Generationen-Kerb

Vor den Senioren mal gereimt Tacheles über Münster gesprochen

+
Sie fühlten sich bei der Seniorenkerb gestern Morgen bestens unterhalten.

Münster - Hurra die Kerb ist da – und in Münster sorgt der traditionsbewusste Kerbverein stets dafür, dass die große Feier der Jahrgangsburschen auch immer eine für alle Generationen wird. So beginnt das montägliche Treiben immer mit der Seniorenkerb. Von Thomas Meier 

Und die älteren Mitbürger nehmen diese Einladung stets gerne an, tauchen so mitten hinein ins gesellschaftliche Ortsgeschehen. Auch aus den Wohnheimen und Seniorenanlagen werden sie ins Festzelt an den Dalles gebracht. Bevor Edgar „Hadschi“ Kreher vom Ausrichter den Kerbspruch zum Besten gab, heizte bereits Alleinunterhalter Jörg Ratz den Gästen im Festzelt mächtig ein. Da ging es nicht nur humpta-humpta zu, da fehlte auch kein Täterä.

Traditionell spießt die Kerbrede die lokalen Vorkommnisse seit der vergangenen Kirchweih auf. Und Kreher machte es sichtlich Spaß, vor allem die heimischen Politiker kräftig durch den Kakao zu ziehen, der mal den schwarzen Ex- und öfter noch den roten neuen Bürgermeister traf. Dabei begann das Spruchgeplänkel eher harmlos. Um sich der Publikumsgunst auch ganz sicher zu sein, hieb Kreher erst mal auf die Nachbarn ein; auf die in „Eppedei da drieben“ – an denen wird sich stets gern gerieben.

Münsters Kerbspruchverleser Edgar Kreher hatte die Lacher auf seiner Seite.

Doch auf „Münsters letztem echten Fest“ wird Tacheles geredet beim Kerbverein, auch schon mal gegen die „Kolping-Kerb-Exoten“, auf was sich schon mal reimt „verboten“. Auf Zerfall kam Gersprenzhall, auf „Wandvertäfelung werrer abgemacht“ wurd’ gar viel gelacht. Ob Kita im Rüssel oder Besuch von der Toskana-Meute, Krehers Witze fanden ihre Leute. Wenn sie manch einem auch im Halse stecken bleiben mochten. „Da ist der Blank! Wo bleibt der Frank?“, improvisierte Kreher geschickt, als er auf neuere Vorkommnisse zu sprechen kam. Etwa den Brunnen vor dem Rathaus, den die neuen Herren hätten gar kaputt gehauen – um drüber eine hässliche Holzbühne zu bauen. Für den Ober-Kerbvadder war schnell klar: Dieser Bühnendreck sei innerorts ein arger Schandfleck.

Des Romantikers Herz schlug vor den Senioren fürs Alte. So auch für die Rolltreppe im endlich verkauften Kaufhaus. Seine Bitte an die neuen Besitzer: Sie im Gebäude drinnen zu belassen auf jeden Fall. Und weil’s gestern morgen so nach Freibier roch, bekamen auch die Nachbarn im Süden aufs Dach. Zu Dieburgs Schlossgartenfest 3,60 Euro für den Schoppen zu nehmen sei dreist. Nächstes Jahr koste das Bier, wetten, dann vier...

Nach dem Kerbspruch kam übrigens auch Bürgermeister Gerald Frank ins Zelt. Und grad wie ein Profi stach er das erste Freibier-Fässchen an...

Quelle: op-online.de

Kommentare