Weitere Verzögerungen an Kita-Bau

Rüssel-Sanierung währt bis Sommer

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Endlich erbarmen sich Handwerker, die Statik des wegen Schimmelbefalls zu sanierenden Kindergarten im Rüssel zu richten.

Münster - Erst Schimmelpilzbefall, dann falsche Statik fürs Dach entdeckt und zunächst keine Handwerker gefunden: Die Pannenreihe zur Sanierung der Kita Im Rüssel ist lang. Nun kann auch der anvisierte Termin der Fertigstellung zum Ende des Jahres nicht gehalten werden.

Bis Sommer werden die Kinder wohl noch im Ex-Juz untergebracht sein. Ein vor 40 Jahren falsch eingebautes Dach, das bei den Renovierungsarbeiten an der Kita Im Rüssel durch Zufall auffiel, hat den Zeitplan der Bauarbeiten gehörig durcheinandergebracht. Inzwischen hat sich in dem Gebäude einiges getan. Im Sommer kommenden Jahres sollen Kinder und Erzieher wieder einziehen können. Es wird gesägt und gehämmert, dass die Späne nur so fliegen: Mitarbeiter der Zimmerei Schledt sind mit dem Feinschliff an der Dachkonstruktion der Kindertagesstätte Im Rüssel beschäftigt. In Kürze können Fenster und Türen eingebaut werden – dann soll die neue alte Kita wieder Form annehmen. Diese Antworten konnte Kirsten Freischlad vom Architekturbüro Happel den Vertretern des Elternbeirates liefern, die wissen wollten: „Wann sieht dieses Haus endlich wieder aus wie eines?“

Bei einer gemeinsamen Baustellenbesichtigung machten sich Bürgermeister Gerald Frank, Detlef Pröve, Leiter der Sozialabteilung der Gemeinde, Luise Schmidtke von der Abteilung Planung, Bau und Liegenschaften, Kirsten Freischlad vom Architekturbüro Happel, Susanne Prohaska vom Ingenieurbüro Heß sowie vier Vertreterinnen des Elternbeirates einen Eindruck vom Baufortschritt an der Kita, die im August 2015 wegen Schimmelbefalls geräumt werden musste. Welch ein Kraftakt seither nötig war, lässt sich rein optisch nicht so leicht erkennen. Bürgermeister Frank sagt aber: „Der äußere Eindruck, dass sich auf der Baustelle nichts tut, ist falsch.“

Rückblick: 2015 hatten Kita-Mitarbeiter bei Renovierungsarbeiten hinter einer Tapete Schimmel entdeckt. Messungen ergaben, dass es sich um gesundheitsschädliche Pilze handelte – Bürgermeister Gerald Frank ließ die Kita evakuieren, die Kinder und Erzieher wurden ins Jugendzentrum (Juz) umgesiedelt. Nicht korrekt abgedichtetes Mauerwerk, wodurch Wurzeln und Feuchtigkeit eindringen konnten, wurde als Ursache des Schimmels identifiziert. Zunächst sah es danach aus, als könne der Schaden rasch behoben werden: Ein Baugutachten besagte, dass die Grundsubstanz des Hauses gut erhalten sei und eine fachgerechte Außenabdichtung ausreiche, um dem Schimmel den Garaus zu machen.

Im September diesen Jahres dann der Rückschlag: Bei einer Statikprüfung, die für die energetische Sanierung und den Bau einer zusätzlichen Akustikdecke nötig war, stellte sich heraus, dass die 40 Jahre alte Konstruktion nicht mit der des Bauplans übereinstimmt. Die Statik war unzureichend, sprich: Das Dach war einsturzgefährdet. Diese böse Überraschung brachte den Zeitplan gehörig durcheinander.

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Es dauerte, bis die Berechnungen für ein neues Dach fertig waren, der Auftrag musste zudem neu ausgeschrieben werden. Auch das kostete Zeit: „Auf die erste Ausschreibung bekamen wir keine Angebote“, schildert Freischlad. Erst nach der zweiten Ausschreibung konnte die örtliche Zimmerei Schledt gewonnen werden, die wegen voller Auftragsbücher auch auf anderen Baustellen stark eingespannt war. Das Dach stand nun im Mittelpunkt, aber auch an anderen Stellen ruhte die Arbeit nicht: Es wurden neue Durchgänge geschaffen und Kabel-trassen verlegt.

„Da das Haus komplett entkernt wurde und wir mittlerweile jeden Winkel hier kennen, rechnen wir nicht mehr mit anderen bösen Überraschungen“, zeigt sich Freischlad zuversichtlich. Einzig die Pflasterarbeiten im Außenbereich könnten durch einen sehr harten Winter mit viel Frost und Schnee behindert werden – auf den Baufortschritt im Innern habe das allerdings keine Auswirkungen. Hier stehen als nächstes der Einbau von Fenstern und Türen, Verputzen und Estricharbeiten an. Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem im Mauerwerk verhindert künftig die Neubildung von Schimmel.

Nach Abschluss der Pflasterarbeiten im Außenbereich wird die Gemeinde dort die Spielgeräte wieder aufstellen. Im Sommer sollen Kinder und Erzieher einziehen können – und werden ihren alten Kindergarten wahrscheinlich kaum noch wiedererkennen. Denn obwohl das Gebäude nicht komplett abgerissen werden musste, wird es am Ende wohl wie ein Neubau wirken – mit rund 1,5 Millionen Euro Kosten aber günstiger als ein „echter“ Neubau sein. Nach dem Wiedereinzug kann die Kita dann auch endlich ihr 40-jähriges Bestehen nachfeiern, das wegen des Schimmel-Funds dieses Jahr ins Wasser gefallen war. (tm)

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Quelle: op-online.de

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