Sammelboxen für alte Handys

Ein kleiner Schatz am Ohr

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In Münster können die Bürger jetzt ihre alten Handys in sechs Sammelboxen abgeben. Gingen mit gutem Beispiel voran: Matthias Kisling (l.), Josephine Unger und Bürgermeister Gerald Frank.  

Münster - Platin, Gold, Silber oder Kupfer: Das sind nur einige der wertvollen Rohstoffe, die in Mobiltelefonen verbaut werden. Von Julia Glaser 

Damit alte oder kaputte Handys fachgerecht recycelt und die Rohstoffe zum Teil wiederverwertet werden können, hat die Nabu Ortsgruppe Münster sechs Sammelstellen im Rahmen der bundesweiten Nabu-Aktion „Alte Handys für die Havel“ eingerichtet. Herstellerangaben zufolge liegen rund 110 Millionen alte Handys ungenutzt in Kisten und Schubladen in deutschen Haushalten. Weil immer mehr neue Modelle auf den Markt kommen, ist die Tendenz steigend. Im Hausmüll sollte man die Geräte nicht entsorgen, da hierdurch Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Für ein fachgerechtes Recyceln hat der Nabu zusammen mit der E-Plus-Gruppe 2006 die bundesweite Kampagne „Alte Handys für die Havel“ ins Leben gerufen, der sich die Nabu Ortsgruppe Münster jetzt angeschlossen hat.

Den Anstoß zum Mitmachen gab Josephine Unger. Sie ist zwar selbst kein Mitglied der Gruppe in Münster, hat aber als Fördermitglied eine Patenschaft für den Nabu übernommen. „Ich war auf der Internetseite des Nabu und bin dort auf diese Aktion gestoßen. Mit wenig Aufwand viel erzeugen – das fand ich eine tolle Sache“, erzählte sie über den Beginn ihrer Idee, mit der sie sich an die Nabu Ortsgruppe wandte. Dort war man von der Kampagne ebenfalls schnell überzeugt und fand in kurzer Zeit sechs Lokalitäten, an denen die Sammelboxen künftig zu finden sind. In Münster sind das das Rathaus, die öffentliche Bücherei, die Metzgerei Frühwein und der Getränkemarkt Grünewald, in Altheim ebenfalls die öffentliche Bücherei und das „Altheimer Lädchen“.Dort können nicht nur Alt-Handys, sondern auch das entsprechende Zubehör wie Akkus oder Ladegeräte abgegeben werden. Josephine Unger koordiniert die Abholung der Boxen und den Versand ihres Inhalts. Fachgerecht auseinandergenommen und entsorgt werden die Geräte und das Zubehör von der Firma Alba. Alle eventuell noch enthaltenen Daten werden selbstverständlich gelöscht und nicht wiederverwertet.

Drei Euro pro abgegebenes Handy

Für jedes abgegebene Handy erhält der Nabu drei Euro, die für das Havel-Projekt verwendet werden. Die „Untere Havel“ ist ein bedeutendes Feuchtgebiet, in dem mehr als 1.100 stark gefährdete und vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten leben. Der Nabu möchte den ausgebauten Fluss renaturieren und dafür etwa Uferbefestigungen beseitigen und Ufer- und Auenwald begründen. Seit dem Start der Aktion sind rund 130.000 Handys zusammengekommen, womit rund 460.000 Euro für das Havelprojekt eingegangen sind.

Generell ist die Verwertung von Elektroschrott ein wichtiges Element einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. „Wir möchten damit auf das Thema aufmerksam machen, dass man in weitgehend geschlossenen Kreisläufen wirtschaften muss, um zukunftsfähig zu bleiben“, sagte Matthias Kisling von der Nabu-Gruppe Münster dazu beim Start der Aktion im Münsterer Rathaus am Dienstag.

Zudem stammen die meisten Rohstoffe, die verwendet werden, aus Minen in Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, dem Kongo oder Südafrika. Dabei leiden die Schürfer oft unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen, außerdem wird Raubbau an der Natur betrieben. Wälder werden gerodet, Gesteine gesprengt und giftige Chemikalien verwendet, um die Stoffe aus dem Gestein zu lösen. Aus diesen Gründen ist es umso wichtiger, mit den wertvollen Metallen nicht gedankenlos umzugehen.

„Die beste Lösung für ein umweltfreundliches Verhalten ist es, sein Handy möglichst lange zu nutzen und nicht jedem Trend hinterher zu laufen“, empfiehlt Josephine Unger. Handys sollten so lange wie möglich benutzt werden. Wer sich für ein neues Modell entscheidet, kann das alte eventuell im Bekanntenkreis weitergeben oder verkaufen.

Bürgermeister Frank an erster Stelle dabei

Bürgermeister Gerald Frank unterstützt die Aktion und war der erste, der ein ausgedientes Handy zum Spenden parat hatte. Das Engagement von Josephine Unger findet er sehr lobenswert: „Bürgerbeteiligung ist für mich etwas sehr Wichtiges. Es ist toll, dass Frau Unger diese Initiative ergriffen und sich eingesetzt hat“, lobte er die Ideen-Geberin der Aktion in Münster. Er fände es schön, wenn sich weitere Bürger daran ein Beispiel nähmen und sich mit ihren Vorschlägen einbrächten.

Weitere Informationen zur Handysammelaktion hat der Nabu im Internet zusammengestellt. Dort gibt es auch eine Übersicht der bundesweiten Sammelstellen. In wenigen Tagen werden dort die neuen Standorte in Münster und Altheim ebenfalls zu finden sein.

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Quelle: op-online.de

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