Kommentar zur Umfrage übers Breitefeld

Ortsteil mit Ruf wie Donnerhall

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Die Häuser im Breitefeld sind in keinem guten Zustand.

Münster - Wenigstens die Darmstädter Studenten werden etwas lernen, wenn sie für Münster herausfinden sollen, was für ein Image der Ortsteil Breitefeld hat. Ansonsten ist die Befragungsaktion ein Lehrstück aus dem Tollhaus. Von Thomas Meier

Befragen wir doch mal das Internet zu Nachrichten aus Münster-Breitefeld: Schlägereien in Russen-Disco, Drogendealereien, Einbrüche in Container, Brandstiftung... Dies alles findet man unter den News zur wunderbaren Siedlung im Wald, die seit 1997 Ortsteil Münsters ist, gegründet auf militärischem Konversionsgelände. 1939 ist der Wald gerodet und zur Kaserne ausgebaut worden. Zunächst Deutschen, die die Munitionsfabrik Adolfs bewachten, dann Amis, die ihre hochgeheimen Bunkeranlagen schützten. Knapp 300 Hektar verbrannter, munitionsverseuchter Erde blieben übrig. Nur auf den rund 30 Hektar mit Unterkünften und der Offiziersmesse bebautem Areal steht heut das Breitefeld.

Welchen Ruf das hat, wollen die Politiker jetzt wissenschaftlich ergründet wissen. Einen wie Donnerhall! Nur die Auftraggeber der Umfrage selbst haben ihre Ohren bislang diesem bösen Misston verschließen können. Das einzige, was gebetsmühlenartig vorgebracht wird, fragt man, was denn mit dem armseligen Ortsteil geschieht: „Wir haben ihn an Münsters neue Kläranlage angeschlossen.“ Super. Im Februar 2012 vermeldeten wir: „Plan bringt Ordnung ins Breitefeld“. Nichts geschah. Heute heißt es: Bis Ende 2016 wird das Breitefeld mit Internet ausgestattet.“ Eine Breitseite auf den Schrottplatz wäre effektiver für ein Vorankommen.

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Diejenigen, die sich jetzt freuen, dass sie für lau Studenten für eine Umfrage gewinnen können, verweigerten sich eben noch einem Antrag der Gemeindevertreterin Hülya Lehr. Sie wollte anhand der Aktenlage geklärt wissen, was alles schief lief mit und im Breitefeld; wollte Licht bringen ins Dunkel um die Belegung des Apart-Hotels. Über 400 Menschen mit Migrationshintergrund waren hier noch vor wenigen Jahren zusammengepfercht untergebracht. Jetzt habe sich einiges getan, ist zu hören. Von den Heerscharen an Bulgaren und Rumänen, die in nahen Fleischfabriken arbeiten und nun apart im Wald untergebrachten sind, hört man ja nichts.

Die FH-Studenten befragen nun „die Leute vor den Geschäften in der Darmstädter Straße und beim Fachmarktzentrum mit Edeka-Mark, DM-Drogerie und Penny-Markt“. Ja was glauben denn die Auftraggeber solcher Umfrage, wann „die Leute“ sich das letzte Mal ins Breitefeld begeben haben? Da geht doch kein Münsterer freiwillig mehr hin. Spätestens ab Freizeitzentrum oder Tierheim ist Schluss mit lustigem Ausflug, dann beginnt für Heimische nach wie vor das Sperrgebiet.

Aber über dies altbekannte Image werden die FH-Studenten ja sicher bald beredt neueste Auskunft an diejenigen geben können, die davon nichts zu wissen vorgeben. Sonst würden sie ja ernsthaft was dagegen unternehmen. Oder?

Quelle: op-online.de

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