Ausbildung unbegleiteter minderjähriger Ausländer

„Uns wurde geholfen, nun helfen wir“

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„Anastasia“ (links) und „Olga“ (rechts) gehören zu einer Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Anastasia absolviert im „Gersprenz“-Pflegeheim in Münster eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin, Olga will demnächst eine beginnen. Das Foto zeigt sie im Gespräch mit Ausbildern und Betreuern. Die Gesichter der beiden UMAs sollen in der Presse nicht gezeigt werden.

Münster - Im Pflegeheim der „Gersprenz“ beginnen zwei geflüchtete Jugendliche eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Das nützt nicht nur den jungen Frauen, sondern kommt auch dem wachsenden Bedarf an Pflegepersonal entgegen. Von Klaus Holdefehr

Trotzdem ist die hemmschwelle, Flüchtlinge einzustellen, häufig hoch. Sie nennen sich Olga und Anastasia. Die Nennung von Klarnamen ist unerwünscht, wenn es um unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) geht. Die 17-jährige Somalierin und die 18-jährige Kongolesin werden in einer Wohngruppe des St. Josephshauses in Klein-Zimmern betreut, die 18-Jährige absolviert im Pflegeheim der „Gersprenz“ in Münster eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin, die 17-Jährige demnächst auch.

Zwei Probleme sind da erfolgreich miteinander verschränkt worden. Bei demografisch wachsendem Bedarf mangelt es an Pflegepersonal, und es ist nicht ganz einfach, UMAs in eine berufliche Ausbildung zu vermitteln. „Es gibt da auch in Einrichtungen der Pflege oft gewisse Vorbehalte, bei den privaten etwas mehr als bei den kommunalen“, weiß Einrichtungsleiterin Michaela Hauf. Das hänge mit der Befürchtung zusammen, dass es sprachliche Probleme geben könnte, etwa bei der Pflegedokumentation, der individuellen schriftlichen Registrierung aller Pflegemaßnahmen, auf die von Kontrolleuren ziemlich genau geschaut wird.

Dabei gehen die vom St. Josephshaus betreuten UMAs zum Spracherwerb in Intensivklassen und lernen dort im Regelfall mit großer Motivation, wie Frank Wiedenmann als Koordinator der Betreuungsgruppen versichert. Trotzdem komme es bei Bewerbungen oft nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch. „Die Hemmschwelle ist hoch“, weiß Hauf, aber die „Gersprenz“ habe da keine Berührungsängste. In der Regel kämen Bewerbungen für eine Ausbildung in einem Pflegeberuf von jungen Frauen. „Sie machen einen Anteil von zehn Prozent der von uns betreuten Jugendlichen aus“, so Wiedenmann.

Es brauche eine gewissen Mut, aber für Pflegeeinrichtungen sei es ein Plus, solche Azubis zu finden, fasst Hauf zusammen, und Wiedenmann ergänzt: „Es muss halt auf allen Ebenen stimmen.“ Eine erste junge Frau hat ihre einjährige Ausbildung zur Pflegehelferin bereits erfolgreich abgeschlossen, „und auf diesen Abschluss kann man dann die Ausbildung zur examinierten Pflegekraft draufsatteln, das ist eine durchaus attraktive Chance“, wirbt „Gersprenz“-Manager Alexander Schuck.

Der schulische Teil der Ausbidung wird an einer Altenpflegeschule absolviert, die sich auf zusätzliche Sprachförderung spezialisiert hat. „Außerdem animieren wir auch während der praktischen Ausbildung zum Sprechen, weil man auch auf diese Weise Deutsch lernen kann“, ergänzt Anleiterin Nina Lukas. Zudem habe man in einem Haus wie in Münster mit seinen 60 vollstationären Plätzen ohnehin längst eine internationale Kultur mit Beschäftigten aus neun Nationen, so Pflegedienstleiter Dieter Friedrich.

Die allerwenigsten Probleme scheint es im direkten Pflegekontakt zwischen Jung und Alt zu geben. „Ich bin seit zwei Jahren in Deutschland“, berichtet Anastasia in gut verständlichem Deutsch. „Die Arbeit hier bedeutet mir sehr viel, es ist schön, jemand anderem helfen zu können, ich bekomme viel zurück und die Arbeit hilft mir, manche Probleme zu vergessen. Uns wurde in Deutschland geholfen, jetzt wollen wir helfen.“

Quelle: op-online.de

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