Zwei Künstlerinnen leben drei Monate mitten in Altheim ihr Schlafprojekt aus

Kollektive Kuschelkunst im „ARThaus“

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Mögen es kuschelig mit ihrer Kunst im „ARThaus“: Die beiden Kollektivschläferinnen Hannah Schassner und Annika Keidel inmitten ihrer noch kleinen Fangemeinde.

Altheim - Ihre Residenz haben zwei Kollektivschläferinnen im „ARThaus“ bezogen, das für die kommenden drei Monate zum Schläfer-Imperium wird. Von Thomas Meier 

Dafür, dass sie den Schlaf nach Altheim tragen, geben sich Annika Keidel und Hannah Schassner ganz schön aufgeweckt, als Pressevertreter und Rathausabgeordnete sie im Sleep-Headquarter besuchen. Sie erklärten, was die Altheimer und Münsterer Bürger von ihrem Schlafprojekt, das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt wird, zu erwarten haben. Das Duo tritt seit Januar als „Schläfer-Kollektiv“ auf. Keidel, 24 Jahre, Tänzerin und Choreographin, und Schassner, 27, Theaterregisseurin und Dramaturgin, stammen beide aus dem Frankfurter Raum und lernten sich zufällig kennen auf ihrer Suche nach einem großen Thema für eine von Land bezuschusste Künstler-Residenz.

Die beiden Freischaffenden schwärmen von Flux, wohinter der Verein zur Förderung der Zusammenarbeit von Theater und Schulen in Hessen steckt. Projektleiterin Ilona Sauer, die vier Residenzen in Hessen betreut, verriet, dass mit Flux Schülern aus dem ländlichen Raum die wichtige Erfahrung des Theaterspielens ermöglicht wird, aber auch die Bürger und Theaterinteressierten auf dem Land davon profitieren sollen. Zwischen 15 000 und 20 000 Euro lassen sich die Initiatoren so auch die kollektive dreimonatige Schläferei in Altheims „ARThaus“ kosten.

Um die Landesgelder aus dem „Kulturkoffer“ zu bekommen, muss man schon ganz schön helle sein, dachten die sich kollektiv verpennt gebenden Künstlerinnen, die für die Projektdauer auch in Altheim eine Wohnung bezogen haben. Ihren Namen wählten sie bewusst doppeldeutig und provokativ. Freilich geht es auch ums Schlafen, aber auch ums Wachrütteln. „Gegenseitig“, wie die Vorschläferinnen versichern.

Die beiden erforschen in der temporären Residenz künstlerisch „die schönste Sache der Welt: das Schlafen und den Schlaf“. Dabei arbeiten sie mit sehr bewegungs-affinen Methoden, die sich zwischen zeitgenössischen Tanz und Sprech-Theater im Dazwischen ansiedeln: „Auch im Schlaf sind die Grenzen zwischen Bewegung und Bewegungslosigkeit, zwischen Gedanken und Gedankenlosigkeit sowie zwischen Sprache und Sprachlosigkeit beinahe fließend.“

Und für dieses gar nicht schlaftrunkene Vorhaben haben sie sich in ihrem Schlafimperium „ARThaus“ eingerichtet. Bis Dezember gibt es hier ein Schlaf-Labor, ein Workshop-Raum und ein Office. Hier sind die Kollektivschläfer regelmäßig anzutreffen. Pyjamapartys, Tanz- und Theater-Workshops und Ausstellungen zum Thema sowie verschiedene Abendveranstaltungen werden geboten. Termine sind bereits ausgemacht in Schulen und Kitas, in Kontakt stehen die Nimmermüden mit Seniorenheimen und Jugendeinrichtungen.

Schulverbundskonzert in der Kulturhalle

Die wachen Künstlerinnen stehen aufs Thema Schlafen, das so simpel scheint und dabei doch so kompliziert ist. Was interessiert daran? „Es geht jeden an. Alle Menschen sind Schlaf-Experten und umso größer sind die individuellen Unterschiede“, befindet das Kollektiv. Es will übrigens „eine Chronik von Altheim anhand des Schlafverhaltens erstellen“. Zur Frage, ob dies möglich sein wird, geben sich die beiden Expertinnen ganz Imperial: „Ja. Wir schaffen das!“

Und Schlaf hat für die Aktionistinnen auch Existenzielles: „Der Mensch zwischen Schlafentzug und Flucht in den Schlaf – kann das Schlafen als politische Praxis verstanden werden? Kann dieser scheinbar so private Vorgang zu einer Form der Unterbrechung und des Aufbegehrens in einer Gesellschaft zwischen Arbeit und Produktorientierung gedeutet werden?“

Wer mehr erfahren oder auch ein Kollektivschläfer werden möchte, geht am Sonntag, 9. Oktober, um 18 Uhr zum ersten offiziellen Treffen ins „ARTHaus“ oder meldet sich unter 0171 2856181 oder per E-Mail an info@kollektivschlaefer.com.

Quelle: op-online.de

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