Vokabeln für den Alltag

Ehrenamtliche Helfer bringen Flüchtlingen Deutsch bei

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Spielerisch geben Kirsten Sames und Gabi Johannsen den Flüchtlingen Deutschunterricht.

Münster - Asylbewerber bekommen erst einen Integrationskurs, wenn ihr Verfahren abgeschlossen ist. Doch da leben sie meist schon monatelang hier. In Münster bringen Kirsten Sames und Gabi Johannsen den Menschen aus Eritrea, Albanien oder Afghanistan Deutsch bei. Von Mayely Müller 

Zu Beginn des Jahres kam eine neue Gruppe von Flüchtlingen nach Münster. Untergebracht wurden sie in Wohnungen in der Mozart-, Goethe- und Frankfurter Straße. Diese Situation wurde von der Gemeinde thematisiert. So organisierte sich eine Gruppierung von Ehrenamtlichen, angetrieben von Inge Friebe-Newrly. Insgesamt gibt es neun Lehrer, die sich in fünf Kurse aufgeteilt haben. Zur Vorbereitung besuchten sie Fortbildungen und Seminare, es wurde auch darauf geachtet, wie solche Hilfsprojekte in anderen Gemeinden ablaufen, wo die Situation seit längerer Zeit so ist.

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Seit April findet wöchentlicher Unterricht statt. Die Kurse beinhalten eine kleine Zahl an Teilnehmern. Durch die kleinen Kurse besteht die Möglichkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Einzelnen. Durch individuelle Förderung können besonders Analphabeten schneller und erfolgreicher die Sprache erlernen. Außerdem sind die Schüler zumeist junge Erwachsene und sprechen oft kein Englisch, sodass die Verständigung manchmal etwas stockt. Zurzeit haben Sames und Johannsen sechs Schüler in ihrem Kurs, der in der evangelischen Martinskirche abgehalten wird. Die Flüchtlinge erlernen Grundlagen, wie zum Beispiel Uhrzeit, Monate und Wochentage.

Durch Memory und Karteikarten lernen die Schüler in Sames’ und Johannsens Kurs spielerisch neue Vokabeln für den Alltag. „Es ist wichtig, dass die jungen Männer sich durchs Leben schlagen können. Dafür sollen sie die grundlegendsten Lektionen der deutschen Sprache lernen“, erklärt Lehrerin Johannsen. „Es ist aber nicht immer einfach.“ Damit meint Johannsen die Schwierigkeit, dass ihre Schüler noch schlechtes Deutsch sprechen.

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Die Kurse der Ehrenamtlichen sind kein offizieller Deutschunterricht. Die Asylbewerber warten auf Bewilligung ihres Antrags. Sobald sie Asyl erhalten würden, bekämen sie offiziellen Unterricht. Solange zählen diese jungen Menschen auf die Hilfe von ehrenamtlichen Münsterern.

Die Neuankömmlinge zu integrieren, ist eine große Aufgabe, wobei niemand weiß, ob sie bleiben dürfen. Der Kontakt zu den Lehrern und manchen Helfern ist zudem sehr wichtig, da die Flüchtlinge oft unter sich bleiben, da sie zusammen in kleinen Wohnungen untergebracht sind. Der Kurs von Sames und Johannsen hat die Besonderheit, dass alle Teilnehmer in der gleichen Wohnung zusammenleben. Obwohl sie unterschiedlichen Konfessionen angehören, aus drei verschiedenen Ländern kommen und vieles auf ihren Reisen durchmachen mussten, wohnen sie in rücksichtsvollem Miteinander zusammen.

Zur Strukturierung dieser Hilfen bildet sich nun der Verein Arbeitskreis (AK) Flüchtlinge Münster heraus. Nicht jeder Lehrer oder Helfer muss Vereinsmitglied sein, der Verein ist ein Faktor für eine bessere Organisation. Die Nachfrage der Kurse und anderen Hilfen wird zum Jahresende steigen. Momentan leben rund 50 Asylbewerber in Münster, gegen Jahresende wird sich diese Zahl wohl verdoppeln. Daher sind neue Helfer sehr willkommen, sei es als Lehrer oder Gehilfe.

Quelle: op-online.de

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