200 Gäste bei der Vernissage

Die Erde in nur einem Buch

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Geschäft gemacht: Schmuckdeal am Stand von Renate Rauth.

Münster - Sie präsentierten selbst genähte Teddys, Zeichnungen, Skulpturen, Schmuck oder Taschen: Bei „Kunst in Münster“ zeigten lokale Kreative an drei Tagen ihr Können. Von Jens Dörr

Ob der Name „Kunst in Münster“ besonders kreativ ist und schlussendlich besser ankommt als „Kunst zwischen der Kerb“, darüber lässt sich gewiss diskutieren. Fakt ist aber: Der neue Titel für jene dreitägige Veranstaltung, die von Freitag bis Sonntag die Kulturhalle belebte, wurde von heimischen Freigeistern selbst ersonnen. „Der neue Name war Wunsch der Künstler“, teilte am Freitagabend Nicole Ewig mit. Sie koordinierte auf Seiten der Gemeinde die Ausstellung, die mit ihrer 15. Auflage ein Jubiläum feierte. Ewig war zur Vernissage eine von 200 Gästen, denen viele Dutzend Besucher an den beiden weiteren Tagen folgen sollten.

Ewig, im Rathaus zum vierten Mal in die Organisation eingebunden, war hinter den Kulissen eine der wichtigsten Personen der vergangenen Monate gewesen. „Ab Februar haben wir geplant, etwa ein halbes Jahr braucht man dafür“, blickte sie zurück. Wichtige Unterstützerin mit bekannt rustikalem Charme: Eleonore „Lore“ Heckwolf, die mit eigenhändig genähten Teddys selbst an „Kunst in Münster“ teilnahm. Sie sprach zur Eröffnung einige Worte für den Künstlerkreis, dessen Mitglieder beim Heimspiel meist auch ausstellen und der sich auch abseits der dreitägigen Veranstaltung regelmäßig zum lockeren Austausch trifft.

Heckwolf wies unter anderem auf das Preisrätsel des Wochenendes hin: An diversen Ständen verteilte Buchstaben mussten zu einem Lösungsbegriff kombiniert werden. Als Preise lockten Werke teilnehmender Künstler. Deren Bandbreite konnte sich erneut sehen lassen: Nach 41 Ausstellern im Vorjahr waren es diesmal 40. Einer sagte kurzfristig ab, auf 39 war Verlass. Der Mix reichte von Kalligrafien über Glaskunst, Zeichnungen und Holzskulpturen bis hin zu Schmuck und Taschen. Damit wären Techniken und Objekte noch längst nicht vollständig erwähnt. Cornelia Lang etwa präsentierte Porzellanmalerei – was einerseits künstlerisch wertvoll war, andererseits vor einer bemerkenswerten Geschichte stand: Lang ist Ausstellerin der ersten Stunde, war bei bislang allen 15 Münsterer Kunst-Wochenenden mit von der Partie. Dafür bedankte sich Bürgermeister Gerald Frank bei der Eröffnung mit einem Präsent.

Ein solches erhielten auch Michael Rössler und Daniela Schaefers. Rössler war ebenfalls von Beginn des einstigen „Kunst zwischen der Kerb“-Ereignisses – das terminlich freilich noch immer zwischen der Kerb in Münster und jener in Altheim liegt – dabei. Zweimal musste er zwischenzeitlich zwar pausieren, wurde für die nun schon 13 Teilnahmen aber ebenfalls geehrt. Schmunzeln musste Bürgermeister Frank derweil selbst ein wenig, als er Rössler übers Mikrofon fragte: „Sie machen Papierkunst. Wie kommt man als Mann auf so etwas?“ Was Rössler ihm freilich nicht übel nahm, sondern kurz erläuterte, dass es sich etwa um ein günstiges Material handele, das zudem viel kreativen Raum lasse.

Die Replik der Chauvet-Höhle

Schaefers stand vor dem gut gefüllten Saal, in den wohl kaum mehr als fünf bis zehn weitere Stände hineingepasst hätten, weil sie eine Fotoschau mit den Werken einiger teilnehmender Künstler erstellt hatte. Diese lief auf der Leinwand ebenso eher hintergründig ab wie die Keyboard-Klänge, mit denen Udo Groh den ersten Abend dezent begleitete. Die Musikschüler des Münsterers, die im Vorjahr mit Auftritten Teil des Wochenendes gewesen waren, waren diesmal nicht zu hören.

Filmmacherin Schaefers war unterdessen auch in eigener künstlerischer Angelegenheit vertreten – mit bemerkenswerter „Buchkunst“, wie sie ihre Arbeit nannte. Dabei faltet sie Buchseiten so, dass halb aufgeklappt Figuren entstehen. Höhepunkt: Ein Buch, das zweidimensional die Kontinente und Ozeane der Erde zeigt. Mit zehn solcher Werke präsentierte sie sich über das Wochenende. „Ich hatte noch viel mehr, habe aber schon viele verkauft“, verriet sie. Die außergewöhnliche Kunst sei ihr „irgendwann mal über die Füße gelaufen“; wo, wisse sie gar nicht mehr. Klar seien aber mindestens zwei Dinge: „Ein Muss ist der feste Einband“ – sonst klappe das Werk in sich zusammen. Den Anspruch, die verwendeten Bücher vorher gelesen zu haben, besitze sie nicht, lächelte Schaefers. Um mit Blick auf die kleinen, umfunktionierten Wälzer, die wie fast alle Werke bei „Kunst in Münster“ verkäuflich waren, hinzuzufügen: „Jetzt ist kein Objekt mehr vor mir sicher.“

Quelle: op-online.de

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