Zunächst kein Tempo 70

Ortsschild bleibt an alter Stelle

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Der „Schild-Bürokratenstreich“ übers Münsterer Ortsschild an der Altheimer Straße ist nicht endgültig entschieden, doch beharrt die Gemeinde zunächst auf ihrer Interpretation.

Münster - Nach dem Sturm im Bürokraten-Wasserglas um die Versetzung eines Ortsschildes bleibt vorerst alles beim Alten: Das Zeichen für die Einfahrt in den Ort auf der Altheimer Straße wird nicht direkt an den Werlacher Weg verlegt, so dass dort kein Tempo von 70 Stundenkilometer, sondern wie bisher „nur“ 50 km/h gefahren werden darf.

Dies teilte Bürgermeister Gerald Frank den zuständigen Behörden mit. Grundlage für diese Entscheidung ist eine juristische Prüfung. Auch die Gemeindevertretung hatte gefordert, die bereits verfügte, aber baulich noch nicht umgesetzte Verlegung des Ortsschildes zu verhindern. .

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Wer aus Richtung Altheim kommend nach Münster fährt, entdeckt in Höhe der Einfahrt „Auf der Beune“ das Ortschild, um dessen Standort noch gefochten wird. Für den Laien klar ersichtlich: Auf beiden Seiten der Straße befinden sich Wohnhäuser – folglich beginnt dort das Wohngebiet und die Tempobeschränkung von 50. Doch was für den einen glasklar erscheint, ist für den anderen ein „Verstoß gegen geltende Richtlinien“, wie Klaus Dony, Abteilungsleiter Öffentliche Ordnung, erläutert: „Nach Verwaltungsvorschrift liegt eine geschlossene Bebauung dann vor, wenn die anliegenden Grundstücke von der Straße aus erschlossen werden. Dies ist in diesem Bereich der Altheimer Straße nicht der Fall, da die Grundstücke von den jeweils dahinter liegenden Straßen aus erschlossen werden.“

Auf Anweisung des Polizeipräsidiums, von Hessen Mobil und der Unteren Verkehrsbehörde sollte das Ortsschild auf der Altheimer Straße vor die Einmündung des Werlacher Weges versetzt werden. Bis dorthin wäre dann von Altheim kommend eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h zulässig gewesen. Eine Maßnahme, die nicht nur bei der Gemeindeverwaltung, sondern auch bei zahlreichen Anwohnern sowie Bürgern, die die Fahrrad- und Fußwege nutzen, auf Unverständnis gestoßen wäre. Noch dazu, weil der ursprüngliche Ansatz der Gespräche eine Versetzung des Ortsschildes in die entgegengesetzte Richtung zum Ziel hatte. Anlass war, erste Maßnahmen für die Einrichtung des Neubaugebietes „An der Altheimer Straße“ in die Wege zu leiten. Das Wohngebiet wird auf der Höhe der Friedrich-Ebert-Straße einen Kreisel erhalten, womit der zukünftige Ortseingang nach Gesichtspunkt der Planer und der Gemeinde einmal dort liegen wird. Dass die Untere Verkehrsbehörde dies anders sieht, war nicht abzusehen.

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Doch weil im Umgang mit Recht und Gesetz eben nur die Kenntnis darüber von Nutzen ist, wurde durch die Sichtung von Urteilen durch den Hauptamtsleiter der Gemeinde, Volker Gilbert, die Ausnahme von der Regel gefunden. Diese teilte der Bürgermeister dem Landrat und den zuständigen Behörden mit: „Eine geschlossene Bebauung beginnt oder endet dann, wenn die Bebauung einen unmittelbaren Bezug zur Straße hat. Das können die Zufahrten der Grundstücke sein, aber auch unmittelbar neben der Straße verlaufende Geh- oder Radwege mit gelegentlichen Querungsmöglichkeiten.“ Zudem erfülle die L 3095 bereits ab der Einfahrt „Auf der Beune“ die Voraussetzung, die zusammenhängende Bebauung unmittelbar zu erschließen. Ferner ist die aktuelle Querungsmöglichkeit der Landesstraße genau auf Höhe der besagten Einfahrt – ein weiterer Grund also, das Schild dort zu belassen. Anwohner, Radfahrer und Fußgänger freuen sich, dass das Ortsschild an seinem derzeitigen Standort bleibt und somit weiterhin in diesem Bereich der Altheimer Straße nur Tempo 50 gefahren werden darf.

tm

Quelle: op-online.de

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