Geld für Haushalt 2016 eingeplant

Ärger über Brückensperrung

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Von oben nicht zu sehen, von unten allerdings schon: Besonders schlimm sind die Schäden am Widerlager.

Münster - Die Sperrung der Brücke über den Stiegelgraben sorgt für Unmut unter den Kleingartenbesitzern. Auch eine Infoveranstaltung, zu der Bürgermeister Gerald Frank eingeladen hatte, konnte die Gemüter nur teilweise besänftigen. Von Corinna Hiss 

Insgesamt 17 Brücken gibt es in Münster, eine davon – am Werlacher Weg – wurde bereits für 400.000 Euro saniert und im März dieses Jahres eingeweiht. Momentanes Sorgenkind von Gemeindeverwaltung und Bauamt ist die Brücke elf, die von Münster nach Eppertshausen über den Stiegelgraben führt und so den motorisierten Zugang zu den Kleingärten und dem Max-Bock-Heim ermöglichte – bis vor gut drei Wochen, als sie von einem Tag auf den anderen voll gesperrt wurde.

Dass die Lage der maroden Überführung ernst ist, verstanden die rund 30 Eigentümer und Pächter der Grabgärten, die der Einladung von Bürgermeister Frank in den Sitzungssaal gefolgt waren, um über weitere Schritte aufgeklärt zu werden. Allgemeines Unverständnis herrschte hingegen darüber, auf welche Art und Weise sie von der Sperrung vorgewarnt wurden: nämlich gar nicht. „Ich wollte morgens zu meinem Garten fahren, dann ging es auf einmal nicht mehr weiter“, beschwerte sich ein Münsterer. Ein anderer warf ein: „Die Schäden sind sicher nicht von jetzt auf gleich aufgetreten, da hätten wir gewarnt werden können!“

Damit habe er nicht Unrecht, gab Frank zu, der sich am Montagabend so einige Vorwürfe gefallen lassen musste. Jedes Jahr im Herbst werden alle 17 Brücken in der Gersprenzgemeinde auf ihren Zustand geprüft. Dabei war der Übergang zu den Kleingärten, die zwischen Stiegelgraben und Gersprenz in einem Dreieck liegen, bereits seit Jahren ins Visier der Experten geraten. Nun hat aber wohl auch die Beschränkung auf 3,5 Tonnen, die als Vorsichtsmaßnahme vor Jahren eingeführt wurde, nichts geholfen: Die Statiker sehen den Zustand als so kritisch an, das nicht einmal mehr ein Fußgänger passieren darf. Eine Sanierung käme auch nicht mehr infrage, so Frank.

Gioia Meyer vom Bauamt präsentierte den Anwesenden die gravierenden Schäden. Weite Teile der Widerlager sind ausgeschwemmt, die Tragbewehrung liegt zum Teil frei und rostet, der Beton ist aufgeplatzt und das Geländer ist alles andere als an zeitgenössische Vorschriften angepasst. Durch die plötzliche Vollsperrung sind nicht nur die Garteneigentümer betroffen, sondern auch das Max-Bock-Heim, der Wasserverband Gersprenz, Rettungskräfte und Radfahrer sowie Spaziergänger.

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Eine schnelle Lösung muss her, da waren sich Bürgermeister und Betroffene einig. Dass es jedoch nicht sofort möglich ist, machte Frank deutlich: „Für 2016 soll Geld für eine neue Brücke im Haushalt eingeplant werden, dieses Jahr ist da aber nichts mehr drin.“ Ein weiterer Dämpfer für die Hobbygärtner: Eine neue Überführung für bis zu 3,5 Tonnen sei viel zu teuer, eine Stahlbrücke mit einer Breite bis zu 2,5 Metern und einer Beschränkung von 1,5 Tonnen müsse reichen. Somit käme ein kleiner Pkw locker drüber, Geländewagen und Lkw jedoch nicht. Diese Brücke sei bereits mit den Rettungskräften abgestimmt, deren schwere Fahrzeuge sowieso nicht feldtauglich seien und deshalb im Notfall alles per Fuß zurückgelegt werden müsse. „Die Stahlkonstruktion kostet die Gemeinde rund 150 000 Euro, wenn wir eine Stahl-Beton-Brücke bauen, verdoppelt sich der Betrag sofort“, machte Frank deutlich.

Durch die plötzliche Sperrung, bei der die Betroffenen nicht vorher informiert wurden, ergab sich ein weiteres Problem, das es für den Rathauschef zu lösen galt. Viele Besitzer haben Anhänger, Stromaggregate, Holzspalter oder ähnlich schwere Gerätschaften auf dem Gelände, die sie ohne Auto unmöglich abtransportieren können. Der Vorschlag einer Münsterin, man können die Brücke noch einmal für eine halbe Stunde öffnen, musste aus Sicherheitsgründen abgelehnt werden. Die Eigentümer werden aber trotzdem nicht im Stich gelassen: Die Gemeinde will einen Kran mieten, mit dem an einem Tag all das über den Graben gehievt wird, das nicht von starker Männerhand bewegt werden kann.

Quelle: op-online.de

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