Waldhörner mit weltweitem Widerhall

Meister Christopher Cornford baut begehrte Blechblasinstrumente

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Wertvolle Waldhörner mit ausgefeilter Technik made in Münster entstehen in der 40 Quadratmeter großen Werkstatt von Blechblasinstumentenbauer Christopher Cornford Auf der Beune.

Münster - Seit 15 Jahren warten hochkarätige Musiker auf der ganzen Welt auf Post aus dem Gewerbegebiet Auf der Beune: Auf Blechblasinstrumente von Christopher Cornford. Der Meister fertigt seine hochwertigen Waldhörner der Spitzenklasse in einer kleinen, aber feinen Werkstatt. Und zu ihm kommen die Profis von Heeresmusikkorps, Staatstheatern, Radiosinfonieorchestern und Solisten aus der ganzen Welt. Von Thomas Meier

Auch wenn ihn regional noch kaum einer kennt: Metallblasintrumentenbauer Christopher Cornford hat unter seinen Fans global einen Ruf wie Donnerhall. Und dies ohne großartige Eigenwerbung. Selbst seine Homepage im Internet spiegelt nur äußerst bescheiden wider, welch Talent dahinter steckt. Weltweit gibt es kein Dutzend solcher Instrumentenbauer wie ihn. Der 45-Jährige erblickte das Licht der Welt in Walton on Thames, einer Stadt im Borough Elmbridge in der Grafschaft Surrey in Südostengland. Doch bereits im zarten Kindesalter siedelte er mit den Eltern nach Zeilhard bei Reinheim um, wo er aufwuchs.

Cornfords Patent für ein neuartiges Tripelhorn mit dem Namen „Mod. 3 S“ macht weltweit Schlagzeilen.

Doch zu blasende Hörner, traditionelle englische Musikinstrumente, klangen bei Christopher Cornford wohl nach, denn nach der Schule zog es ihn nach Mainz in Deutschlands älteste Manufaktur für Metallblasinstrumente, die „Gebr. Alexander Rhein. Musikinstrumentenfabrik GmbH“. Nach drei Jahren Ausbildung zeigte sich 1991 bereits, dass die blechbläserne Berufswahl goldrichtig war, denn Cornford absolvierte seine Prüfung als Innungs-, Landes- und Bundessieger. Er machte danach sein Fachabitur in Darmstadt, um wieder zurück in den Mainzer Traditionsbetrieb zu gehen und unter Meister Hans Meier selbst seine Meisterprüfung abzulegen.

„Viele lernen diesen Beruf, einige springen ab, etliche versuchen sich in anderen Richtungen zu verwirklichen, nur wenige treten international in Erscheinung“, weiß Cornford, der sich selbst dem lebenslangen Erforschen seiner klangvollen Materie verschrieben hat und im April 2000 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Cornfords Metallblasinstrumente wurden zunächst kurze Zeit in Mühlheim gebaut, doch fand er Auf der Beune dann den rechten Platz für sein Wirken. Von hier aus gehen die edlen Instrumente von „Cornford Germany“, made in Münster, in die ganze Welt.

Keine leeren Worte: „Waldhörner der Spitzenklasse anbieten zu können ist auf eine Synthese von modernsten Technologien und traditioneller Handarbeit zurück zu führen“, sagt der Hornbauer, der sich dem Qualitätsbegriff „Made in Germany“ verpflichtet fühlt. Für seine Instrumente bezieht er Schallbecher und Zylindermaschinen von darauf spezialisierten Firmen aus Bayern, wobei er für Spezialanfertigungen die Mechanik der Zylindermaschinen auch schon mal selbst konstruiert.

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Erst in seinen Händen werden Becher, Maschinen, Anstöße, Stimmbögen, Zwingen, Ventilbögen und Fingerhaken zum Horn mit dem guten Ton. Sein mathematischer Hintergrund für seine Berufung ist immens, die Herstellung der Instrumente eine Kunst für sich. Und um richtig in der Materie aufgehen zu können, lernte er auch das Spiel auf den Hörnern bei den besten Lehrern, darunter Günter Koch, einst Musiker des Staatstheaters Darmstadt. Messing, Goldmessing und Neusilber sind seine Buntmetalle. Mit Biegemaschinen und hydromechanischen Tiefziehverfahren rückt er Rohren und Tuben zuleibe, sie in die rechte Formen zu bringen, die es zum Horn zu verlöten und verschrauben gilt.

Was dabei heraus kommt, sind edle Waldhörner der Spitzenklasse. Christopher Cornford hat in Zusammenarbeit mit dem Hornisten Peter Steidle (vormals Radiosinfonie-Orchester Frankfurt) ein neuartiges Tripelhorn mit Doppelkompensation entwickelt, das den Namen „Mod. 3 S“ bekommen hat. Das Horn zeichnet sich durch sein geringes Gewicht von nur 2 250 Gramm aus. Es ist damit leichter als gängige Doppelhörner. Dadurch konnte der Meister seinen anderen international hoch anerkannten Produkten „ein einzigartiges Tripelhorn zur Seite stellen und die Welt der Musik bereichern“, weiß der Kreative.

2014 auf dem internationalen Hornsymposium in London stellte Cornford eine neuartige Wagner-Tube vor, eine mit geradem Schallstück. „Man muss durch Innovation im Gespräch bleiben“, sagt der Meister, dies sei die beste Art der Eigenwerbung. Zwar lebe die Szene aus der Vergangenheit, doch wer keine Neuerungen vorzuweisen habe, friste eine eher farblose Existenz. Rund 40 bis 70 Instrumente baut Cornford pro Jahr. Die Hälfte geht an den weltweiten Fachhandel, die andere wird individuell auf den einzelnen Kunden und seine Wünsche getrimmt. So zwischen 3 500 und über 7 000 Euro kostet ein handgefertigtes Instrument, wobei ein Jahr Lieferzeit von der Kundschaft klaglos in Kauf genommen wird.

Doch lebt Cornford nicht vom Neubau allein: im Einmannbetrieb wird restauriert, repariert und aufpoliert. Selbst darin hat der Hornmacher allerbesten Namen, denn zur Kundschaft gehören das Heeresmusikkorps Kassel, für das er Flügel- und Waldhörner, Trompeten und mehr wartet. Vom Hessischen Rundfunk kommen die Musiker des Sinfonieorchesters, die Instrumente der Staatstheater Nürnberg, Kassel und Darmstadt finden ihren Weg Auf die Beune.

Wer mehr über Christopher Cornford und seine Instrumente wissen möchte, wird unter www.cornford.de fündig.

Quelle: op-online.de

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