Interview mit Dirk Schneider

Nur Innovation rettet Männerchöre

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Im Interview geht der neue Dirigent des MGV Münster, Dirk Schneider, auf die Zukunft des Chorgesangs im Allgemeinen und sein Wirken bei den Männersängern mit ihren Projekten im Speziellen ein. Gesangslehrer und Chorleiter Dirk Schneider hat viele Ideen für seine Arbeit mit dem MGV Münster.

Münster - Dirk Schneider – Bariton, Diplom-Gesangslehrer und Chorleiter – hat im Dezember die musikalische Gesamtverantwortung beim Männergesangverein 1845 Münster (MGV) übernommen.

Im Interview für unsere Zeitung äußert er sich nun zur Entwicklung des Chorgesangs im Allgemeinen und zu seinen Erwartungen und Zielen mit seinem neuen Chor.

Herr Schneider, die große Zeit des Männerchorgesangs ist angeblich schon lange vorbei. Fehlender Nachwuchs und Überalterung der Männerchöre werden allseits beklagt. Was reizt Sie als junger Musiker in eine aussterbende „Gattung“ zu investieren?

Sicher werden viele Männergesangvereine aussterben, was allerdings nicht zwingend etwas mit der Gattung Männerchor zu tun hat. Viele orientieren sich mit ihrem Repertoire an den Liedern, die ihnen in ihrer Jugend Spaß gemacht haben, ohne zu bedenken, dass sich die Chorwelt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Ich glaube, dass innovative Vereine von diesem Aussterben nicht betroffen sind. Ich als Chorleiter freue mich darauf ein Konzept für den MGV umzusetzen, das ihn langfristig attraktiv macht. Dann hat sich auch das mit dem Aussterben erledigt.

Gibt es aus Ihrer Sicht Möglichkeiten, die negative Entwicklung im Männerchorwesen aufzuhalten und welche Impulse oder Maßnahmen sind hierfür erforderlich?

Für einen modernen Gesangverein, besonders für einen Männerchor, ist es essentiell, innovative Angebote zu machen. Nur wenn der Chor es schafft, neuere Literatur in sein Repertoire zu nehmen, hat man eine Chance, jüngere Sänger zu gewinnen. Viele Männerchöre verschließen sich vor allem, was sie nicht kennen. Damit grenzen sie jüngere Sänger aus. Eine gewisse Neugier und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, ist die beste Lebensversicherung für einen Chor.

Wo sehen Sie ganz allgemein den Männerchorgesang in fünf bis zehn Jahren und speziell ihren neuen Chor, den Männerchor des MGV Münster?

Ich denke, dass sich die Zahl der Männerchöre drastisch reduzieren wird und nur diejenigen übrig bleiben, die gute Konzepte gefunden haben, eine möglichst breite Altersspanne anzusprechen. Aktuell sind wir im MGV dabei, das Repertoire sanft zu verjüngen, so dass für jeden etwas dabei ist. Es gibt traumhaft schöne Stücke vergangener Jahrhunderte, auf die natürlich niemand verzichten möchte. Aber ich glaube auch, dass man die jüngere Generation bei ihren Hörgewohnheiten abholen muss. Und diese sind nun mal mit Popmusik wesentlich vertrauter. Die Vermittlung, dass Männerchor auch modern sein kann, wird unsere große Aufgabe für die nächsten Jahre sein.

Was waren Ihre Beweggründe, sich beim MGV Münster zu engagieren und welche Erwartungen verbinden Sie ganz persönlich mit diesem Engagement?

Ich habe das „Men around the World“-Projekt mitverfolgt und muss sagen, dass ich das wirklich großartig fand. Mit neuerer Literatur neue Sänger für das Singen begeistern - das ist dem MGV besonders gut gelungen. Ich persönlich war auf der Suche nach einem Chor, der wertschätzend mit allen umgeht, innovativ sein möchte, engagiert ist und bei dem man spürt, dass jeder sich weiterentwickeln möchte. Ich glaube, da bin ich jetzt gut aufgehoben.

Welche Ziele verfolgen Sie vorrangig mit ihrem neuen Verein?

Mir geht es gerade darum, das Beste aus beiden Welten im MGV zu vereinen. Oft wird Klassik und Pop gegeneinander ausgespielt. Ich denke aber, dass es in beiden Bereichen Lieder gibt, die so gut sind, dass sie ältere und jüngere Sänger begeistern. Einen solchen Mix strebe ich für die Zukunft an, um die größte Boygroup Südhessens noch ein bisschen größer zu machen.

Schildern Sie uns Ihre ersten Eindrücke in den Proben mit dem Männerchor.

Der Umgang miteinander ist wirklich sehr herzlich. Man spürt, dass die Sänger sich alle Mühe geben alles umzusetzen, auch wenn vieles sicher neu und ungewohnt ist. Herzlichkeit gepaart mit Engagement. Was will man mehr?

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Gibt es wesentliche Unterschiede in der Probenarbeit mit einem Popchor, wie „ConFuego“ in Dieburg und einem Männerchor? Wo liegen die Unterschiede?

ConFuego und mein Männerchor verfolgen zwei verschiedene Konzepte. ConFuego ist ein Chor, der sich ausschließlich der Pop- und Jazzliteratur widmet. Die Mitglieder wurden alle bei Vorsingen von mir ausgewählt und sind dazu verpflichtet, sich zu Hause vorzubereiten, da die komplexen vier bis acht-stimmigen Arrangements sonst alleine in der Probe nicht umsetzbar sind. Trotzdem kommt es auch bei ConFuego darauf an, dass alle Spaß beim gemeinsamen Singen haben. Beim MGV gibt es keine Beschränkungen. Jeder kann mitsingen und muss sich nicht vorbereiten. Daher sind auch die Arrangements einfacher gehalten. Aber egal was es ist: Schön muss es klingen! Daher ist die Art der Probe ähnlich.

Bei Ihrer Vita könnte man glauben, das Leben des Dirk Schneider besteht ausschließlich aus Musik und Gesang. Gibt es bei Ihnen neben der Musik noch andere Interessen oder Engagements?

Das ist das übliche Problem der Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. In der Tat dreht sich ganz vieles in meinem Leben um das Thema Musik. Aber es gibt natürlich auch noch andere Leidenschaften. Gutes Essen, guter Wein, ein guter Scotch… 

tm

Quelle: op-online.de

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