Kerbred-Verfasser Edgar Kreher rechnet ab

Rathausschelte und Festvergleiche

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Ein Hoch auf die Kerb, und dies auch noch hoch auf den Umzugswagen. Münster feiert die Kirchweih wie immer doppelt, doch die eher weltliche Kerb hatte in diesem Jahr mehr Zulauf als in all den Jahren zuvor. Heute Abend beginnt bei der Feuerwehr der letzte Akt für dieses Jahr, die Kerbverbrennung.

Münster - „Es größte Übel alle Jahr, des sitzt im Rathaus, iss ja klar!“ In ungewöhnlich scharfen Worten geht der Kerbspruch mit den Regierenden im Ort ins Gericht. Doch waren zu einem Kerbmontag selten so viele Besucher beim Frühschoppen wie heuer. Von Thomas Meier

Die Kirchweih, auferstanden aus Festruinen vor zehn Jahren, wird immer mehr zum Publikumsmagnet. Auch zum Kerbmontag fanden sich mehr Besucher im Festzelt am Dalles ein als je zuvor. Generationenübergreifend gar, denn die „Seniorenkerb“, wie der Montag einst auch schon benannt wurde, erfreute zwar auch zahlreiche ältere Bürger, doch kamen auch die Kindergärten aus dem Ort, um Freifahrten auf der „Reitschul’“ und Pommes rotweiß im Festzelt auf Kosten der Gastgeber zu genießen. Und Normalsterbliche mussten gar kurz nach 11 Uhr schon schauen, wo sie denn noch einen Platz ergattern konnten, denn viele Firmen, Rathausbedienstete oder Bankfilialen aus dem Ort haben sich die Bierzeltgarnituren bereits im Vorfeld reserviert. Volles Zelt also, in dem sich Alleinunterhalter, Kerbburschen und Edgar „Hadschi“ Kreher als Verleser der Kerbred’ austoben konnten.

Es verwunderte den Berichterstatter größerer und kleiner „Minstrer Gschichten“, dass sogar der Bürgermeister mit einigen anderen Politikern das Festzelt gestern nochmals aufsuchten, hatte er ihnen doch am Sonntag nach dem feuchtfröhlichen Umzug bereits schon einmal die Leviten gelesen. Doch ging das im allgemeinen Spektakel teilweise unter. So zog er gestern nochmals vom Leder.

Nach einigem Eigenlob auf die Reanimation der Kerbkultur („auch net mit Saufen nur“) kam er aufs Problemkind, „wo mer schon beim Regieren sind“. Münster habe einen neuen Bürgermeister gewählt, dem die Sinnhaftigkeit fehle. Dies machte Kreher am Rathausplatz fest. Doch am meisten ärgerte ihn, dass ausgerechnet dort laut Gerald Frank bald schon die Kerb gefeiert werden könnte. „Ein Haufen Geld verschlingendes Loch. Die Idee, dort unsere Kerb zu feiern, ließ sich schnell aus den Rippen leiern. Doch gibt es einen Haken an der Sache: Der Kerbverein tät sich schuldig mache.“

Edgar Kreher gab sich zur Kerb kampfeslustig.

Der Fest-Funktionär befürchtete, man würde den Burschen die Kostenexplosion in die Kerbschuh schieben. Weitere Schimpfkanonaden fuhr Kreher zum Rüssel-Kindergarten auf, zum Umzug ins JUZ und zum Pfusch am Bau. Doch konnte er auch lieb: Lob für den SV, „de Kunstrasen befindet sich im Bau“. Und die Vereine sorgten durch viele Angebote und Feste für Kurzweil übers Jahr. Kultur sei auch ein gutes Wort: „Denn es tut sich was bei uns im Ort. In unsern Kneipen weht en Wind ganz frisch, denn es gibt immer mehr Stammtisch’.“ Kreher freute sich über neue gastronomischen Angebote und besonders über das Jubiläum eines traditionellen Wirtshauses: 80 Jahre Herzing im Kaisersaal. Hatte der Redner zum Breitefeld, der Beune und Altheim einiges zu sagen, so wusste er zum Krankenhausdebakel in Dieburg wenig weiter. Außer, dass er dieser Institution mindestens ebenso nachtrauere wie dem Dibboijer Biergarten. Es war einmal...

Klar, dass es gegen Ende nochmals zum bösen Rundumschlag kommen sollte. Die Häme fing in Altheim an, „da wo mer Kerb noch immer net kann. Seit Jahren die selben Flausen, da kommen die Kerbborsch aus Harpertshausen.“ Schlimmer noch kam’s für Eppertshausen. Dort gäb’s nicht mal gemietete Burschen, „dess is dumm, da laufe’ an Kerb ja Weiber nur rum“. Und klar, dass auch die direkte Kerb-Konkurrenz im eigenen Ort nicht ungeschoren davonkam. Das Schlimmste für Kreher, „es ist echt derb“, das ist jedoch die Kolping-Kerb.

Bilder: Kerb in Münster

Quelle: op-online.de

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