„Eine Hochzeitsplanerin für alle Fälle“

Laientheater des Eintracht-Fanclubs

Münster - Leichte Kost seit nunmehr drei Jahrzehnten: In seiner bereits 30. Saison hat die Theatergruppe des Eintracht-Frankfurt-Fanclubs (EFC) Altheim am Freitag, Samstag und Sonntag ein Stück der Öffentlichkeit präsentiert. Von Jens Dörr 

Wichtiger Moment: Pascal (Sascha Diehl) macht Sabine (Christina Weihert) den Heiratsantrag, auch wenn der Verlobungsring vorab samt Schokopudding verzehrt wurde. Dann aber beginnt der Stress erst richtig. -

An die insgesamt 1 000 Zuschauer sahen in den drei Vorstellungen das Stück „Eine Hochzeitsplanerin für alle Fälle“ von Jennifer Hülser. Es ist vielleicht ein bisschen mit dem Koch zu vergleichen, dessen Rundungen schon weithin sichtbar verraten, dass er seine am Herd kredenzten Speisen auch selbst nur allzu gern verzehrt: Zum jetzt schon zweiten Mal wählten die Altheimer ein Skript von Hülser aus. Die Autorin ist seit vielen Jahren auch selbst Darstellerin einer Laienspielgruppe (im Ruhrgebiet), seit einiger Zeit zudem unter die Schreiberlinge gegangen - und hat auch selbst in einer Rolle des Stücks „Eine Hochzeitsplanerin für alle Fälle“ auf der Bühne gestanden. Eine Vorlage also, mit der sie sich selbst guten Gewissens vors Publikum traute - was auch die Altheimer Eintracht-Fans am Wochenende nicht bereuen mussten.

Denn die Lacher hatten sie in der Kulturhalle von Anfang an auf ihrer Seite. Was auch an einem Heiratsantrag unter erschwerten Bedingungen lag: Pascal will sich mit seiner Freundin Sabine verloben, wobei allerdings der im Schokopudding platzierte Ring im Magen statt am Finger landet. Sascha Diehl und Christina Weihert, die die Rollen der beiden Verliebten innehaben, finden zum Ende des ersten der drei Akte dennoch zusammen: Diehl alias Pascal geht vor seine Angebetenen auf die Knie und steigert seine hessische Schnauze noch einmal merklich, als er sie zur gemeinsamen Einfahrt in den Hafen der Ehe einlädt.

Stichwort „Ehe“: Die ist für Pascals älteren Bruder Bastian nichts anderes als „das Ende des Lebens in drei Buchstaben“. Kein Wunder, ist der coole Bastian (gemimt von Christian Lehr) doch seit einer Liaison mit Sabines bester Freundin Tina tief in sich drin recht frustriert. Blöd nur, dass nun Pascal Bastian und Sabine Tina zu ihren Trauzeugen berufen - zwei Hochzeitsbegleiter, die sich auf den Tod nicht ausstehen können.

Was sich mit „Oma Paschulke“ (Edith Damm in ihrer 30. Theatersaison für den Fanclub), die gar keine richtige Großmutter eines der Protagonisten ist, im Umfeld gerade von Sabine allerdings dazu gehört, fortsetzt: Mit allzu altbackenen Vorschlägen und diskussionswürdigen Musikideen von ihren Schallplatten droht sie dem Paar vorab die Vorfreude zu nehmen. Zumal sie dabei so lieblich und hilfsbereit - und in schönster heimischer Mundart - flötet, dass man ihr bei allem vorgeschlagenen Käse nicht böse sein kann.

Shakespeare-Theaterklassiker in neuem Gewand

Dass sieht bei Oma Paschulkes einstiger Liebelei, dem Hobbypastoren Heribert (Klaus Damm), schon ein wenig anders aus. Der hält sich trotz ganz eigener Vorstellungen von der Ehe für den geeigneten Planer. Sabine wiederum setzt ob dieser „Experten“ und der schwierigen Kombination der Trauzeugen lieber auf Hochzeitsplanerin Edda, die schon bald mit ihrer Assistentin Tiffy auftaucht und aus der Standard-Hochzeit eine vollkommen angesagte „Weltraum-Hochzeit“ veranstalten möchte. Am Ende gewinnt weder Heribert noch Edda den entbrannten Wettkampf um die am besten organisierte Hochzeit. Pascal und Sabine beschließen, eine heimliche Eheschließung in Las Vegas dem Wirbel zuhause vorzuziehen. Und die beiden Greise auf der Bühne nähern sich - gemäß dem Motto „Ende gut, (fast) alles gut“ auch noch einmal aneinander heran.

Neben den Routiniers Edith und Klaus Damm sowie den ebenfalls schon länger mitwirkenden Sascha Diehl und Christina Weihert brachte der EFC Altheim in diesem Jahr auch Miriam Weihert, Susanne Münch, Christian Lehr und Mona Horn auf die Kulturhallen-Bretter. Miriam Weihert, Münch und Lehr sind ihrerseits „Wiederholungstäter“, Horn debütierte. Das galt auch für eine wichtige Person hinter der Bühne: Kathrin Wennel war erstmals als Souffleuse im Einsatz. Eine alljährliche Frage wurde beim Blick aufs selbst gestaltete Bühnenbild übrigens rasch beantwortet: Das stets integrierte Eintracht-Frankfurt-Fanutensil war diesmal ein Schal, der über das Sofa gelegt worden war.

Quelle: op-online.de

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