Mäusberg in Münster

Klare Mehrheit für die Rochade

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Münsters Mäusberg von oben betrachtet.

Münster - Bei Debatte und Abstimmung über die Verlagerung des SV-Sportgeländes in ein neues Sportzentrum und die Entwicklung des Mäusbergs zu einem Siedlungsgebiet des demografischen Wandels konnte man am Montagabend im Gemeindeparlament den Eindruck haben, der politische Wechsel an der Spitze der Verwaltung findet bereits seine Fortsetzung im Gremium der Volksvertreter.

Mit nur 13 von 18 Mandatsträgern präsentierte sich die CDU in Oppositionsgröße - und war auch ganz grundsätzlich dagegen: gegen einen mit 200.000 Euro unterfütterten Einstieg ins Doppelprojekt, der mit 17 Stimmen von SPD, Alma sowie den Unabhängigen Martin Peußer und Hülya Lehr beschlossen wurde. Hülya Lehr? „Ja, sie ist aus Partei und Fraktion ausgetreten“, bestätigte der SPD-Fraktionschef Bernd Fritsch gestern. Da die Ikone der Integration aber ihr Mandat behält, wird es sie nun wohl häufiger zu politischen Stellungnahmen ans Mikrofon drängen. Bei diesem Tagesordnungspunkt, in dem es für die Befürworter der Rochade auch um eine planvolle Gestaltung von Münsters Siedlungsentwicklung im Hinblick auf den demografischen Wandel geht, brachte sie die Aspekte der Zuwanderung und der Integration ein.

Seit mehr als zwei Jahren wird in der Münsterer Kommunalpolitik die Idee reflektiert, die sportlichen Einrichtungen des Sportvereins vom innerörtlichen Standort Mäusberg in ein neues Sportzentrum zu verlagern, für das als Standort inzwischen das Umfeld des Gersprenz-Stadions auserkoren ist. Die Befürworter gehen davon aus, dass es durch eine Vermarktung des gemeindeeigenen Mäusberg-Geländes als demografiegerechtes Wohngebiet zu refinanzieren ist. Eine Krux bei der Sache ist, dass die Gemeinde das Sportzentrum vorfinanzieren müsste, denn nur nach einem Umzug des SV ist an eine Wohnbau-Entwicklung des Mäusbergs zu denken. Und wenn die Rechnung nicht aufgeht, bleibt die Gemeinde auf dem Fehlbetrag sitzen.

Wünsche nach breiteren Straßen und mehr Parkraum

Genau dieses Risiko hat jetzt die dezimierte CDU-Fraktion zur Ablehnung des Projekts bewogen. Fraktionsvorsitzende Erna Roßkopf führte zur Begründung unter anderem Ergebnisse eines vorangegangenen Bürgerforums zum Thema an, bei dem Wünsche nach breiteren Straßen und mehr Parkraum in einem potenziellen Neubaugebiet Mäusberg laut geworden seien. Das verringere den Anteil vermarktbarer Baugrundstücke und damit den Erlös. Völlig ungeklärt sei, wie sich die nunmehr ebenfalls beabsichtigte Beteiligung der FSV auswirke. Und es gäbe noch mehr Unwägbarkeiten, die für die CDU das Risiko zu groß machten.

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„Wir haben das erste Mal seit vielen Jahren hier in Münster bei einem städtebaulichen Projekt eine so detaillierte Risiko-Einschätzung“, lobte hingegen Alma-Fraktionschef Gerhard Bonifer-Dörr die Sondierungen in der Arbeitsgruppe und durch die Terramag. Und der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Fritsch wies darauf hin, dass man jetzt ja nicht den Einstieg auf jeden Fall beschließe, sondern die Einstellung von 200.000 Euro in den Haushalt 2015 mit der Maßgabe, daraus zuerst einmal die am stärksten mit Risiken verbundenen Gutachten zu Natur- und Lärmschutz zu beauftragen. Dabei gehe es um einen Teilbetrag von 35.000 Euro, der zugleich der maximale Verlust für die Gemeinde sei, wenn eines dieser Gutachten ein k.o.-Kriterium für das Projekt liefere. Sah man da vor seinem inneren Auge schon kleine Feldhamster über die Äcker neben dem Gersprenz-Stadion hopsen, sah Fritsch den Lärmschutz für die Nachbarn als das größere Problem.

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In der Debatte wurde die Atmosphäre zunehmend gespannter, bis hin zu kleinen Verbalinjurien, was schließlich den Ex-SV-Vorsitzenden Peußer dazu bewog, mit Blick auf die Christdemokraten die „andere Mehrheitskultur“ zu beschwören, die sich in der Arbeitsgruppe zum Thema entwickelt habe. Peußer ist vor einiger Zeit als Befürworter des Projekts wegen des Dissenses mit den Christdemokraten aus deren Fraktion ausgetreten und hat diese damit - wegen Beibehaltung des Mandats - ihrer knappen absoluten Mehrheit beraubt.

SPD-Fraktionsvize Klaus Bulang, der sich wohl wie viele Mitstreiter bei diesem für die Siedlungsentwicklung wichtigen Themas einen möglichst großen Konsens wünschte, beschwor die CDU-Gemeindevertreter, sich wenigstens wie in den vorangegangenen Ausschuss-Sitzungen zu enthalten. Vergeblich, wie dann die zwölf Nein-Stimmen zeigten. Zwölf, weil der CDU-Fraktion auch noch Axel Wandinger abhanden gekommen war, der sich als Jugendleiter der FSV-Ringer im „Widerstreit der Interessen“ sah und deshalb zu Beginn der Debatte den Saal verlassen hatte. Zwölf also, von potenziell 18. Auch 17 hätten an diesem Abend gereicht, um bei Stimmengleichheit das Projekt erst einmal zu Fall zu bringen. Da ist es nicht weit bis zur Vermutung, dass einige Christdemokraten einen andere Haltung zur Rochade haben als der Mainstream ihrer Fraktion und lieber zu Hause geblieben sind, um nicht mit dem Fraktionszwang zu kollidieren.

sr

Quelle: op-online.de

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