Münsters Gersprenzhalle nun auch im Schwarzbuch verewigt

Wenn zwei für eine Halle zahlen...

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Die Sanierung der Gersprenzhalle beschäftigt seit 2008 die Verwaltungen von Kreis und Gemeinde Münster. Bis heute: Erst kürzlich amüsierte sich Münsters Kerbvadder über die erst letztes Jahr angebrachte wärmedämmende Wandverschalung in der Sporthalle, die im Frühjahr nochmals komplett abgebaut und mit Löchern für besseren Schallschutz versehen werden musste. Unsere Aufnahme stammt aus 2010, von einem der ersten Sanierungs-Durchgänge, dem so viele folgen sollten.

Münster - Zum unrühmlichen Eintrag ins Schwarzbuch gelangt jetzt ein Objekt, das schon vor Jahren hätte dort Einzug finden können: Die Gersprenzhalle mit ihren unsäglichen Langzeitsanierungen. Von Thomas Meier

Unter der Überschrift „Wenn für die Hallensanierung nicht nur einer zahlt“ wird die von Pleiten, Pech und Pannen reich garnierte Story aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg bundesweit aufgearbeitet. Hier der aktuelle Eintrag über das heimische Sanierungsdebakel ins dicke Sündenbuch des Bundes der Steuerzahler: „Ende 2008 kamen Vertreter des Landkreises Darmstadt-Dieburg sowie der Gemeinde Münster überein, dass die von Schulen und Vereinen als Sport- und Versammlungsstätte genutzte Gersprenzhalle wegen brandschutztechnischer Vorschriften saniert werden muss.

Im Februar 2009 meldete die Gemeinde Münster die Maßnahme für das Sonderinvestitionsprogramm des Landes Hessen an. Im Juni 2009 wurde daraufhin vereinbart, gemeinsam die Halle und das Foyer brandschutztechnisch und energetisch zu sanieren. Eine Sanierung der Innenräume (WC-Anlagen, Böden, Hallenboden, Akustik etc.) war zu diesem Zeitpunkt nicht geplant. Man einigte sich auf eine Kostenteilung: ein Drittel Gemeinde und zwei Drittel Landkreis. Zu diesem Zeitpunkt lag die erste Kostenschätzung für die brandschutzrechtliche Sanierung bei ca. 450.000 Euro. Für die energetische Sanierung lag noch keine Kostenschätzung vor.

Während der Arbeiten stiegen die Kosten immer weiter an. Im Mai 2010 wurde festgelegt, die Kosten auf maximal 2,4 Mio. Euro zu begrenzen und nur im notwendigen Rahmen zu sanieren. Durch Projektleiterwechsel im Eigenbetrieb ,Da-Di Werk Gebäudemanagement’ und Wechsel der Zuständigkeiten innerhalb der Gemeinde Münster kam es jedoch im Sommer 2010 zu Abstimmungsdefiziten. Im April 2011 wurde festgestellt, dass sich die Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen durch ,Überraschungen’, wie schlechte Betonqualität, schadhafte Leitungen etc., weiter verzögert. Im Sommer 2012 wurden weitere massive Kostensteigerungen erkennbar.

Einerseits handelte es sich um brandschutzbedingte Mehrkosten und umfangreichere Schadstoffsanierungen als geplant. Andererseits wurden aber auch zusätzliche Leistungen (Austausch des Sportbodens, neue Sportgeräte, Fliesenarbeiten in Umkleide und Dusche) zwischen Gemeinde und Landkreis vereinbart und durchgeführt. Im August 2013 wurde die Halle wieder eröffnet, doch bereits im Frühjahr 2015 mussten Nachbesserungsarbeiten vorgenommen werden. Die Gesamtkosten für die Baumaßnahme lagen schließlich bei 5,8 Mio. Euro.“

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Die Macher des Schwarzbuches fragten bei den Verantwortlichen im Kreis nach und bringen auch deren Erklärung zur ungeheuren Preissteigerung von 450.000 auf knapp 6 Millionen Euro. Zur Rechtfertigung der Mehrkosten verweise der Landkreis insbesondere darauf, dass das gemeinsame Bauprojekt unter dem Zeitdruck des Sonderinvestitionsprogramms gestartet worden sei: „Daher konnte fristenbedingt die gerade bei Sanierungsprojekten sehr wichtige Grundlagenermittlung und Vorplanung weniger intensiv als eigentlich notwendig erfolgen.

Diese Frist war vorgegeben und nicht veränderbar.“ Der Bund der Steuerzahler meint abschließend zum Münsterer Fall: „Wenn die Kosten auf mehrere öffentliche Kassen verteilt werden, führt dies oft zu zusätzlichen Wünschen und dadurch zusätzlichen Ausgaben. Öffentliche Bauträger sollten Fördermittel auch nur dann in Anspruch nehmen, wenn die Grundsätze des wirtschaftlichen Handelns gewährleistet sind.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: op-online.de

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