Traditionsveranstaltung erstmals als Teil des Tags der Regionen

„Kunst hat mit Identität zu tun“

+
Der Griesheimer Papierkünstler Thomas Stoll zeigte Tangrami-Werke.

Münster - Mit 40 Ausstellern war „Kunst in Münster“, vormals „Kunst zwischen der Kerb“, erneut ausgebucht. Zum ersten Mal fand die Veranstaltung als Teil des Tags der Regionen statt. Auch eine geflüchtete Syrerin zeigte ihre Gemälde. Von Jens Dörr 

„Kunst in Münster“: Die bis 2014 unter dem Namen „Kunst zwischen der Kerb“ veranstaltete Schau der Kreativen hat am Wochenende ein buntes Publikum in die Kulturhalle gelockt. Am Freitagabend startete die Ausstellung mit 40 Künstlern aus Münster und dem Rhein-Main-Gebiet im Rahmen einer Vernissage. Am Samstag und Sonntag lockten Designer, Maler und Bastler mitsamt der unterschiedlichsten Materialien trotz des draußen verlockenden Wetters mehrere hundert Interessierte an. Zur Eröffnung sprach Hannelore Heckwolf, mitorganisierende Vertreterin des an jedem ersten Dienstag im Monat im Kulturhallen-Bistro stattfindenden „Künstlerstammtischs“, einige Worte. Auch Bürgermeister Gerald Frank war zugegen. „Da freu ick mir“, berlinerte Heckwolf im Beisein von rund 150 Gästen, die zur Vernissage gekommen waren. Später stand „die Lore“ dann wieder an ihrem Stand mit den selbst genähten Teddybären. War sie andernorts unabkömmlich, vertrat ihre Tochter sie an den Tischen. Mehr Ruhe für die Präsentation der eigenen Werke hatten die anderen der 40 Künstler. Mit dieser Zahl erreichte „Kunst in Münster“ wie schon im Vorjahr quantitativ das Limit. Mehr Stände hätten kaum in den großen Saal gepasst. Mit 28 Ausstellern hatte die auch qualitativ sehr ansehnliche Schau im Jahr 2 000 erstmals stattgefunden.

Hanan Alhouri war damals gerade einmal acht Jahre alt und lebte in Damaskus. Die Syrerin, heute 24, studierte in der Hauptstadt ihres kriegsgeplagten Lands Kunst, hielt es dort zwischen Bomben und Massakern wie so viele irgendwann aber nicht mehr aus. Sieben Monate lang lebte sie als Flüchtling mit ihrem Mann und Kleinkind in Münster; in dieser Zeit entstand auch jenes halbe Dutzend Ölgemälde, das sie am Wochenende in der Kulturhalle präsentierte. Als Motive habe sie Orte aus ihrer Heimat gewählt, allerdings noch ohne die Spuren, die der Bürgerkrieg hinterlassen habe, ließ Alhouri am Freitagabend einen anderen Syrer ins Englische übersetzen. Vor zwei Monaten fand sie zusammen mit ihrer Familie eine Wohnung in Eppertshausen. „Kunst in Münster“ markierte für sie auch in kreativer Hinsicht einen Neuanfang.

Nicht nur das war Heckwolf und Frank zur Eröffnung eine besondere Erwähnung wert. Frank stellte auch heraus, dass „Kunst in Münster“ erstmals Teil des „Tags der Regionen“, einer vom Hessischen Umweltministerium geförderten und von einem gleichnamigen Aktionsbündnis durchgeführten Initiative, sei. „Kleiner denken, um gemeinsam Größeres zu erreichen“, hat sich das Bündnis aus mehr als 30 Institutionen und Verbänden aus Landwirtschaft, Ernährung, Gastgewerbe, Kirchen und Naturschutz zum Credo auserkoren. Die Lösung auf viele Herausforderungen – von Ernährungssicherheit, über Klimaschutz bis hin zu sozialen Arbeitsbedingungen – laute oftmals Regionalität.

Die zehn beliebtesten Museen in Deutschland

Den Bogen zur Münsterer Ausstellung schlug am Wochenende Lena Brunn – jene Frau, die im Rathaus seit Anfang des Jahres im Kulturressort arbeitet und für den „Künstlerstammtisch“ neu als Ansprechpartnerin auf Nicole Ewig gefolgt ist. „Auch Kunst hat ja was mit Identität zu tun“, begründete sie die Teilnahme am „Tag der Regionen“, über den die Münsterer Veranstaltung als eine von vieren im gesamten Landkreis zusätzlich über eine Broschüre beworben wurde. Schon seit mehreren Monaten hatte sich Brunn in die Vorbereitung von „Kunst in Münster“ in Abstimmung mit dem „Künstlerstammtisch“ eingebracht, leitete das Anmelde- und Standplatzverfahren und war Ansprechpartnerin etwa bei allen Fragen rund um GEMA oder Versicherungsschutz.

Mehr auf die Rücksichtnahme der Besucher denn auf Schutzmaßnahmen baute am Wochenende unter anderem Thomas Stoll: Der Griesheimer widmet sich in seiner Freizeit der in Deutschland sehr seltenen Papierkunst Tangrami, bei der normales Druckerpapier durch das Aufteilen in Rechtecke und danach das Falten in Dreiecke zu Gegenständen oder Figuren zusammengesteckt wird – „In der Regel ohne Kleber“, wie Stoll erläuterte. Einen Weißkopf-Seeadler hat er, der zum dritten Mal in Münster dabei war („Wegen des Ambientes und der Leute eine sehr schöne Veranstaltung“) und eins von nur drei Tangrami-Büchern auf dem deutschen Markt verfasst hat, in wochenlanger Arbeit aus 187 Blatt und 3 000 Dreiecken „lebendig“ werden lassen. „Den habe ich sechsmal wieder auseinandergenommen, ehe er fertig war“, gab Stoll dabei sogar frank und frei zu.

Mit Cornelia Lang mischte auch eine Münsterer Künstlerin der ersten Stunde mit. Sie bemalt Porzellan und verkaufte gleich zur Vernissage die erste Vase. „Es macht noch immer Spaß“, sagte sie. Die Anziehungskraft der Veranstaltung sei ungebrochen – und das gilt sicher auch für alle weiteren Aussteller.

Quelle: op-online.de

Kommentare