Kolpingfamilie feiert Kirchweih

„Blockieren keinen Verkehr“

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In besten Händen: Anneliese Kreher und Hubert Schadt hatten einen originellen Kerbspruch vorbereitet.

Münster - „Wir sind beim Geburtstagskind!“ – Die Worte von Hans-Dieter Schneider, Pressesprecher der Kolpingfamilie, verrieten am Sonntag sowohl Glück als auch ein bisschen Stolz im Unterton. Von Michael Just 

Mit dem Geburtstagskind war keine Person gemeint, sondern die Kirche St. Michael, die im Jahre 1786 geweiht wurde. Mit der St. Michaels-Kerb erinnert die katholische Pfarrgemeinde alljährlich auf ihrem Gelände an dieses Ereignis, das sich am christlichen Gedenktag der Kreuzerhöhung (15. September) ausrichtet. Am Wochenende darauf wird stets gefeiert. Wie gewohnt wartete die Kolpingfamilie als Organisator mit einem ansprechenden Programm auf: Nach dem Gottesdienst stand ein Frühschoppen an, danach ein Mittagessen mit Rouladen. Im Anschluss sang die katholische Kindertagesstätte. Es folgten das Bierkrugschießen und die Möglichkeit zum Besteigen des Kirchturms. Der Luftballonwettbewerb erfreute rund 80 Kinder.

Trotz der „weltlichen“ Kerb mit Umzug, die der Kerbverein nur wenige Meter weiter am Dalles organisiert hatte, zeigte sich die Veranstaltung bei St. Michael als durchgehend gut besucht. Das kann Hans-Dieter Schneider erklären: „Wir ziehen völlig unterschiedliches Klientel an.“ Vor allem Senioren und Familien folgten der Einladung zu St. Michael, Partyliebhaber würden das bunte Treiben auf der Hauptstraße bevorzugen. Auch wenn die Veranstaltung der Pfarrgemeinde in direkter Tradition zur Kirchweihe steht, müssen sich die Katholiken regelmäßig mehr oder weniger ernst gemeinte Kritik anhören, dass sie sich nicht in das Geschehen am Dalles integrieren.

Vor allem von Edgar „Hadschi“ Kreher, der für den Kerbverein den Kerbspruch vorträgt, wurden sie dafür 2015 auf die Schippe genommen („In der Kirche sollte man beten, aber in der Ortsmitte feiern“). In diesem Jahr folgte von Anneliese Kreher und Hubert Schadt beim Kerbspruch von St. Michael die Antwort. „Wir haben hier Küche, Aula und Toiletten und damit alles, was man zum Feiern braucht. Warum sollen wir das aufgeben?“, fragte Kreher. Zudem stehe das Gotteshaus beim Kirchweihfest im Mittelpunkt, womit sich jegliche Diskussion erübrige. Eine besondere Spitze hatte sie parat, als sie sagte, dass die St. Michaels-Kerb zumindest nicht den Verkehr blockiere. Laut Kreher feiern alle, trotz anderslautender Auslegung, gemeinsam die Kerb. Das zeige sich daran, dass zum Seniorentag am Montag viele am Dalles sitzen, die Sonntags bei der Kirche waren.

Bilder: Kerb in Münster

Wie gewohnt traten Kreher und Schadt besonders originell auf: Zu den Begebenheiten wurde nicht nur gereimt und Humorvolles angemerkt, sondern auch nach jeder Geschichte ein passendes Liedchen in Begleitung eines Akkordeonspielers angestimmt. Zu den privaten Anekdoten über Kirchenmitglieder bekam die Politik ihr Fett weg, etwa bei der geplanten Sportplatzverlagerung des SV oder dem Hickhack um die Gewerbemeile. Bürgermeister Gerald Frank musste sich die Kritik gefallen lassen, „erster Absager“ im Ort zu sein. Er habe das Band zwischen „Münster Floaker“ und „Eppertshäuser Settche“ zerschnitten. „Alleingänge machen einsam“, setzte das Duo noch drauf und stimmte danach den Klassiker „Wir wollen niemals auseinandergehen“ an.

Das Stöhnen mancher Kerbspruchverfasser, dass im Ort zu wenig passiert, können Kreher und Schadt nicht bestätigen. „Die Münsterer Politik liefert uns mehr als genug“, sagen sie. Viele Dinge hätte man aus Platzgründen sogar weglassen müssen. Am Abend wartete beim Einbruch der Dunkelheit noch ein Kerbfeuer, mit dem ein langer Tag beim Dämmerschoppen beendet wurde. Wie die Stunden zuvor spielte das Wetter mit.

Bilder: Kerbumzug in Münster

Quelle: op-online.de

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