Tassen aus „Ginsemer Bootcher“

Senioren dürfen Suppe aus besonderen Behältnissen löffeln

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Suppentassen zweier bayrischer Porzellanmanufakturen, die auf der Ginsheimer Schifffahrtsflotte ihren Dienst verrichteten, präsentiert Michaela Hauf, Leiterin vom Haus Münster der Gersprenz Seniorendienstleistungen gGmbH.

Münster - Die Senioren im Ha. us Gersprenz dürfen jetzt ihre Suppe aus ganz besonders geschichtsträchtigen Tassen auslöffeln: Dank einer Spende bekamen sie einen Teil aus dem Nachlass der „weißen Flotte Ginsheims“ vererbt. Von Thomas Meier 

Was einst im Linienschiffsverkehr auf Ginsheims „weißer Flotte“ seinen wellenbewegten Dienst versah, strandete jetzt zu einem Gutteil im Haus Gersprenz der Seniorendienstleistungen gGmbH. 40 Suppentassen, zehn Kaffeetassen, 100 Kaffeelöffel und ebenso viele Kuchengabeln plus diverse Tabletts fanden den Weg in die Wilhelm-Lehr-Straße 4. Hier soll das vielbewegte und weit herumgekommenen Geschirr gute neue Dienste leisten und die Bewohner zumindest gedanklich zu Reisen animieren. Wie kommt das gute Porzellan aus den bayrischen Manufakturen von Seltmann Weiden und Eschenbach via Ginsheims Flotte auf Münsterer Seniorentisch? Durch Heimleiterin Michaela Hauf, die ein gebürtiges Ginsheimer Mädchen ist. Und ihren Vater Hans-Benno Hauf, der in Ginsheim-Gustavsburg durch seine Ortskenntnisse und Heimatliebe zum Stadtschreiber erkoren wurde. Er ist bekannt mit der Familie Schrepfer und vor allem deren Nachfahren, die das Geschirr der Flotte, zuletzt immerhin fünf Schiffe stark, in gute Hände abgeben wollte.

In Mainz und Umgebung waren sie jahrzehntelang bekannt und beliebt, die „Ginsemer Bootcher“. Die dort beheimateten Schiffer Laubenheimer und Reinheimer kauften im Jahr 1880 einen kleinen Raddampfer, der täglich einige Male zwischen Mainz und Ginsheim verkehrte. Dieser kleine Flusskreuzer war der „Urgroßvater“ der späteren „Ginsheimer weißen Flotte“. Ob für den Linienschiffsverkehr vom Ginsheimer Hafen bis nach Mainz, den geschätzten Ausflugsfahrten für Vereine, Firmen und Geschäfte in den Rheingau oder zum zum überaus wichtigen Transport der Narrenschar zum Mainzer Rosenmontag – all dies hatte eine lange Tradition, die mit August Schrepfer 1918 in Ginsheim begann und vor dem Zweiten Weltkrieg sogar zweimal wöchentlich nach Frankfurt zum Zoobesuch führte.

Tischlein dekorier' dich - Eindecken mit buntem Geschirr

Sohn Hans lenkte das Schifffahrtsunternehmen in der Nachkriegszeit erfolgreich bis zur Aufgabe aus Alters- und Krankheitsgründen 1986 weiter über den Rhein. „Noch heute erinnern sich alte Ginsheimer auch an die gepflegte Bordrestauration, die von der Kapitänsfamilie auf den vergnüglichen Fahrten angeboten wurde“, weiß der Stadtschreiber zu berichten. Aus der Bordküche der Fahrgastschiffe „Rheintreue“ und „Mainz“ fand sich nun im Nachlass der Familie Schrepfer einiges an Geschirr, das von den Kindern der Schifferfamilie gespendet werden sollte. Hans-Benno Hauf vermittelte, und so trat nun ein kleiner Schatz an Suppentassen und Kaffeelöffeln seine Reise von Ginsheim am Rhein zur Gersprenz nach Münster an.

Quelle: op-online.de

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