Regenbogen-Schüler lernen richtigen Umgang mit TV und PC

Kinder, Medien und Terror

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Jan Ruland vom Institut für Medienpädagogik weiß, wie er die Schüler mit seinem Thema begeistern kann.

Altheim - Ein Projekt zur Gewaltprävention an Grundschulen läuft dank einer Spende des Lions Clubs Dieburger Land an der Regenbogenschule. Von Thomas Meier

„Ich kenn mich aus mit Medien“ heißt ein vierteiliges Seminar des Institutes für Medienpädagogik und Kommunikation, das sich an Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen richtet. Die permanente Darstellung von Gewalt über die Medien war noch nie so hoch wie heute. Das liegt nicht nur an der Vielzahl von Krimis, die übers Fernsehen ausgestrahlt werden. Gerade in den vergangenen Tagen liefen auch in den Nachrichten, Sondersendungen und Brennpunkten reale Gräueltaten terroristischen Ursprungs über die Mattscheibe. Das Internet und seine „sozialen Netzwerke“ sind voll brutalster Szenerien, die Radiosender berichten über den weltweiten Schrecken, ebenso die Zeitungen. Wenn Kinder ungefiltert dem Grauen ausgesetzt werden, kann dies schlimme Folgen haben. Die Leiterin der Regenbogeschule, Helga Blitz, kennt solche Szenarien. Sie und ihre Kolleginnen werden manchmal bei Hausbesuchen damit konfrontiert. Die Kiste läuft, das Blut auf den Bildern ebenfalls und literweise, und Eltern, angesprochen darauf dass ja auch die Kleinen zusehen, entgegnen lakonisch: „Das können die ab.“

Soweit, so schlecht. Doch seit die „Generation @“ in einem virtuellen Sozialraum aufwächst, der sich vielen Eltern überhaupt nicht erschließt, wird die Lage noch komplizierter. Aufwachsen ohne die neuen Medien ist in unserer Gesellschaft nahezu unmöglich geworden. Mediales Anschwärzen, vor allem Cybermobbing beschäftigen zunehmend Kinder, Eltern, Pädagogen. Das Instituts-Projekt verfolgt das Ziel, die Medienkompetenz aller zu stärken und den fairen Umgang miteinander zu schulen. Es bietet Information, Austausch und Reflektion. Begonnen hat es bereits mit einem Elternabend für die ganze Schule, bei dem vor allem in den Familien ein Bewusstsein für den eigenen Medienkonsum und den der Kinder geweckt werden sollte. Papas und Mamas sind von Anfang an gehalten, das Projekt positiv zu begleiten.

Zum ersten Projekttag an der Schule wollte Referent Jan Ruland, dass sich die Kinder eines Jahrgangs zunächst mit der eigenen Medienbiografie beschäftigen und sich ein Profil erarbeiten. Das Hinterfragen, wie gehe ich mit Medien um, was bezwecken sie und was will ich, stand im Mittelpunkt. Die Kids sollen reflektieren, ergründen, wo und warum es Gewalt in Medien gibt.

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Dazu gehört etwa die Frage, warum ein Computerspiel spannend ist. „Wenn die Kinder Zusammenhänge erkennen, betrachten sie ihre eigene Mediennutzung selbstkritischer“, sagt Ruland. Mediengespräche auf Augenhöhe, wie er sie führt, seien positive Erfahrungen und erhöhten das mediale Selbstbewusstsein: „Die Kinder bekommen Informationen zu einer sinnvollen und fairen Mediennutzung“. Gingen die Kinder an der Regenbogenschule beim ersten Treffen noch mit dem (digitalen) Fotoapparat durch die Schule auf der Suche nach Geschichten, die man medial aufbereiten konnte, so werden sie beim zweiten von vier Zusammenkünften ein kurzes Hörspiel zum Thema Cybermobbing produzieren. Am dritten Tag bringen die Schüler ihre Medien mit in die Klasse und erklären sich gegenseitig, warum sie welche Apps, Spiele oder Geräte nutzen, und am vierten Tag werden die Erfahrungen aus dem Projekt gesammelt und medial umgesetzt. Kurzfilm, Fotostory oder Audioreportage werden genutzt, um mit der jeweiligen Darstellungsform den eigenen Medienkonsum zu erklären. Und ganz zum Schluss, zur Präsentation, sind wieder die Eltern mit an Bord.

Solch ein Projekt kostet rund 2250 Euro. Mit dem Erlös aus dem Verkauf von Kürbissuppe und -prosecco beim Markt in Groß-Zimmern finanziert es der Lions Club Dieburger Land.

Quelle: op-online.de

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