Klimawandel und Artenschutz

„Es ist möglich, die Welt zu retten“

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Dirk Steffens hielt vor 500 Sparkassen-Kunden einen Multivisionsvortrag zu Klimawandel und Artensterben, der in jede Schule gehört.

Münster - „Katastrophe Mensch“ überschreibt Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens seinen Report über den globalen Klimawandel. In der gut besetzten Kulturhalle gab sich der Referent jedoch auch optimistisch. Von Jens Dörr 

Der „Living Planet Report“ des World Wide Fund For Nature (WWF) ist „die Krankenakte der Erde”. So jedenfalls nennt den Bericht, dessen deutsche, 23 Seiten lange Kurzfassung man gratis unter der Internetadresse www.wwf.de/living-planet-report herunterladen kann, der Moderator und Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens. Der 48-Jährige ist einem großen Fernsehpublikum aus den ZDF-Sendungen „Terra X“ und „Faszination Erde“ bekannt. Auf Einladung der Sparkasse Dieburg gastierte er in der Münsterer Kulturhalle. Seinen 80-minütigen Multivisionsvortrag stellte der Referent dabei unter den Titel „Katastrophe Mensch? Wie wir die Erde verändern“.

500 Karten hatte die Sparkasse vorab an ihre Kunden ausgegeben, nur wenige Stühle blieben in Münster unbesetzt. Nach den Ausführungen Steffens’ drängte sich der Gedanke auf: Dieser Vortrag gehört schon in der Mittelstufe vor jeder Schulklasse gehalten. Faktenreich, dank spektakulärer Fotos und Videoausschnitte anschaulich und anhand eines klaren roten Fadens sensibilisierte Steffens für zwei der größten heutigen Herausforderungen der Menschheit: den hausgemachten Klimawandel und das massive Artensterben.

„Das Sparbuch der Erde wurde früher aufgefüllt“, nutzte Steffens mit Blick auf den Gastgeber der Veranstaltung einen entsprechenden Vergleich. „Doch jedes Konto ist irgendwann mal leer.“ Die nur scheinbar üppigen Ressourcen, die der Planet besitze, würden in einem Höllentempo aufgebraucht.

„Wir bräuchten für unseren derzeitigen Ressourcenverbrauch eigentlich 1,6 Erden“, sagte Steffens. Bis zum Jahr 2030 könnte der Verbrauch der Weltbevölkerung doppelt so hoch wie verkraftbar liegen. Kalkuliert wird so etwas mittels des „ökologischen Fußabdrucks“ eines jeden Menschen. Derzeit stünden weltweit zwölf Milliarden Hektar, auf denen Ressourcen produziert würden, zur Verfügung. Bei momentan 7,3 Milliarden Menschen entspricht dies rund 1,6 Hektar pro Person. Die Ressourcen ziemlich genau dieser Fläche verbraucht aktuell ein Chinese. „Ein Deutscher verbraucht 4,5 Hektar, ein Amerikaner zehn“, verdeutlichte Steffens die Dimensionen und dass auch die ökologisch scheinbar recht vorbildlichen Bundesbürger über ihre Verhältnisse lebten. Im Jahr 2100 könnte es Prognosen zufolge elf Milliarden Menschen weltweit geben, schickte Steffens noch hinterher.

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Nach der Bestandsaufnahme zum übermäßigen Ressourcenverbrauch beschrieb er die Wirkung von Kohlenstoff-Dioxid und Methan auf die Temperatur, das Ausmaß des Anstiegs auf die Permafrost-Böden und den Meeresspiegel und stellte das Artensterben als schlimmste, seit Jahrzehnten deutlich messbare Folge heraus: „Man geht davon aus, dass man bei einer Begrenzung auf einen Anstieg von zwei Grad das Schlimmste noch verhindern kann – in der Arktis sind es aber schon heute vier bis Grad.“ Tausende Tierarten seien durch den Menschen direkt, etwa durch Bejagung oder Lebensraum-Vernichtung), oder indirekt durch die Folgen des Klimawandels schon ausgerottet.

Man komme mit dem Zählen gar nicht mehr hinterher. Alle 15 Minuten werde ein Elefant erschossen, weltweit gebe es nur noch 3 200 Tiger, 800 Berggorillas und 200 Spitzmaul-Nashörner. Aus Asien gesteuerte Wildererbanden nähmen das Aussterben einer Art nicht nur billigend in Kauf, sondern legten es teils sogar darauf an, damit etwa Lagerbestände an Nashorn noch wertvoller würden. Pro Kilo Nashorn seien derzeit übrigens 60.000 Euro fällig, „doppelt so viel wie für ein Kilo Gold“. Derlei erlebe Steffens in allen Jahren seines Wirkens als Wissenschaftsjournalist immer wieder eindrucksvoll mit: „Ich wollte nie Umweltschützer werden – das hat der Beruf aus mir gemacht.“

Etwas Mut und auch einen Auftrag gab er den Zuhörern zum Abschluss seines fesselnden und wichtigen Vortrags mit auf den Nachhauseweg: „Es ist möglich, die Welt zu retten.“ Noch lasse sich der Temperaturanstieg auf der Erde begrenzen, habe man in Deutschland wie weltweit zudem schon mehrfach bewiesen, dass der Artenschutz funktionieren könne. Die Blauwale im Meer, den Amurtiger in Asien und die derzeit 30 Wolfsrudel in der Bundesrepublik führte Steffens als Beispiele an. Einzelfälle? Nein: „Mit jedem Lebensraum, den wir für eine Art schützen, schützen wir auch den Lebensraum für zig andere Arten mit. Alles hängt miteinander zusammen. Auch wir sind Teil dieses Netzwerks.“

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Quelle: op-online.de

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