet. Was freilich auch Zeit wurde, denn nicht nur die Flüchtlinge oder Kindergartenkinder, auch Münsters Jugendliche sollen zu ihrem Recht kommen.

„Das Jugendzentrum steht an der Gersprenz an gänzlich falscher Stelle für eine effektive Jugendarbeit“, sagt der Recklinghäuser, der sich in Mölln als Streetworker mit Skins und Neonazis in den 90er Jahren erste Sporen als Sozialarbeiter verdiente. Und da hat er nicht Unrecht, ist doch das JUZ in einer ehemaligen Elima-Lagerhalle untergebracht, die im ältesten Viertel Münsters steht. Dort also, wo es seit vielen Jahren so gut wie keine Jugendlichen mehr gibt. Die sind eher auf der anderen Seite Münsters anzutreffen, dort, wo die neueren Baugebiete stehen.

Die Zielgruppe „Jugend“ an der Bahnhofstraße zu erreichen, ist endgültig vorbei. Als Pröve sein Amt antrat, waren es knapp drei Dutzend Jugendliche im Alter ab 16 aufwärts, die das JUZ noch frequentierten. Sie waren schwer zu gewinnen, weil bereits relativ selbstständig. Und bevor sich Pröve als JUZ-Leiter etablieren, den nötigen Kontakt zur nicht leichten Gruppe vertiefen konnte, kam auch schon die erste Schließung aus der Flüchtlings-Notlage heraus.

Zerstreut in alle Winde ist die ehemalige Klientel mittlerweile. In der jetzigen Situation will Pröve nach vorn blicken beim Aufbau sinnvoller, präventiver Jugendarbeit. Und rannte er wohl auch offene Türen ein mit seinem alten Wunsch nach einer Sozialraumanalyse für Münster. „Wir müssen eine Bestandsaufnahme an der Hand haben, was es an Jugendarbeit im Ort gibt und was am dringendsten fehlt“, sagt der ehemalige Leiter des Möllner Amtes für Jugend, Sport und Kultur. Der 50-Jährige weiß um Münsters gute Vereinsstrukturen mit deren Nachwuchsarbeit, weiß um Kirchen und Verbände und deren Jugendkontakte. Und er hat mit den Schulen Tuchfühlung aufgenommen und sich über deren Gesamtsituation schlau gemacht. Dies alles muss nun im Gesamtpaket betrachtet und bewertet werden. Eine Aufgabe, der sich seit geraumer Zeit Kristina Löbig widmet, die neben Pröve für Münsters Jugendarbeit zuständig und viel in Altheim eingesetzt ist.

Pröve hätte gern eine Anlaufstelle für Jugendliche in deren direktem Umfeld. Und nicht nur, dass er dafür zwei treffliche Standorte ausgemacht hätte. Einmal wäre am Abtenauer Platz der rechte Flecken für ein JUZ. Hier am Inselviertel wohnen viele Jugendliche, die Feuerwehr hat etliche in ihren Reihen, die weit über Münsters Grenzen hinaus beliebte und stark frequentierte Skaterbahn ist dort und die Kulturhalle mit ihrer umfassenden logistischen Ausstattung. Und auch an der John-F.Kennedy-Schule wäre ein JUZ prima installiert, will man Jugendpräventionsarbeit für Kids im Grundschulalter – also offene Betreuung für Sechs- bis Zwölfjährige – aufbauen. Beide Wunschstandorte wären für die Kommune auch erschließbar, denn an beiden hat die Gemeinde noch Grundstücke, die für ein Jugendzentrum ideal erscheinen.

Sah Pröve noch in seiner Anfangszeit als interkommunal Tätiger eine Hauptaufgabe in der „aufsuchenden Jugendarbeit“, die sich ausdrücklich an ältere gefährdete und gefährdende Jugendliche und Erwachsene wenden sollte, so lenken ihn die Umstände in Münster heute eher zur Arbeit mit jüngerer Klientel. Das liegt auch mit am Ist-Stand des Personals, das bislang nicht aufgestockt werden konnte. Kontinuierliche Beziehungsarbeit im Verbund mit Ehrenamtlichen aus Vereinen und Verbänden ist jedoch auch so zu leisten. Hier gilt es, anzusetzen.

Pröve freut sich, dass im Haushalt Gelder für seine Vorstellungen bereit stehen, seine Anregungen beim Gemeindevorstand offene Ohren finden. Und er hat auch Grund zur Freude, dass ihm in Eppertshausen mit Stephanie Groh jemand viel Arbeit abnimmt, was ihn sich stärker auf Münster konzentrieren lässt. In der Jugendarbeit Eppertshausens ist Stephanie Groh seit der „Containerarbeit“ vor rund 15 Jahren eine feste, verlässliche Größe. Als Honorarkraft arbeitet die Diplom-Lerntherapeutin seit langem Hand in Hand mit der interkommunalen Jugendpflege. Jetzt hat sie sich durch Weiterbildung weitere Kompetenzen verdient.

Quelle: op-online.de

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