Richtungsweisende Kooperation

Seniorendienstleister verstärkt Arbeit mit Diakonie

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Die Dieburger Werkstätten der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie produzieren jetzt Holzrohlinge, die im Münsterer Seniorenheim als Tisch-Orientierungshilfen eingesetzt werden.

Münster - Eine fruchtbare Kooperation zwischen der Seniorendienstleistungs gGmbH und der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) trägt bereits seit geraumer Zeit Früchte. Doch wurde die Zusammenarbeit jetzt noch intensiviert. Von Thomas Meier 

Gersprenz-Essen für die Reha-Werkstatt – Werkstatt-Produkte für die Gersprenz-Senioren heißt die Devise. Seit geraumer Zeit hat die Reha-Werkstatt, die zu den Dieburger Werkstätten der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) gehört, einen neuen Standort im Gewerbegebiet Münster. Die Kooperation zwischen NRD und der Gersprenz begann bereits im Frühjahr 2014 und treibt seit dem Umzug der Reha-Werkstatt nach Münster neue Blüten. Über ihre Zusammenarbeit als ein gutes Beispiel für Vernetzung vor Ort gaben jetzt Michaela Hauf, Leiterin des Hauses Münster der Gersprenz-gGmbH, und Katja Merten, Leiterin der Reha-Werkstatt, Auskunft.

Nicht nur Liebe geht durch den Magen, auch eine gute Zusammenarbeit kann kulinarische Wurzeln haben: Die Gersprenz-GmbH, die für drei ihrer Einrichtungen und weitere Abnehmer Mittagessen zubereitet, bezieht die Kartoffeln inzwischen vom Landschaftsbetrieb „Sonnenhof“ der NRD in Mühltal. Und der Landschaftsbau der Dieburger Werkstätten war schon viermal im Haus Münster im Einsatz und legte dort ein großes Gartenbeet sowie eine Sonnenterrasse mit Kräuterbeet für die Senioren an. Eifrig nutzen die Senioren die Standkegelbahn, die im Berufsbildungsbereich der Dieburger Werkstätten nach den Vorgaben von Michaela Hauf gefertigt wurde.

Ein Auftrag folgte auf dem Fuße: Die Dieburger produzieren jetzt Holzrohlinge, die im Seniorenheim als Tisch-Orientierungshilfen eingesetzt werden. Im Berufsbildungsbereich der Werkstätten werden dazu die Rohlinge ausgesägt und per Brenntechnik mit den entsprechenden Namen der Bewohner versehen. Im Haus Münster werden die Holzteile dann kreativ und nach den Wünschen der Bewohner gestaltet und bemalt. Gebrauchsfertig sind sie aber erst, nachdem sie – zurück in der Werkstatt – von den Beschäftigten geölt wurden.

Wechselseitige Unterstützung

„Das Schöne dabei ist, dass es immer wieder zu Begegnungen zwischen den Gersprenz-Senioren und den Beschäftigten der Werkstatt kommt“, sagt Kerstin Herring, Leiterin des Sozialdienstes im Haus Münster, „man kennt sich inzwischen und freut sich auf ein gemeinsames Kaffeetrinken.“ Und ein weiteres Produkt für das Haus Münster wird in den Dieburger Werkstätten bearbeitet: Die Reha-Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung bedruckt im Auftrag von Michaela Hauf Tassen, die als Geschenke für Ehrenamtliche und Bewohner verwendet werden.

Die Kooperation geht aber auch in die Gegenrichtung: Am neuen Standort in Münster bezieht die Werkstätte nun ihr Mittagessen aus der Küche der Gersprenz-gGmbH. Die Mitarbeiter können unter drei verschiedenen Gerichten pro Tag auswählen, dass Essen wird angeliefert und von einem Mitarbeiter der Gersprenz-Küche für jeden Einzelnen auf den Teller geschöpft. „Unsere Beschäftigten sind mit dem Essensangebot sehr zufrieden“, berichtet Katja Merten. Werkstatt und Haus Münster kooperieren nun auch in Sachen Personal: Einige Mitarbeitende des Seniorenheimes haben Praktika in der Reha-Stätte absolviert, um sich im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Menschen weiterzubilden. Umgekehrt ist ein junger Mann aus dem Berufsbildungsbereich der Reha-Werkstatt bereits seit einem Jahr als Praktikant im Haus Münster beschäftigt. Alle Beteiligten des Projektes freuen sich darauf, ihm ab Frühjahr 2016 ein Betriebsintegriertes Beschäftigungsverhältnis (BiB) anbieten zu können.

Das BiB ist ein hilfreiches Instrument, wenn es gilt, Menschen mit Beeinträchtigung den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen. Dabei wird der Beschäftigte von seinem Arbeitgeber bezahlt, das Beschäftigungsverhältnis mit der Werkstatt wird jedoch aufrechterhalten – und zwar so lange, bis Beschäftigter und externer Betrieb sich sicher sind, ein festes Arbeitsverhältnis eingehen zu wollen. „Unser Praktikant hat schon viel gelernt. Er ist im Haus Münster so vielseitig einsetzbar, dass wir gar nicht mehr auf ihn verzichten wollen“, sagt Michaela Hauf, „er kümmert sich vor allem um die Haustechnik, aber er kann auch Wände streichen, reinigen und unterstützt uns auch bei der Betreuung von Bewohnern, wenn es nötig ist.“

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Quelle: op-online.de

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