Brücke 11 kaputt

Luftbrücke für Trekker geschlagen

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Großes Gerät wird in strömendem Regen für den Einsatz mit Stahlketten vetäut.

Münster - Die Kleingärten rund ums Max-Bock-Heim sind seit der Brückensperrung nur noch per pedes erreichbar. Von Thomas Meier 

Um teure Traktoren-Anhänger, Spalter und anderes sperriges, nur mit Fahrzeugkraft zu transportierendes Material aus der plötzlichen Insellage heraus zu holen, wurde von der Gemeinde ein Hubkran angemietet. 17 Brücken gibt es in Münster, eine bereitet seit ihrer unvermittelten Komplettsperrung vor rund fünf Wochen Sorgen: Brücke 11, die von Münster nach Eppertshausen über den Stiegelgraben führt und so den motorisierten Zugang zu den Kleingärten und dem Max-Bock-Heim ermöglichte.

Der alte John Deere fliegt am Seil des Hubkranes auf die Kleingarteninsel, um die Hänger zu bergen.

Gravierende Schäden waren bei der jüngsten amtlichen Inaugenscheinnahme festgestellt worden: Weite Teile der Widerlager sind ausgeschwemmt, die Tragbewehrung liegt zum Teil frei und ist starker Korrosion ausgesetzt, der Beton ist aufgeplatzt und das Geländer ist alles andere als an zeitgenössische Vorschriften angepasst. Durch die plötzliche Vollsperrung sind nicht nur die Garteneigentümer betroffen, sondern auch das Max-Bock-Heim, der Wasserverband Gersprenz, Rettungskräfte und Radfahrer sowie Spaziergänger. Eine schnelle Lösung musste her, vor allem für die rund 30 Kleingärtner und ihr mobiles, aber eingesperrtes Hab und Gut. Denn dass die Brücke wohl irreparabel ist und ein Neubau wegen der klammen Haushaltslage nicht so bald und wenn, dann auch nicht mit der Tragkraft der alten ausgestattet werden sein wird, hatte Bürgermeister Gerald Frank bereits bei einer Anliegerversammlung deutlich gemacht (wir berichteten). Erst für 2016 soll Geld für eine neue Brücke im Haushalt eingeplant werden.

Eine neue Überführung für bis zu 3,5 Tonnen ist jedoch zu teuer, eine Stahlbrücke mit einer Breite bis zu 2,5 Metern und einer Beschränkung von 1,5 Tonnen muss reichen. Somit käme ein kleiner Pkw locker drüber, Geländewagen und Lkw jedoch nicht. „Die Stahlkonstruktion kostet die Gemeinde rund 150 000 Euro, wenn wir eine Stahl-Beton-Brücke bauen, verdoppelt sich der Betrag“, machte Frank deutlich.

Dies freilich ist ferne Zukunftsmusik, jetzt musste PS-starke Hilfe herbei. Am frühen Morgen tuckerten drei Traktoren von Eppertshäuser Seite an die selbst für Fußgänger wegen akuter Einsturzgefahr gesperrte Brücke heran. Dort hatte sich bereits der große Hubkran vom Dieburger Kranverleih Meister postiert. Und seine erste Last sollte ein John-Deere-Trekker, Baujahr 1962, sein. Das Gefährt von Manfred Witzel, der seinen betroffenen Kleingarten von den Eltern übernommen hat („Und die haben ihn von ihren Eltern erhalten“) sollte auf die unfreiwillige Lauben-Insel übergesetzt werden, um dort aus den Kleingärten die teilweise beladenen, teils leeren Hänger an die kaputte Brücke zu ziehen, damit sie dann auf die sichere (und an den Verkehr angeschlossene) Seite Münsters gehieft werden konnten. Schwere Arbeit, die zudem durch eine vorbeiziehende Gewitter- und Niederschlagsfront mit heftigem Regen „gesegnet“ werden sollte.

Brücke kaputt: Kleingärtner bergen via Hubkran ihre Hänger

Den 44 PS starken Traktor für den Kran an dicken, stoff-ummantelten Stahlketten auszutarieren, war die erste Hürde vor dem Trekkerflug. Die Arbeiten von Kranführer und Kleingärtnern verfolgten einige Rathausbedienstete, unter ihnen auch deren Chef, Bürgermeister Gerald Frank. Seine Laune war dem Wetter angepasst, denn er sieht sich ungerechtfertigt den Vorwürfen ausgesetzt, „geschlafen“ zu haben, was den Zustand der Brücke angehe. Erst seit kurzem im Amt, ist er dennoch freilich den Urteilen der Experten in Sachen Brücken-Einsturzgefahr verpflichtet. Und dies sahen – wenngleich murrend – die mit dem ungewöhnlichen Transport von Hängern und Trekkern beschäftigten Kleingärtner ein. Auch wenn viele glauben, dass das marode Bauwerk noch etliche Transfers von Autos, Fußgängern und Traktoren auszuhalten in der Lage sei, wollte freilich niemand die Verantwortung übernehmen, wenn doch ein Unglück geschehe.

„Da kann auch ein Bürgermeister nichts anderes machen, als so zu helfen“, sagte etwa Heribert Gruber, dessen Laube ebenfalls seit langem in Familienbewirtschaftung steht. Und so konnte sich Frank auch einiger anerkennender Blicke sicher sein, stundenlang im Regen den Überflug der Traktoren, Anhänger und Kreissägen zu verfolgen.

Quelle: op-online.de

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