Rat für Hobby-Akteure

Leidenschaftlicher Bühnenkünstler

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Die Jungakteure des Auetheaters lauschen gebannt den Tipps des Schauspielers und Regisseurs Ulrich Sommer.

Münster - Einmal im Jahr zeigen die Schüler des Aue-theaters ihr schauspielerisches Können bei einigen Aufführungen in der Kulturhalle. Auch in diesem Mai inszenieren die Jugendlichen der Münsterer Schule auf der Aue wieder ein Stück.

Bis dahin wird noch viel Text gelernt und fleißig geprobt. In der vergangenen Woche hatten sie dabei professionelle Unterstützung: Ulrich Sommer, Schauspieler und Regisseur aus Darmstadt, besuchte die Jugendlichen und ihre beiden Lehrer Andreas von der Heyden und Philipp Schumann bei einer Probe. Eine echte Chance für die Jungschauspieler, einmal Kontakt mit einem echten Profi aufzunehmen.

„Ich finde es toll, dass sich die Schule in Münster so für das Theaterspielen einsetzt und dass die Schüler mit Begeisterung bei der Sache sind. Da bringe ich mich gerne ein und gebe ihnen ein paar Tipps“, lobte Sommer das Team des Auetheaters. Was ein Schauspieler besonders beherrschen muss, ist die Sprache. Deshalb begann die Probe mit zahlreichen Übungen zur Stimmbildung. „Ich gebe auch Workshops und arbeite an der Mainzer Uniklinik an der Lehranstalt für Logopädie. Die Stimme richtig einsetzen zu können, ist nicht nur für Schauspieler grundlegend“, erläuterte der vielseitige Darsteller, der auch schon im Fernsehen zu sehen war. So wurden in dieser außergewöhnlichen Probe nicht nur Töne erzeugt, sondern auch einander zugeworfen und voneinander weggekickt. Die Schüler setzten Bewegungen und Geräusche synchron ein. Lehrer und Jugendliche hatten dabei sichtlich Spaß, besonders, als die Artikulation mit Grimassen perfektioniert wurde.

Im Anschluss an die Einführungsrunde stellten die Hobby-Akteure dem freiberuflichen Schauspieler Fragen. „Was lernt man auf einer Schauspielschule?“, wollte ein Mädchen wissen. „Neben Rollenstudien und gemeinsamen Proben auch Tanzen, Fechten und Gesang“, informierte Sommer und gab auch Auskunft darüber, warum er Schauspieler geworden ist: „Ich bin gerne ins Theater gegangenen, schon als Schüler und habe mit Begeisterung die verschiedensten Stücke angesehen. So war mir bald klar: Da oben will ich auch mal stehen!“ Auf die Frage, ob er einen Tipp für das mühsame Textlernen habe, entfährt dem Profi ein tiefer Seufzer: „Nein, leider nicht“, gibt er zu und erzählt, dass auch er immer wieder seine Rollen üben müsse.

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Die 15-jährige Kajin will wissen, ob es auch Momente gebe, in denen er am liebsten aufgegeben würde. Auch hier antwortet Sommer ganz offen: „Ja, als Schauspieler muss man mit Frustration umgehen müssen. Jede Kritik ist ganz unmittelbar mit der eigenen Person verbunden, das ist nicht immer leicht.“ Gleichzeitig liebe er seinen Beruf und sein eigenes Ensemble, das Theater Curioso, das derzeit im Darmstädter Theater Moller Haus mehrere Stücke aufführt. Zu guter Letzt wollten die Jungdarsteller noch eine wichtige Frage beantwortet wissen: „Können Sie uns empfehlen, Schauspieler zu werden?“ Sommer denkt kurz nach und antwortet dann: „Wenn für jemanden der Beruf Schauspieler nur eine von mehreren Möglichkeiten ist, dann sollte er auf eine Alternative zurückgreifen. Doch jemand, der ausschließlich Schauspieler werden will, weil er merkt, dass es genau das ist, was er tun möchte, der sollte es machen!“

Wer den sympathischen Bühnenkünstler aus Darmstadt einmal live erleben will, kann ihn derzeit in dem Stück „Der Kredit“ von Autor Jordi Galceran sehen. Als Regisseur fungiert er bei „Alle sieben Wellen“, der Bühnenfassung von Daniel Glattauers Erfolgsroman „Gut gegen Nordwind“. Informationen dazu gibt es unter www.theater-curioso.de. Das Auetheater steht am Freitag, 29., und Samstag, 30. Mai, auf der Bühne. Gespielt wird „Andorra“ von Max Frisch, ein Drama, das sich mit Antisemitismus und Vorurteilen auseinandersetzt.

eml

Quelle: op-online.de

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