Zu wichtigen kirchlichen Festen gehörten oft  Bittprozessionen

Kerb und Feldkreuze

Münster - Obwohl sie an prägnanten Stellen in der Ortsrandlage oder gar außerhalb stehen, gehen viele Passanten heute oft achtlos an ihnen vorüber. Feld- oder Flurkreuzen wurde einst viel mehr Beachtung geschenkt. Von Thomas Meier 

Das Feldkreuz am Mäusberg steht zwar heute mitten in der Gemeinde, aber trotzdem versteckt.

Doch wird in Münster heute noch fünf Andachtskreuzen gar in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland besonderes Augenmerk gewidmet. Wir beleuchten diese besonderen Denkmale in einer losen Folge. Das historische Quellenmaterial um Münsters Flurkreuze ist dürftig, Kai Herd und Margarete Elster trugen mit dem Heimat- und Geschichtsverein dennoch zahlreiche Splitter zu den sandsteinernen Zeitzeugen zusammen. Zwar liegt die Vermutung nahe, dass die in den 1870er Jahren aufgestellten Male, wie beschrieben, auch der Abgrenzung von Pfarrbezirken galt, doch gibt es konkret hierzu nicht einmal in den Kirchenbüchern Hinweise.

Sicher ist, dass die Feldkreuze nicht zu den Votivkreuzen zu zählen sind. Von solchen spricht man, wenn es aufgrund eines Gelübdes, aus Dank nach der Errettung aus einer Notlage wie Krieg, Krankheit, Seuche oder Lebensgefahr, gestiftet und errichtet wurde. Wetter- oder Hagelkreuze wurden als Schutz vor Katastrophen oder nach schweren Unwettern aufgestellt.

Viele Flurkreuze dienten einst einfach als Wegemarkierungen zur Kennzeichnung schwieriger oder gefährlicher Stellen oder als Hinweis auf Wegekreuzungen. In Wanderkarten werden Flurkreuze oder Bildstöcke zur Orientierung eingetragen. An einigen Kreuzen befindet sich eine Inschrift, aus der zu ersehen ist, warum das jeweilige Objekt aufgestellt wurde und von wem.

Zwar tauchen Münsters Kreuze auch in manchen Karten – auch solchen für Wanderer – auf, sind gar in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik unter „Kulturdenkmäler in Hessen“ verewigt, doch nur mit Hinweis auf ihren genauen Standort in der Flurstückparzellierung. Sie alle sind ohne Datierung verzeichnet.

Ein Flurkreuz fand keinen Einzug in die Denkmaltopographie, es ist gleichzeitig das mit den wenigsten überlieferten Informationen. Es steht auch schon lange nicht mehr auf freier Flur, sondern am Mäusberg, also heute mitten im Ort. Genauer: an der Ecke zur Goethestraße in einer umwachsenen Nische am Zaun zum SV-Sportplatz. Auch wenn es viele Passanten täglich passieren, wird es den wenigsten wohl auffallen in seiner kleinen Abgeschiedenheit. Doch darf man getrost davon ausgehen, dass es einst auch Ziel von Prozessionen war.

Kai Herd weiß, dass bis Mitte der 1960er Jahre fünf Flurprozessionen pro Jahr zu den Kreuzen führten. Eine am 25. April, dem Markustag. Der Tag, der auch als Fest der Rosenknospe bekannt ist, ist nicht nur ein traditionelles Fest in Venedig, das dem Heiligen Markus gedenkt. An diesem Tag schenken Männer der Frau die sie lieben traditionell eine einzige Rosenknospe, in Münster bat man den Apostel um eine gute Ernte.

Passionsspiel in Eppertshausen

Weitere wichtige Prozessionstage an der Gersprenz waren zudem Christi Himmelfahrt sowie die drei Tage vor diesem Datum. Diese Zeit hat deshalb auch den treffenden Namen „Bittwoche“. Die Kinder hatten erst nach Prozession Unterricht, erinnert sich Elster.

Und auch Münsters Kirchweih im September hat eine enge Verbindung zu den Flurkreuzen, liegt doch das Fest auf dem Termin der Kreuzerhöhung, dem christlichen Fest, das im katholischen und orthodoxen liturgischen Kalender auf den 14. September fällt. Stets am Sonntag drauf ist in Münster Kerbtermin. Nicht nur zum Leidwesen Herds steht er damit seit Jahren in heftiger Konkurrenz zum gleichzeitig stattfindenden Winzerfest in Groß-Umstadt.

Quelle: op-online.de

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