Syrischer Flüchtling absolviert Berufspraktikum im Seniorenpflegeheim

Marmelade kochen und warten

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Mahmoud, ein in Münster untergebrachter Flüchtling, hilft im Rahmen eines Berufspraktikums beim Marmeladekochen im Seniorenpflegeheim „Haus Münster“. Katharina Koch, Leiterin der Hauswirtschaft, steht beratend zur Seite.

Münster - Mahmoud, 18 Jahre alt, ist vor dem Krieg in Syrien geflohen. Sein Ziel: In Deutschland bleiben zu dürfen. Fleißig lernt er die deutsche Sprache und macht ein Praktikum. Von Peter Panknin 

Seit gut einem Jahr ist er jetzt in Münster, wohin es Mahmoud auf seiner Flucht aus Syrien verschlagen hat. Zusammen mit Familienangehörigen und Schicksalsgenossen wartet er in der Gemeinschaftsunterkunft in Münster auf eine Nachricht aus Gießen, die seinen Status als Flüchtling in der Bundesrepublik Deutschland bestimmen wird. Warten ist schwer und nicht jedermanns Sache, aber man kann die Zeit des Wartens sinnvoll nutzen, vor allem, wenn man gerne in Deutschland bleiben möchte. Mahmoud, inzwischen 18 Jahre alt, ist dankbar dafür, dass er hier ist und möchte in seinem neuen Umfeld Kontakte knüpfen. Er hat schnell erkannt, dass dies ohne Sprachkenntnisse fast unmöglich ist. Auch die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit wird dadurch erheblich erschwert.

Also nutzt er die Zeit des Wartens, um die deutsche Sprache zu erlernen. Ehrenamtlich durchgeführte Kurse helfen dabei ebenso wie der Besuch einer Schule, um einen anerkannten schulischen Abschluss zu erwerben, der wiederum bei der Berufswahl hilfreich ist. Mahmoud besucht die Landrat-Gruber-Schule in Dieburg, um dort einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Dazu gehört auch, dass die Jahrgangsstufen an einem Schülerpraktikum teilnehmen, um erste Eindrücke im Berufsleben zu gewinnen. Für den jungen Syrer besonders interessant, denn die hiesige Berufs- und Arbeitswelt unterscheidet sich nicht unerheblich von dem, was er bisher in dem vom Krieg geschüttelten Heimatland kennengelernt hat.

Hilfreichen Menschen in Münster gelang es, ihm eine Praktikantenstelle im „Haus Münster“ der Seniorendienstleistungs GmbH Gersprenz zu verschaffen. Mahmoud freute sich darüber sehr. Befragt nach dem Grund dieser Freude, antwortete er in gut verständlichem Deutsch: „Ich bin in Deutschland gut aufgenommen worden, dafür bin ich dankbar und möchte den Menschen hier gerne etwas dafür geben“. Der Bereich Hauswirtschaft ist sein Betätigungsfeld, wo er die unterschiedlichsten Tätigkeiten, die dort anfallen, kennenlernen konnte.

An die Hand genommen haben ihn dabei Katharina Koch, Leiterin des Bereichs Hauswirtschaft im Seniorenpflegeheim „Haus Münster“, unterstützt von Kerstin Herring, die für den Bereich „Sozialdienst“ verantwortlich zeichnet. Beide Damen bestätigen, dass Mahmoud sich sehr hilfsbereit und geschickt anstellen und den Kontakt mit Menschen genießen würde. „Ich bin gerne hier, um zu helfen und dabei kann ich im Kontakt mit den Menschen auch noch meine Sprachkenntnisse erweitern“, so der junge Syrer.

Sichtlich Freude hat er bei unterstützenden Arbeiten, wie zum Beispiel dem Schneiden von Gemüse bei der Essensvorbereitung, aber auch das Aufräumen in der Küche und in den Vorratsräumen fällt ihm nicht schwer. An das Kochen von Marmelade traut er sich noch nicht ganz heran, da schaut er lieber dem studentischen Praktikanten Cem (Praktikum im Studiengang Pflegedienst) zu. Damit nichts anbrennt – im wahrsten Sinne des Wortes – hält Monika Poth ein wachsames Auge auf die beiden jungen Herren.

Mahmouds Zeit als Schülerpraktikant ist Freitag zu Ende gegangen. Jetzt bereitet er sich auf seinen Schulabschluss vor. Und täglich wird der Briefkasten inspiziert, ob denn nun endlich Post aus Gießen gekommen ist...

Quelle: op-online.de

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