Noch paar Jahre Salat anpflanzen

Kleingärtner sehen sich in den Fängen der Bürokratie

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Auch in nicht legalisierter Datsche lässt sich in Münster so mancher Salatkopf anpflanzen. 

Münster - Der Ortsrand von Münster Richtung Eppertshausen wird von grünen Gartenparzellen gesäumt. Die meisten von ihnen sind legal ausgewiesene Gärten, doch ein paar wenige Kleingärtner leben seit Jahrzehnten mit ihrem Sonnenplätzchen in der Illegalität. Von Mayely Müller 

Immer wieder berichteten wir über Versuche, die Datschen zu legalisieren. Bislang verliefen alle Versuche im Sande. Es geht um die Parzellen „Auf der Hamm“ und „An der Hensenbrücke“. Um die zugehörigen Flächen auszuweisen und somit zu legalisieren, bedarf es eines Bebauungsplans. Doch dieser kostet Geld, wofür die einzelnen Gärtner selbst aufkommen sollen. Durch eine vierstellige Summe entsteht eine langwierige Problematik zwischen den Gärtnern, der Gemeinde und der Unteren Naturschutzbehörde. Es stellt sich die Frage, wer von den direkt Betroffenen sich eigentlich beschwert.

Die Landwirte? Die illegalen Grundstücke sind sehr klein und liegen teilweise direkt an der Bahn, sie verhindern keine Bewirtschaftung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen. Wegen der Nähe zur Bahn sind diese Areale somit auch für Jäger völlig uninteressant.

Die Naturschützer? Es wurde in der Vergangenheit diskutiert, die Zäune der Kleingärtner entfernen zu lassen. Bis es zu einer Entscheidung kommt, kann es noch Jahre dauern. Zäune stellen Schutz vor Kleintieren und Wild dar, die eigenen Pflanzen und Gemüse sollen so nicht zerstört werden. Ein Kleingarten ist eben auch ein Beitrag zur Ökologie seiner Umgebung. Da die Gärten zu Füßen der Dreieich-Bahn liegen, bieten diese Zäune manchen Tieren vielleicht sogar Schutz, um nicht direkt unwissend auf die Gleise zu laufen.

Die nähere Nachbarschaft, die ihre Parzellen auf der Gersprenzinsel hat, vermittelt eher den Eindruck von Mitleid. Ein Pächter einer ausgewiesenen Parzelle empört sich nicht über seine Nachbarn: „Die Gärtner werden von Bürokratie und Gesetzgebung bedroht. Dabei liegt die Schuld woanders. In den 80er Jahren wurden die Kleingartenparzellen ausgewiesen, die an der Hensenbrücke und „Auf der Hamm“ wurden aus ungenauen Gründen wohl einfach vergessen.“ Damals nahm die Gemeinde die Kosten der Ausweisung auf sich. Sollen also heute die Gartenbesitzer für einen bürokratischen Fehler geradestehen?

Brücke kaputt: Kleingärtner bergen via Hubkran ihre Hänger

Anstatt Behörden, der Gemeinde oder den Kleingärtnern den Schwarzen Peter zuzuschieben, wäre wohl eher eine Änderung der Sichtweise sinnvoll. Während viele Arbeitsstunden, Diskussionen und Aufmerksamkeit um ein paar kleine Gärten aufgebracht wurden, wäre in nächster Nähe fast eine andere Bedrohung für Natur und Landwirte entstanden: Die großräumige Sportplatzbebauung am Gersprenzstadion hätte nicht nur einen Einschnitt in die Landwirtschaft dargestellt, sondern auch den Lebensraum vieler Tiere eingeengt. Zu letzterem scheint es ja nun nicht zu kommen.

Die Gärtner an der Hensenbrücke jedenfalls nutzen derweil ihren Garten zur Erholung, als grünes Plätzchen für ihre Kinder und vor allem zur Bepflanzung von Blumen, Obst und Gemüse. Außerdem wird so manch ein Schaf dort gehalten. Die Pächter eines illegalen Kleingartens sehen die Lage entspannt: „Bis etwas passiert, dauert es durch die deutsche Bürokratie sowieso immer lange. Wenn wir weg müssen, dann ist das leider so. Aber ich denke, ein paar Jahre kann ich noch Salat pflanzen.“

Quelle: op-online.de

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